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Neustadt Bischof Ralf Meister verteidigt Feiertage im Kloster Mariensee
Aus der Region Region Hannover Neustadt Bischof Ralf Meister verteidigt Feiertage im Kloster Mariensee
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00:17 26.04.2019
Äbtissin Bärbel Görcke und Landesbischof Ralf Meister genießen die Stille des Kreuzgangs im Kloster Mariensee. Meister sprach dort am Ostermontag über „Freiräume", das Jahresmotto der ev.-luth. Landeskirche. Quelle: Mario Moers
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Mariensee

Feiertage sind für Landesbischof Ralf Meister keine freien Tage. „Ostern ist mehr zu tun als Weihnachten“, sagt das Oberhaupt der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover am Montagabend nach getaner Arbeit im Kloster Mariensee. Erst jetzt, am Abend könne er durchatmen und genüsslich Kekse essen. Der Schriftzug „Zeit für Freiräume“, ist mit einem Stempel auf die Plätzchen aus der Klosterbackstube eingepresst. Es ist das Jahresmotto der Landeskirche und Thema des Vortrags, mit dem Meister am Ostermontag nachdrücklich die Bedeutung der bundesweiten Feiertage betonte.

„Die Idee ist politisch“

„Der Zug, der die Verbindlichkeit der gemeinsamen freien Tage infrage stellt, saust schnell voran“, sagte Meister. Den arbeitsfreien Sonntag und Feiertage zu verteidigen, betrachtet der Landesbischof auch als Aufgabe der Kirche. „Die Idee ist auch eine politische. Unsere Gesellschaft braucht Freiräume, die wir gemeinsam erleben und gestalten können“, erläuterte Meister.

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Vor 50 Zuhörern in der kühlen Klosterkirche erörterte der Bischof über die Ursprünge und Konsequenzen der beschleunigten Welt. Auch die Kirche habe mitunter dazu beigetragen, indem etwa das Leben in Klöster durch die regelmäßigen Gebetszeiten strukturierten. Eben jene Durchtaktung des Alltags führe heute zu der konstanten Rastlosigkeit, unter der viele Menschen leiden. Heute ersetzt der Schrittzähler im Smartphone gewissermaßen den Ruf der Glocken zum Gebet. „Der Beschleunigung entkommen wir aber nicht durch die Optimierung unserer Ordnung, sondern, indem wir Freiräume schaffen und erhalten“, so Meister.

Als Christ, so Meister, gebe es eigentlich keinen Grund, in diesem Leben zu hetzen, schließlich wartet noch ein ewiges Leben auf die Gläubigen. Weil die Entschleunigung des eigenen Alltags manchmal allerdings doch gewisser Planung bedarf, hat Meister sich für das Freiraum-Jahr etwas vorgenommen. Mit dem Fahrrad wolle er mehrmals im Jahr von Gemeinde zu Gemeinde fahren und sich Zeit nehmen für Gespräche. Auch andere Geistliche machen mit kreativen Aktionen auf das Jahresmotto aufmerksam. So bietet die Superintendentin aus Celle an, beim Aufräumen des Kellers zu helfen. Die Diakonie Südheide ermöglicht Pflegekräften eine extra Viertelstunde Zeit für ihre Patienten.

Auf dem Traumschiff

Mit einer persönlichen Anekdote berichtete Meister von einem Urlaubserlebnis, das seine Wahrnehmung von Raum und Zeit nachdrücklich verändert hat. Auf einer Familien-Kreuzfahrt mit dem ZDF-Traumschiff, an der Treibeisgrenze kurz vor Spitzbergen, verlor der vertraute Rhythmus des Arbeitstags seine Wirksamkeit. An Deck des Traumschiffs habe er die Relativität der Zeit erlebt. Ein Eindruck, der bis heute nachklinge und ihm helfe, gesellschaftliche Streitthemen wie das Tanzverbot am Karfreitag oder verkaufsoffene Sonntage, zu beurteilen. „Manchmal amüsiert mich diese Kulturlosigkeit und Ignoranz, mit der diese Debatten geführt werden“, so Meister. Abgesehen von der philosophischen Erkenntnis sei er übrigens wenig stolz auf seine Kreuzfahrt. „In Anbetracht der Klimadebatte schäme ich mich ein bisschen“, sagt er.

Kloster-Café wieder geöffnet

Ein Ort der Entschleunigung ist auch das Café im Kloster Mariensee. Auch dort begann am Montag die Saison. Das Café ist nun immer freitags, sonnabends und sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet, auch feiertags. Reservierungen, etwa für größere Gruppen, unter Telefon (01577) 189 2605 (abends erreichbar).

Von Mario Moers