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Neustadt Cyberattacke in Neustadt: Hann-IT-Vorstand Dirk Musfeldt im Interview
Aus der Region Region Hannover Neustadt Cyberattacke in Neustadt: Hann-IT-Vorstand Dirk Musfeldt im Interview
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16:00 12.09.2019
Hann-IT Vorstand Dirk Musfeldt sprach mit Redakteur Mario Moers über den Virenbefall der Neustädter Rathaus-IT. Quelle: privat
Neustadt

Dirk Musfeldt ist Vorstand des IT-Unternehmens Hann-IT, das alle Städte der Region Hannover mit Computertechnik und Software ausstattet. Seine Mitarbeiter unterstützen ihn mit Hochdruck dabei, das infizierte Neustädter Computersystem wieder einsatzbereit zu machen.

Was passiert gerade im Offline-Rathaus?

Wir sind dabei, alle Arbeitsplatzrechner neu aufzusetzen. Die Festplatten werden gelöscht, Software neu aufgespielt.

Chirurgen bevorzugen minimalinvasive Operationen. Den Virus gezielt zu entfernen ist also nicht möglich?

Die meisten Rechner sind infiziert. Da hilft nur die totale Methode. Als der Befall festgestellt wurde, war bildhaft gesprochen bereits fast der gesamte Teich mit Seerosen bewuchert. Die Stadtverwaltung hat dann schnell entschieden alles abzuschalten und vom Netz zu trennen.

Was war persönlich ihre erste Reaktion auf den erneuten Befall einer Regionsstadt?

Ich habe Mitgefühl mit den IT-Kollegen, die natürlich in das Feuer der Öffentlichkeit geraten. Aber wir müssen eben auch immer damit rechnen, angegriffen zu werden. Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.

Was bezwecken die Verursacher mit so einem Angriff?

Man darf sich das Szenario nicht unbedingt als gezielten Angriff vorstellen. Der Trojaner Emotet funktioniert eher industrialisiert. Der Befall läuft erst einmal vollautomatisch ab. Das ist eher wie Fischen mit Dynamit. Sie werfen es in einen Teich und schauen, ob irgendwas oben schwimmt. Das infizierte System telefoniert dabei ständig nach Hause und kann von dort gesteuert werden.

Der Trojaner Emotet verbreitet sich auch über infizierte E-Mails. Ist es möglich, dass der Krebs bereits gestreut hat. Muss man sich Sorgen machen?

Praktisch kann ich das nicht beantworten. Theoretisch ist es denkbar. Es muss aber nicht sein. IT-Forensiker und das LKA analysieren solche Vorgänge. Das sind hochspezialisierte Fachleute, die wir selber als Unternehmen zum Glück nicht auslasten können.

Hann-IT betreibt auf seinen Servern in Hannover IT-Dienstleistungen für alle Städte in der Region, dennoch ist nur Neustadt betroffen. Wieso?

Die Systeme sind vergleichsweise gering gekoppelt. Die von uns bereitgestellten Programme laufen im Grunde alle auf unseren Servern. Die Arbeitsplatzrechner vor Ort dienen uns mehr oder weniger nur als Anzeige- und Eingabeterminals. Betroffen sind in diesem Fall die lokalen Systeme, die für andere Aufgaben eingesetzt werden.

Dennoch kam es zu der Infektion. Wie können andere Städte vorbeugen?

Ab Oktober bietet Hann-IT Beratung zur IT-Sicherheit als Dienstleistung an. Gesetzlich ist das für Kommunen nicht vorgeschrieben, deshalb nutzen viele Städte auch keine entsprechenden Angebote. Es gibt aber eine sehr große Nachfrage bei uns.

Was hat man sich darunter vorzustellen?

Es müssen Regeln festgelegt werden, welche Arbeitsweisen im IT-Bereich zulässig sind und welche nicht. Beschäftigte müssen auch unterrichtet werden, worauf sie klicken dürfen und worauf besser nicht. Das ist ein wichtiger Baustein.

Von Mario Moers

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