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Lehrte Lehrter lesen: Ein Professor zitiert Mark Twain
Aus der Region Region Hannover Lehrte Lehrter lesen: Ein Professor zitiert Mark Twain
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13:44 23.01.2019
Professor Rainer Bernd Voges liest nicht nur, sondern demonstriert mit einem Apfel den Sündenfall. Quelle: Susanne Hanke
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Lehrte

Wenn ein Professor für mediale Dokumentation aus seinem Lieblingsbuch liest, dann macht er das gern mit ein bisschen medialer Aufbereitung. So hat es jedenfalls Rainer Bernd Voges am Dienstagabend bei seiner Lesung im Rahmen der Reihe „Lehrter lesen für Lehrter“ in der Stadtbibliothek gehalten. Er ließ sich etwas Besonderes einfallen. Mit einem Bilderrätsel machte er das Publikum neugierig auf das „Tagebuch von Adam und Eva“ von Mark Twain. Dieses Rätsel stellte in einer sehr symbolhaften Bildsprache einen Teil der Genesis dar.

Etwas unkomplizierter war dann Voges’ symbolische Demonstation des Sündenfalls. Er griff einen Apfel, biss herzhaft hinein und brachte das Publikum damit sehr zum schmunzeln. Augenzwinkern war dann auch bei der Lesung ein stetiger Begleiter. Denn Twain beschreibt in diesem schmalen Buchband mit feinem Humor und viel Ironie die Unzulänglichkeiten und Eigenheiten des ersten Traumpaares der Geschichte.

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Dabei lässt Twain Adam sowie Eva jeweils selbst zu Wort kommen, vermischt reale Orte mit fiktiven Gedanken und spielt virtuos mit Fantasie und Vorurteilen. So verlegt er das biblische Geschehen an die Niagarafälle, und Adam beschwert sich über das neue langhaarige Wesen, das das Paradies in Unordnung bringt. „Das neue Wesen redet die ganze Zeit, das schmerzt in den Ohren“, las Voges. Eva hingegen ist bei Twain neugierig auf den Menschen mit den ungepflegten Haaren. „Ich habe es auf den Baum gescheucht, es scheint ein Wesen zu sein, das sich nur ausruhen will“, lautete eine Textzeile.

Voges gelang es durch eine Auswahl von Textbeispielen wie ausn einem Tagebuch die Situation vor und nach dem Sündenfall logisch zu gliedern. Bei der Einteilung in Tage jedoch gelangte der Professor auch an seine Grenzen. Hier siegte auf jeden Fall die künstlerische Freiheit und der subtile Humor. Voges allerdings freut sich schon auf seine Lektüre für den kommenden Urlaub: die Reiseberichte aus Deutschland von Mark Twain, der allerdings arg mit der deutschen Sprache gehadert habe. Deutsch lerne man erst nach dreißig Jahren „Nur die Toten haben Zeit das zu lernen“, äußerte sich einst der Autor der Abenteuerromane „Huckleberry Finn und Tom Sawyer“.

Von Susanne Hanke