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Neustadt Nabu und Grüne haben Einwände zum Südlink
Aus der Region Region Hannover Neustadt Nabu und Grüne haben Einwände zum Südlink
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17:20 08.07.2019
Sammlung in Kleinarbeit: Christel Budnik (links) und Gisela Kirmizi vom Nabu informieren auf dem Markt zur geplanten Südlink-Trasse. Quelle: privat
Neustadt

Auf der geplanten Südlink-Stromtrasse sehen Nabu-Mitglieder und Grünen-Politiker zahlreiche wertvolle Naturschätze gefährdet. In einer umfangreichen Stellungnahme zu dem geplanten Projekt haben Nabu-Mitglieder 59 sogenannte Raumwiderstände gesammelt, die in dem einen Kilometer breiten Trassenkorridor liegen, außerdem 43 in den Randbereichen. Aus Sicht der Naturschützer dürfen diese natürlichen Lebensräume durch die Bauarbeiten nicht gestört werden.

Zahlreiche seltene Tiere kartiert

Libellen und Kammmolche, Rotmilane, Eisvögel, Nachtigallen, Weißstörche und andere seltene Tiere haben ihre Brut- und Nahrungsstellen nahe der Trasse, auch die Standorte von Orchideen, seltenen Pilzen und Altholzbeständen sind auf den Karten verzeichnet, die die Nabu-Mitglieder Gisela Kirmizi und Christel Budnik mit Unterstützung einiger Fachleute in Kleinstarbeit erstellt haben. Mit der plötzlichen Eröffnung, die bevorzugte Plantrasse verlaufe durch das Neustädter Land, fiel für Kirmizi das Startsignal, Mitte April ging die Gruppe an die Arbeit.

Gisela Kirmizi zeigt eine Seite der fünfseitigen Karte, auf der die Naturschützer Vorkommen seltener Tiere, Pflanzen und Biotope eingezeichnet haben. Quelle: Kathrin Götze

„Uns war klar, dass das Projekt viele Naturschätze gefährden würde“, sagt Kirmizi. Doch um zu erfahren, wo genau sie liegen, mussten die Vorkämpferinnen Leute mit spezieller Ortskenntnis finden und befragen – in vielen Fällen ist das gelungen. Besonders intensive Unterstützung gaben die Pilzexpertin Rita Lüder und der Umweltgutachter Dirk Hermann. Dieser gehört auch dem Vorstand der Neustädter Grünen an, er hat auch seine Partei zu einer Stellungnahme mobilisiert.

Grüne sehen Defizite beim Artenschutz

Die Neustädter Grünen sähen erhebliche Defizite beim Thema Artenschutz in den von Tennet vorgelegten Unterlagen, heißt es darin. So werde beispielsweise der Weißstorch in einer artenschutzrechtlichen Ersteinschätzung pauschal als nicht betroffen bezeichnet und nicht weiter beachtet, obwohl sich mehrere Weißstorchhorste in unmittelbarer Nähe der Trasse befänden. „Die Störche nutzen die Feldflur, insbesondere das Grünland als Nahrungshabitat“, sagt Hermann. „Sollte es zum Beispiel durch monatelange Bautätigkeit während der Brutzeit dazu kommen, dass die Tiere horstnahe Nahrungsflächen nicht mehr nutzen können, könnte das die Aufzucht der Jungen gefährden.“ Auch baumbewohnende Fledermausarten und gefährdete Vögel wie Neuntöter und Pirol nisteten in der Nähe der Trasse.

Umweltschützer hoffen, dass Hinweise berücksichtigt werden

Dass solche Details bisher nicht berücksichtigt wurden, erklärt sich aus dem Vorgehen des Netzbetreibers, der bei der Betrachtung der Trassenabschnitte gewissermaßen Schritt für Schritt die Flughöhe verringert und mehr Details in die Betrachtung einbezieht. Dabei könnten die Hinweise der Ortskundigen wertvolle Hilfe bieten, hofft zumindest Kirmizi. Auch die Grünen setzen darauf: Sollte die Bundesnetzagentur tatsächlich für die Variante durch Neustädter Gebiet entscheiden, müsste erheblich nachgebessert werden, so Hermann. Dann müssten Flora und Fauna gründlich kartiert werden, bei der „Feintrassierung“, also der endgültigen Festlegung der 30 Meter breiten Trasse, müssten sensible Bereiche so weit wie möglich umgangen werden. Trotzdem würden sicherlich erhebliche Kompensationsmaßnahmen erforderlich, um die entstehenden Beeinträchtigungen für die Natur auszugleichen.

Stadt will Hinweisen Gewicht verleihen

Die Stadt werde die Hinweise des Nabu auch in ihre eigene Stellungnahme aufnehmen, um ihnen mehr Gewicht zu verleihen, kündigte Annette Plein an, städtische Fachbereichsleiterin für Bürgerservice. Noch bis zum 12. Juli haben Anlieger und Betroffene Gelegenheit, ihre Stellungnahmen zum Südlink abzugeben. Auf der Seite www.netzausbau.de steht ein Onlineformular bereit. Der Bereich wird dort als Vorhaben 3 und 4 im Abschnitt B geführt. Nur Stellungnahmen, die auf diesem Weg eingereicht werden, haben offiziell Gültigkeit. Davon unabhängig bietet auch Tennet die Möglichkeit an, Hinweise zu geben, die bei den Planungen berücksichtigt werden sollten. Dies geschieht über eine Online-Karte auf. Sie bietet auch einen guten Überblick.

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