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Neustadt Deichbau am Silbernkamp wirft viele Fragen auf
Aus der Region Region Hannover Neustadt Deichbau am Silbernkamp wirft viele Fragen auf
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18:11 26.03.2019
Mehr als 70 Zuhörer verfolgen die gemeinsame Sitzung von Ortsrat und Umwelt- und Stadtplanungsausschuss und stellten Fragen. Quelle: Kathrin Götze
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Neustadt

Mit Bildern von den Hochwasserereignissen in Neustadt stimmte Dezernent Jörg Homeier die Zuhörer ein, zitierte Zeitungsberichte, die vor Wetterextremen warnen. Dennoch sind längst nicht alle Anwohner der Leine davon überzeugt, dass der Deich, an dem Stadt und Ingenieursbüros nun seit 2010 planen, den geeigneten Schutz für ihr Wohngebiet und angrenzende Straßenzüge ist. Wie berichtet, plant die Stadt einen 1100 Meter langen und bis zu 3,30 Meter hohen Deich, der im Bogen von der Festungsspitze am Schloss Landestrost bis zum Ende der Röntgenstraße verläuft, rund 50 Meter von den letzten Häusern des Silbernkamp-Gebiets entfernt.

Geplant sind eine Deich-Überfahrt an der Röntgenstraße sowie ein Deichtor nahe an der Festungsspitze, um die Nutzung der Wiese dahinter für Veranstaltungen weiterhin zu ermöglichen. Begehbar wird der Deich nur in diesem Bereich sein, nahe der Leutnantswiese – für die restliche Strecke haben sich die Anwohner ausgebeten, ihre Privatsphäre vor allzu interessierten Spaziergängern zu schützen.

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Jan Brencher stellt die Planung für den Deichbau vor. Quelle: Kathrin Götze

Um Baumaterial zu gewinnen und den Rückzugsraum des Wassers nicht zu sehr einzuengen, sollen im Deichvorland Erhöhungen des Geländes abgegraben werden, wie Diplomingenieur Jan Brencher vom beauftragten Planungsbüro Heidt + Peters berichtete. Ein Teich nahe dem Schloss werde verfüllt, weil er auf der Deichtrasse liegt. Auf der der Stadt zugewandten Seite wird ein so genannter Deichverteidigungsweg gebaut, der insgesamt 5 Meter breit und auf 3 Metern mit einer Betondecke befestigt wird. Auch dieser Weg werde mit Toren vor unerwünschten Nutzern geschützt, berichtete Dezernent Homeier.

Als Maß für das so genannte Jahrhunderthochwasser, vor dem das Bauwerk die Stadt schützen soll, dient die Flut von 1946 – zu dieser Zeit gab es das Wohngebiet noch längst nicht, es entstand in den siebziger Jahren. Er habe mit Zeitzeugen gesprochen, berichtet CDU-Ratsherr Heinz-Jürgen Richter, „damals stand das Wasser am Heini-Nülle-Platz in der Innenstadt“, sagt er. Richter plädierte dafür, den Deichbau auf den Weg zu bringen. „Seien wir froh, dass wir bisher von solchem Hochwasser verschont geblieben sind“, sagte er.

Das Wasser, das den Leuten vom Silbernkamp bisher Probleme bereitet hat, kam aus der Kanalisation und drückte bei starkem Regen in die Häuser –davor müssen sie sich mit Rückstauklappen und anderen Hilfsmitteln selber schützen. „Der Deich wird diese Probleme nicht verschlimmern, aber auch nicht alle lösen“, sagte Brencher den Zuhörern. Ein großes Pumpwerk soll bei kleineren Hochwasserereignissen die Entwässerung unterstützen – von der Leutnantswiese aus werde das Wasser dann hinter den Deich gepumpt, so Brencher. Was Ober- und Unterlieger an der Leine angeht, werde der Deich laut Berechnungen keine Auswirkungen haben. Die Fließgeschwindigkeit der Leine verändere sich durch die minimale Einengung des Rückzugsraums voraussichtlich nicht.

Mit Mehrheit stimmten Ortsrat und Ausschuss dafür, das Planfeststellungsverfahren einzuleiten. In diesem Verfahren können Anlieger und beteiligte Behörden sowie Träger öffentlicher Belange Stellungnahmen und Einwände vorbringen.

Der Deich verläuft von der Röntgenstraße im Bogen bis zur Festungsspitze am Schloss Landestrost. Quelle: Grafik: Amparo Llorens-Gracia

Von Kathrin Götze

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