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Neustadt Aufatmen in Neustadt: Leine-Pegel sinkt
Aus der Region Region Hannover Neustadt Aufatmen in Neustadt: Leine-Pegel sinkt
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17:35 30.07.2017
Von Dirk von Werder
Eine Familie entspannt sich auf einer Bank im Wasser. Quelle: Dirk von Werder
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Neustadt

Die Ost-West-Passagen über die Leine Helstorf/Mandelsloh und Esperke/Niedernstöcken sind weiter befahrbar. Es ist allerdings unklar, ob dies auch am Montagmorgen noch der Fall sein wird. Beide sind vom Wasser bedroht, da der Scheitel der aktuellen Welle (der letzten in diesem Hochwasser) noch nicht vollständig im Norden angekommen ist. Die Passagen Basse/Mariensee und Bordenau/Poggenhagen bleiben gesperrt. Da die Hochwasserwelle auch diese beiden Brücken-Standorte  noch nicht passiert hat, könnte es sein, dass mindestens eine der Trassen noch überflutet wird und dann unbefahrbar würde.

Das Wasser in Helstorf steigt noch immer an. Aktuell geht die Stadt aber davon aus, dass die Passage zwischen Helstorf und Mandelsloh frei bleibt - und damit auch weiterhin als Umleitung der Umleitung für Schwerlasttransporte zwischen Nienburg und Hannover (und umgekehrt) fungieren wird. Diese werden seit April in Neustadt über Suttorf, Basse und Mariensee umgeleitet. Die Polizei kontrolliert hier aber regelmäßig die Fahrbahn. Sollte sie überflutet werden, würde sie gesperrt.

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In der Kernstadt selbst nutzen diverse Sonntagsausflügler aktuell bei strahlendem Sonnenschein die ungewohnten Perspektiven an der Leine, die auch die Wiesen an Schloss Landestrost überspielt hat.

In Herrenhausen, der nächsten amtlichen Messstation flussaufwärts, ist der Pegel ebenfalls rückläufig. 

Die Stadt zeigt sich gewappnet: 70.000 Sandsäcke liegen an der Kläranlage Empelde und der Feuerwehrtechnischen Zentrale bereit. Trichter zum Befüllen gibt es in geringer Stückzahl auf dem Bauhof, ebenso Sand.

Risiken gibt es auch für Flora und Fauna in den potenziellen Überschwemmungsbereichen: Weidevieh ist in Gefahr, aber auch Wild, das bei rasch steigendem Wasser eingeschlossen wird und sich nicht immer retten kann. Auch Wiesen und Ackerfrüchte würden auf den Flächen beiderseits der Leine überflutet.

Bauern versuchen Ernte zu retten

Alarmstimmung bei den Landwirten: Ihre Ernte - Getreide, Raps, Gras und Heu - sind in Gefahr. Werden sie es noch einfahren können? Ihre Einschätzung: Steigt die Leine im unteren Verlauf, zehn, 15, 20 Kilometer nördlich Neustadts dort bis morgen Abend ebenso rasant wie aktuell in der Kernstadt, werden mehrere tausend Hektar überflutet.

Hinnerk Kahle, Landwirt aus Welze, steuert seinen Ackerschlepper mit zwei Anhängern über ein Roggenfeld weit östlich der Gemarkung Evensen. Vom Trecker aus sieht er das Wasser der Leine. Spült es über den kleinen Deich der Leine, ist sein Getreide verloren. "Jetzt heißt es nur noch retten, was zu retten ist", sagt Kahle. Wenige Meter weiter dreht ein Mähdrescher von Genz-Landtechnik seine Runden durch den Roggen, drischt so schnell es die Maschinen zulassen. "Das Korn ist nicht trocken", sagt Kahle, "aber es nützt nichts. Wird alles getrocknet. Was durch den Mähdrescher durch geht, wird jetzt gedroschen."

Am Sonnabendmorgen, viel früher, als die großen Erntegeräte im Normalfall losfahren - weil das Getreide noch von der Nacht feucht ist, hat der Drescher angefangen. Hinnerk Kahle hat sich mit Stiefvater Ulrich Wiese abgestimmt, hat Genz angerufen und der ist sofort gekommen. 19 Prozent Feuchtigkeit hatte der erste Weizen, den sie gedroschen haben - 14 darf er maximal für den Verkauf haben. "Aber wir sind froh, über jedes Feld, das für einfahren, bevor das Wasser da ist", sagt Kahle.

Auf den Straßen im Norden Neustadts jedenfalls ist viel los - Mähdrescher fahren von Feld zu Feld, von Dorf zu Dorf. Vorrang haben jetzt die Bauern mit Feldern im potenziellen Überschwemmungsgebiet. Auch Heu und Stroh, das auf Wiesen und Felder dort liegt, wird in aller Eile eingefahren.

Dirk von Werder 29.07.2017