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Neustadt Zoll schließt Restaurant am Muttertag wegen illegal Beschäftigten
Aus der Region Region Hannover Neustadt Zoll schließt Restaurant am Muttertag wegen illegal Beschäftigten
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18:15 13.05.2019
Die Zollfahnder wurden von den Gästen dieses Restaurants beschimpft. Quelle: Kathrin Götze (Archiv)
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Mardorf

Die Feier des Muttertags hat für rund 100 Gäste eines Restaurants in Mardorf am Sonntag ein vorschnelles Ende genommen. Zollfahnder legten das voll besetzte Lokal kurzerhand still. Sie hätten bei einer Durchsuchung festgestellt, dass sich alle sechs Beschäftigten illegal in Deutschland aufhielten, heißt es. Zudem sei es dem Wirt der Gaststätte aufgrund seines Aufenthaltsstatus untersagt, als Selbstständiger zu arbeiten. „Dass ein Betrieb nur mit illegalen Arbeitnehmern geführt wird, ist selten der Fall“, sagt Oliver Keuck vom Hauptzollamt Hannover.

Das Lokal, das italienische und griechische Spezialitäten anbietet, war am Sonntag nahezu ausgebucht, als die Beamten der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Hauptzollamts Hannover die Gaststätte betraten. Um ihr Anliegen nicht vor allen Gästen besprechen zu müssen, baten die Zollfahnder den Wirt und die sechs Angestellten, die im Service und in der Küche eingesetzt worden waren, nach hinten. Alle mussten ihre Pässe und Arbeitsgenehmigungen vorzeigen. Dabei stellte sich heraus, dass es sich bei den Angestellten im Alter von 20 bis 28 Jahren um Albaner handelt, die sich alle mit gefälschten griechischen Pässen ausweisen wollten.

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Wirt darf nicht als Selbstständiger arbeiten

Auch der Wirt des Restaurants stammt aus Albanien. Er konnte zwar einen Aufenthaltstitel vorlegen. „Damit darf er aber nicht als Selbstständiger arbeiten, sondern nur als Angestellter“, sagt Keuck. Nach HAZ-Informationen hatte der Wirt noch im April bei der zuständigen Ausländerbehörde schriftlich bestätigt, dass er keiner selbstständigen Arbeit nachgehe, obwohl er zu dieser Zeit bereits das Restaurant betrieb.

Gäste schlugen vor Wut mit den Fäusten gegen die Tür

Die sechs Angestellten und der Wirt durften nach den Entdeckungen des Zolls das Restaurant nicht weiter betreiben. Da der Gastronom in der Kürze der Zeit kein Ersatzpersonal organisieren konnte, blieb ihm nichts anderes übrig, als die Gaststätte umgehend zu schließen. Damit waren die Gäste nicht einverstanden. Einige von ihnen beschwerten sich lautstark bei den Zollfahndern über den Einsatz am Muttertag. Andere schlugen wütend mit den Fäusten gegen die Küchentür.

Der Zoll leitete gegen den Wirt und die sechs Angestellten Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des illegalen Aufenthalts, der Beihilfe zum illegalen Aufenthalt und Urkundenfälschung ein. Noch ist unklar, ob die Arbeitskräfte zur Sozialversicherung angemeldet wurden und ob sie den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn erhalten haben. Diese Prüfungen dauern noch an. Der Wirt des Restaurants war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Von Tobias Morchner