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Neustadt Stefan Bombosch lebt zusammen mit einer fünfköpfigen Frettchenfamilie
Aus der Region Region Hannover Neustadt Stefan Bombosch lebt zusammen mit einer fünfköpfigen Frettchenfamilie
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18:18 13.09.2019
Stefan Bombosch und Frettchen Capper sind ein Herz und eine Seele. Quelle: Susann Brosch
Neustadt

Frettchen als Haustiere? Für Stefan Bombosch sind seine fünf Marder so etwas wie ein Familienersatz. Viele Spaziergänger kennen den Neustädter, der seine quirligen Schützlinge regelmäßig durch den Park am Schloss ausführt. Auch zu einem Infonachmittag in einer Tierhandlung war er schon eingeladen. Der 52-Jährige leidet seit seiner Jugend unter Neurodermitis und hat eine Tierhaarallergie. „Vor etwa 15 Jahren habe ich eine Zeit lang als Pizzalieferant gearbeitet. Einmal hat mir eine Frau mit einem Frettchen auf dem Arm die Tür geöffnet. Das Tier war überhaupt nicht scheu und ich habe es gestreichelt. Und meine Haut hat nicht allergisch reagiert“, berichtet Bombosch.

Frettchen sind gesellige Tiere

Als er Jahre später den ärztlichen Rat erhielt, sich ein Haustier anzuschaffen, erinnerte sich der alleinstehende Neustädter an diese Begegnung. „Ich habe mich im Internet über die Tiere schlau gemacht und eine Züchterin in der Wedemark kontaktiert. Bei ihr konnte ich noch mal mit den Kerlchen auf Tuchfühlung gehen“, berichtet er. Als Neuling riet ihm die Züchterin zu etwas größeren Jungtieren. „Die sind dann nicht mehr ganz so quirlig wie Welpen“, so Bombosch. Frettchen sind allerdings keine Einzelgänger. „Pärchen-Haltung ist das Minimum, besser sind drei Tiere. Und natürlich kastriert. Sonst kann man die wegen des Geruchs gar nicht in der Wohnung halten“, weiß der Frettchen-Liebhaber zu berichten.

Nur kastrierte Frettchen sind als Haustier geeignet

An der Wohnungstür kontrolliert Bombosch als erstes das Schuhwerk seiner Gäste. Geschlossen sollten sie sein. „Sie lieben Zehen“, sagt er. Als nächstes fällt der Stallgeruch auf: Es riecht etwas strenger als bei Hasen, aber keineswegs penetrant. Damit sich der Geruch nicht in der kompletten Wohnung verteilt, hat der Tierliebhaber im Wohnzimmer, direkt über dem schrankgroßen Käfig, eine Abluftanlage installiert. Auf drei Etagen, die mit Kunststoffrohren verbunden sind, wohnen drei Fähen und zwei Rüden. Die Luxus-Appartements sind mit Schlaf-Hängematten, Kuschelecken, Fress- und Wassernäpfen sowie drei Toiletten mit Katzenstreu ausgestattet.

Frettchen sind neugierige und sehr zutrauliche Tiere. Quelle: Susann Brosch

Wer sich setzt, wird beklettert

Als Bombosch die Türen öffnet, umringen die Pelztiere ohne Scheu den fremden Gast. Sie beißen nicht zu, doch hin und wieder testen sie die Widerstandsfähigkeit der Schuhe. Wenn sich ein Frettchen auf die Hinterbeine stellt, reicht es locker bis zum Knie. Wer sich setzt oder gar in die Hocke geht, wird sofort beklettert. Bombosch ist im Papa-Modus. Kuschelt mit seinen ungewöhnlichen Haustieren und säuselt liebevolle Worte in ihr Fell, was ihnen offenbar gefällt. Besonders die fünfjährige Frieda liebt es, gekrault zu werden. Sie wirft sich auf den Rücken und lässt sich den Bauch kraulen, wie viele es von Hunden oder Katzen kennen. Nur schnurren kann sie nicht. Überhaupt sind die Tiere auffallend still. Kein Fauchen, Winseln oder Knurren ist zu hören. Dafür ein ständiges Gewusel am Boden.

Die Tiere schlafen 18 Stunden am Tag

Die verspielten Tiere schlafen rund 18 Stunden am Tag. „Aber nicht am Stück. Da sind sie flexibel und passen sich an. Das kommt meiner Arbeit im Schichtdienst entgegen“, sagt Bombosch. Er hat sein Wohnzimmer als Frettchen-Spielwiese eingerichtet. Hinter dem Sofa, das offensichtlich auch den Tieren zum Kuscheln dient, hat er ein großes Eckregal mit einer flexiblen Rohrkonstruktion versehen. „Da kriechen die mit Freude durch und verstecken auch ganz oft ihre Leckerlis“, schmunzelt der Halter. Zum Glück gilt das nur für Trockenfutter.

Zahme Frettchen werden zur Jagd eingesetzt

Alle Mitglieder in der Familie der Marder sind Fleischfresser. „Sie bekommen Katzenfutter aus der Dose und eine spezielle Trockenfutter-Mischung für Frettchen. Im Sommer habe ich für die fünf etwa zwei Euro Futterkosten pro Tag. Im Winter ist es das Doppelte“, sagt Bombosch. Frettchen sind eine domestizierte Unterart des Europäischen Iltis. Sie wurden einst aufgrund ihres ausgeprägten Geruchssinnes zur Jagd auf Hasen und Kaninchen verwendet. „An manchen Flughäfen werden sie heute noch zu diesem Zweck gehalten, um das Rollfeld frei zu halten“, weiß er zu berichten. Die Verwandtschaft zu den Iltissen ist den Tieren anzusehen. Die Standardfärbung der Frettchen ist graubraun mit einer Gesichtsmaske.

Gassirunden im Schlosspark

Einmal am Tag geht Bombosch mit seinen Frettchen spazieren. Das ist nicht ganz einfach. „Raus wollen sie schon gerne, aber halt lieber ohne Leine“, schmunzelt Bombosch. Die schlanken Tiere bekommen ein Brustgeschirr umgeschnallt. Um die zappeligen Fellknäule ruhig zu halten, nimmt er Vitaminpaste für Katzen. Die Tiere lecken ausgiebig an der Tube, während Bombosch rasch das Geschirr anlegt.

„Ich fahre lieber mit ihnen in den Schlosspark, da geht es ruhiger zu“, sagt er. Mit Frettchen spazieren zu gehen hat wenig Ähnlichkeit mit einer Hunde-Gassirunde. „Die suchen sich ihr Plätzchen, das sie neugierig auf den Kopf stellen. Ich halte nur die Leinen fest und achte auf freilaufende Hunde“, sagt Bombosch. Zum Glück haben die possierlichen Tierchen einen hohen Energieumsatz. „So nach zwei Stunden Rumgewusel sind die müde und ruhen sich erst einmal aus“, sagt er und packt die Tiere wieder ins Auto, damit sie vor dem Abendessen noch eine Runde schlafen können.

Der Neustädter Stefan Bombosch liebt seine fünfköpfige Familie über alles. Die handzahmen Frettchen bereichern seinen gleichförmigen Alltag als Maschinenführer.

Von Susann Brosch

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