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Neustadt Gemeuchelt liegt er da.....
Aus der Region Region Hannover Neustadt Gemeuchelt liegt er da.....
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15:57 26.05.2017
Von Dirk von Werder
Sterbender Held: noch hilft Regisseurin Ruth Rukowski aus, spielt den tragischen Helden Borrsen Quelle: von Werder
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Poggenhagen

Stellprobe war angesagt - am Freitagnachmittag, am Landgasthof Meyer, am Waldeck nah der Kirche, an der Kirche, oder dem Kulturgut. Sieben mal macht der Tross der Darsteller samt Spielleitung und Musiker Station, schildert "frei nach" der Erzählung Wilhelm Sicius' das Los des Moorhennies; Wirt im Moorkrug irgendwann anno dunnemals, als ein Wirt gesellschaftlich nichts galt, kaum gut genug war, die Tochter eines Bürgerlichen zu ehelichen. 

Die Schlüsselszene spielt im Waldeck - hoch steht das Gras der Wiese, grün liegt der Wald dahinter, und eine Kutsche nähert sich, der Spielbarkeit halber eine Rikscha, am Fahrrad anhängend. Dem Publikum, das bei den vier geplanten Aufführungen hoffentlich zahlreich auf der Wiese Platz genommen haben wird, dürfte rasch klar sein: Die Idylle trügt; dunkle Gestalten, "gut sichtbar versteckt", wie Regisseurin Ruth Rukowski den Darstellern zuruft, tummeln sich im Unterholz. Und der "Borrsen", der tragische, erste Held der Geschichte hört wenig später Hilferufe. Die Kutsche ist überfallen, Borrsen eilt zu Hilfe, schlägt drei Räuber hernieder, ehe er vom Haupt-Übeltäter Nemmes niedergestreckt wird.

Borrsen überlebt schwerverletzt, wird auf den Kirchhof gerettet, erkennt dort die Geliebte, schwört ewig Treu und wird endgültig gemolcht, wieder vom Nemmes. "Gemeuchelt liegt er da, in meinem Arm", singt herzerweichend seine Ilse; die anschließend schwört, nie wieder sich in einen Manne zu vergucken - zumindest nicht, bis ihr Borrsen gerächt sein wird. Und da schließlich kommt der Moorhennies ins Spiel...

Das Theater Fensterzurstadt hat die Legende in sieben Szenen zusammengestellt. Da wird gebrandschatzt, gemeuchelt und gerächt, dass es - aus bequemer Sicht des Zuschauers - eine Freude ist. Auch Wilhelm Sicius, einst Verleger der Leine-Zeitung, hätte seinen Spaß daran. Sein Moorhennies, erst in den vergangenen Jahren von engagierten Poggenhagenern der Vergessenheit mittels beschildertem Spazierpfad der Vergessenheit entrissen, wird zur Poggenhagener Identitätsfigur. Premiere ist am Sonnabend, 10. Juni, 15 Uhr; weitere Vorstellungen folgen am 11., 17. und 18. Juni, immer um 15 Uhr, immer mit Start am Landgashthof und Ziel auf dem Kulturgut. Auch Poggenhagener sind mittenmang im Geschehen: Ursula und Mario Schöttke spielen mit, andere singen, musizieren.