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Neustadt Bischoping geht nach 31 Jahren Verwaltung in Ruhestand
Aus der Region Region Hannover Neustadt Bischoping geht nach 31 Jahren Verwaltung in Ruhestand
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00:34 22.03.2018
Diese Kastanie an der Theresenstraße ist der erste Baum, den Gudrun Bischoping nach ihrem Amtsantritt 1988 in Neustadt gepflanzt hat. Quelle: Kathrin Götze
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Neustadt

 Ein kleiner Stapel Akten liegt noch auf dem Sideboard im Dachgeschosszimmer des alten Krankenhauses. Ein paar Aufgaben will Gudrun Bischoping noch erledigen, bis sie am 28. März den Abschied aus dem Fachdienst Stadtgrün feiert. 31 Jahre lang hat die Bau- und Wirtschaftsingenieurin in Neustadts Verwaltung gearbeitet, hat sieben Jahre lang den Fachbereich Tiefbau geleitet, der ursprünglich auch für die Bereiche Grün, Verkehr und Bauhof zuständig war. Inzwischen gibt es für Stadtgrün einen eigenen Fachdienst mit Bischoping an der Spitze.

1988 hat sie bei der Stadtverwaltung angefangen, hatte zuvor in der Landesstraßenbaubehörde in Minden gearbeitet. „Damals haben sie einen Verkehrsbauingenieur mit Interesse an Grünaufgaben gesucht“, erinnert sich Bischoping, „Das war genau mein Ding.“ In Westfalen, wo sie herkam, sei Ökologie in den Achtziger Jahren kein Thema gewesen. „Ich habe das immer als eine Einheit betrachtet: wer Straßen baut, schafft auch Lebensraum.“ Im damaligen Stadtdirektor Felix Rohde habe sie in dieser Hinsicht einen verwandten Geist gefunden. „Der hatte auch ein Faible für Grünflächen.“

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Neustadt hat es ihr angetan, seit sie aus Minden herzog. In Eilvese wuchs ihr Sohn auf, seit einigen Jahren lebt sie jetzt in der Kernstadt. „Viele Leute machen sich gar nicht klar, dass Neustadt eine wahnsinnig schöne Stadt ist“, sagt die gebürtige Westfälin.  Sie schwärmt von den Grünzügen und Wasserläufen, die der Kernstadt ihren Charakter geben. Einen Teil davon hat sie selbst verantwortet. Als es darum ging, das Baugebiet Ahnsförth zu begrünen, habe sie gefragt: „Wollen wir die Gräben nicht naturnah gestalten?“

Es gab Widerstand, ein Kollege war stolz auf die schnurgeraden Rinnen mit den steilen Böschungen, andere schlugen vor, die Wasserläufe zu verrohren. „Das kann man doch nicht machen“, fand Bischoping, setzte sich schließlich durch, auch beim nächsten Wohngebiet Parkwiesen. Auch die Dörfer mit ihren tatkräftigen Gemeinschaften haben es ihr angetan. „Ich bin immer wieder beeindruckt, was in einigen Dörfern an Eigenarbeit geleistet wird“, sagt sie.

Allerdings stünde dem in anderen Bereichen ein ebenso ausgeprägtes Anspruchsdenken entgegen. Und eine Bereitschaft, sich gegenüber Verwaltungsleuten auch mal völlig gehen zu lassen. „Eine Versammlung zu einem Straßenbauprojekt musste ich einmal abbrechen, weil wir da massiv bepöbelt worden sind“, sagt Bischoping. Dabei ist die erfahrene Führungskraft durchaus in der Lage, sich durchzusetzen, war eds auch schon, als sie mit dem Straßenbau deutlich konfliktträchtigere Projekte zu managen hatte. „Man kann das ja zum Teil auch verstehen, es geht schließlich um das Geld der Leute.“

Und sich auszudrücken. Wer mit Verwaltungsdrucksachen zu tun hat, weiß, dass die Papiere aus ihrer Feder außerordentlich gut durchdacht und formuliert sind. „Schön, dass Ihnen das auffällt, sagt sie lächelnd, dafür habe sie sich tatsächlich eigens fortgebildet. „Sprache liegt mir ohnehin ganz gut – früher hätte niemand gedacht, dass ich mal was technisches machen würde“, sagt die Ingenieurin. 

Politik, Philosophie und Musik sind die Steckenpferde, die sie nun im Ruhestand pflegen werde. Auch ihr Mann Ulrich werde in Kürze in den Ruhestand wechseln, die beiden haben vor rund zweiJahren geheiratet. In der Öffentlichkeit wird sie wohl vor allem als stellvertretende Vorsitzende im Filmclub Leinepark in Erscheinung treten. Auf lange Sicht strebe sie an, dass im neuen Ratssaal auch Kinovorführungen stattfinden sollen. „Kultur im Rathaus – das wäre doch ideal, auch für die Innenstadt“, sagt sie. „Wer Kultur genießt, der geht ja vielleicht danach noch was trinken.“

Von Kathrin Götze