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Neustadt Erfolgreicher Jagdtag in Neustadts Norden
Aus der Region Region Hannover Neustadt Erfolgreicher Jagdtag in Neustadts Norden
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15:56 25.11.2018
Die Treiber fahren im Anhänger zu ihrem ersten Startpunkt. Quelle: Benjamin Behrens
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Lutter

Der Anhänger mit den Jägern rumpelt davon. „Die werden jetzt zu ihren Ansitzböcken gebracht“, sagt Horst Wiegmann. Der 71-Jährige ist Pächter eines Reviers bei Lutter. Am Sonnabend zogen in 18 Revieren in Neustadt Treiber los, um Wildschweine vor die Läufe der Jäger zu bringen.

Jagd dämmt Afrikanische Schweinepest ein

„Die revierübergreifenden Drückjagdten sind erforderlich, weil die afrikanische Schweinepest vor der Tür steht“, sagt Wiegmann. Aktuell würden Fälle in Belgien und Polen gemeldet so Wiegmann. Wird der Wildschweinbestand eingedämmt, verringert sich auch das Verbreitungsrisiko durch Revierwechsel der Tiere. „Nur Schweine erkranken. Theoretisch könnte man ein erkranktes Stück Schwarzwild bedenkenlos essen“, betont der Jäger.

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Für die zwölf Treiber ist es Zeit zum Aufbruch. Die Fahrt auf dem Anhänger ist holperig, als einzige Dämpfung dienen Heuballen. Am Ziel verteilt sich die Gruppe am Waldrand, sie bilden eine Kette, die sich rund 1,5 Kilometer durch das dicke Unterholz arbeiten wird, umso das Wild aufzuscheuchen. Die Arbeit ist anstrengend, sich den leichtesten Weg zu suchen ist verboten. Die Gruppe muss die Formation einhalten, sonst könnten die Tiere durch die Reihe schlüpfen und entkommen. „Das ist ein harter Job“, sagt Wiegmann.

Jagd ist humaner als mancher Schlachthof

Seit 1966 ist der Jagdleiter dabei. Heute bildet er auch angehende Jäger aus. Unter den Treibern sind auch einige seiner Schützlinge, für sie ist die Treibjagd Teil der Vorbereitung auf die Jägerprüfung. Der Jäger hat viel Empathie mit den Tieren. „Zum Leben gehört das Sterben. Die Jagd ist human gegen das, was man von manchem Schlachthof hört“, sagt Wiegmann. „Wer Hausschweine hat, der weiß wie intelligent die sind“. Jagdhörner zu Begrüßung etwa hat sich die Jagdgesellschaft verkniffen. Ältere, erfahrene Tiere wüssten dann nämlich was ihnen blüht und flüchteten, so Wiegmann. Um genau 9.36 Uhr ist der erste Schuss zu hören – nicht in Lutter, sondern im Nachbarrevier Mandelsloh. „Das Schießen gehört zur Jagd. Aber über 90 Prozent sind Hegemaßnahmen“, betont Wiegmann. Die Sicherung und Verbesserung der Lebensbedingungen für Wild sei also die Hauptaufgabe des Jägers.

Der erste Abschnitt ist geschafft, Landwirt Jürgen Nülle kann die Treiber einsammeln und zum nächsten Abschnitt fahren. Dort kommt Nülle mit Walter Blume aus Blumenau ins Gespräch, der auf seinem Hochsitz ausharrt. „Rehe haben wir schon reichlich gesehen“, sagt Blume. Kurze Zeit später hat er sein Fernglas wieder vor den Augen, zwei winzige schwarze Punkte sausen im Eiltempo über das Feld. Ein Schuss fällt. Carsten Sykosch aus Neustadt hatte Jagdglück.

Von Benjamin Behrens

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