Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Neustadt Ehepaar Hundertmark gibt seine Gravierwerkstatt auf: Der letzte Pokal ist unverkäuflich
Aus der Region Region Hannover Neustadt Ehepaar Hundertmark gibt seine Gravierwerkstatt auf: Der letzte Pokal ist unverkäuflich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
06:29 11.09.2019
"Sie ist die Chefin", sagt Manfred Hundertmark über den Betrieb, den er mit seiner Frau Brigitte betreibt. Quelle: Mario Moers
Neustadt

Der größte Pokal in der Gravierwerkstatt von Brigitte und Manfred Hundertmark ist unverkäuflich. „In den kommt meine Asche“, scherzt der 77-Jährige, schnappt sich ein Tuch und wischt über das versilberte Metall. Nach 30 Jahren heißt es für das Ehepaar Hundertmark jetzt Abschied nehmen von all den kleinen und großen Pokalen, Zinnbechern, Ehrentellern und Klingelschildern, die sich im Verkaufsraum des Express Schilderdienstes Hundertmark angesammelt haben. Am 16. September übergibt das Ehepaar ihren Familienbetrieb an einen Nachfolger. Die gesamte Ausstattung ihrer Gravierwerkstatt zieht dann nach Schneeren. In den glänzenden Pokalen der Hundermarks spiegeln sich unzählige Momente der Geschichte Neustadts, seiner Vereine und Bewohner.

"Hier kommt meine Asche rein". Manfred Hundertmark vor einem unverkäuflichen, versilberten Pokal, der zum 10. Geburtstag des Unternehmens angefertigt wurde. Er fasst 10 Liter Sekt. Quelle: Mario Moers

Bestellt und nicht abgeholt

„Über diesen Auftrag habe ich mich in all den Jahren am meisten geärgert“: Manfred Hundertmark nimmt eine güldende Metallplakette aus dem Regal. Das geflügelte Truppenzeichen einer Fliegereinheit ist darauf eingraviert und der Satz „For ever the best“. „Eine bayrische Bundeswehrtruppe wollte das ganz eilig graviert haben“, erinnert sich Hundertmark. Für die geschnörkelten Unterschriften der beiden Oberfeldwebel hat er mit der Handgraviermaschine eine kleine Ewigkeit gebraucht. Das war vor vielen Jahren – abgeholt wurde die Plakette bis heute nicht. Die Soldaten aus dem Fliegerhorst in Wunstorf und den nahen Kasernen gehörten zu den Stammkunden der Hundertmarks. „Die haben auch schon mal mitten in der Nacht angerufen, wenn sie einen im Tee hatten“, erzählt er und lächelt.

Zinnbecher, Reitpokale und Klingelschilder: In der Graveurwerkstatt von Brigitte und Manfred Hundermark stecken Erinnerungen an 30 Jahre Firmengeschichte.

Es sind schöne Erinnerungen an die Arbeit, zu der er und seine Frau eher zufällig gekommen sind. Als passionierter Hobbysegler benötigte Manfred Hundertmark ein Schild für eine selbst gebaute Knotentafel. Nach dem Besuch einer Gravierwerkstatt beschloss er 1989, sich selbst eine Maschine zu kaufen. Für den Dr.-Oetker-Außendienstler und seine Frau war das der Beginn ihrer Nebentätigkeit. An ihr Haus in der Haydnstraße haben sie bald ein kleines Ladenlokal angebaut. Der Kundenstamm wuchs so gut, dass ein örtlicher Juwelier die Konkurrenz zu fürchten begann. Über die Nicklichkeiten, die daraus entstanden, können die beiden heute schmunzeln. Der erste Graveur vor Ort zu sein, ist eben ein Renommee, das durchaus begehrt ist. „Wenn man hört, dass irgendwo ein Turnier stattfindet, muss man gleich zum Hörer greifen. Mann muss am Ball bleiben“, sagt Hundertmark.

Treue Kunden

Viele Vereine aus Neustadt gehören zu den Stammkunden, wie in dem Laden deutlich sichtbar ist. Quelle: Mario Moers

Im Gegenzug sind die Kunden in ihrer Branche besonders treu. Pokale des FC Wacker, der lange Saufänger der Jägerschaft, ein Besteck der Marienseer Pfadfinder oder eine Plakette vom Wanderpokal der Schützen Zeugen hiervon. Nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist dagegen das Kerngeschäft der Express-Graveure. „Das waren Aufträge für die Industrie. Schilder für Brandmeldeanlagen oder Chemiefässer“, erklärt Brigitte Hundertmark (68).

Umzug nach Schneeren

Neuer Betreiber des Express Schilderdiensts wird Andreas Moldenhauer. Er wird die Gravierwerkstatt ab dem 16. September mit seiner Frau Dagmar in Schneeren, Neuer Sandberg 7, betreiben. Die Telefonnummer ist (05036) 925959.

Das Telefon steht nicht still

Auch in der letzten Woche ihres langen Arbeitslebens steht das Telefon nicht still. „Wenn es schnell gehen muss, kann ich das in zwei Stunden erledigen“, antwortet Manfred Hundertmark einer Anruferin, die „ganz dringend“ ein Zippo-Feuerzeug als Geschenk graviert haben möchte. Sogar die ersten Aufträge für seinen Nachfolger hat er bereits aufgenommen. Die Pokale des Egon-Olsen-Fußballturniers werden nun in Schneeren graviert.

Zum Weiterlesen:

Von Mario Moers

Eine Qualmwolke stand über dem Wald zwischen Neustadt und Bordenau. In einer Hütte nahe dem Weenser Damm war ein Feuer ausgebrochen. Das unwegsame Gelände erschwerte die Löscharbeiten.

10.09.2019

Die Bauarbeiten an der Brücke über die Neue Auter in Scharrel gehen auf die Zielgerade. Wenn alles gut geht, kann die Brücke bereits Anfang Oktober wieder freigegeben werden, statt erst Ende November.

10.09.2019

Zwei Fernsehsender beschäftigen sich mit Neustadts Schrankenproblem: Der NDR hat mit Schulkindern und dem Sprecher der Bürgerinitiative Schranke weg gesprochen. Sat 1 will sogar eine Demonstration inszenieren.

10.09.2019