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Neustadt Schützen fürchten um den Festsaal
Aus der Region Region Hannover Neustadt Schützen fürchten um den Festsaal
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18:55 24.08.2018
Hans-Erich Hergt und Dankwart Müller blicken auf zahlreiche Festivitäten im Bürgersaal zurück. Quelle: Kathrin Götze
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Neustadt

 Betreten blickt Dankwart Müller auf den massiven Betonträger. Das Bauelement im Bürgersaal des Freizeitheims soll eine Treppe stützen, die aus dem Raum auf die Empore führt. In Kürze soll die Stadtbibliothek in den Raum umziehen. „Das sieht mir fast so aus, als ob das nicht mehr rückgängig zu machen ist“, murmelt Müller und schüttelt den Kopf.

Mit dem Umbau endet für Neustadts Schützen eine Ära: Seit 1972 haben sie in dem Saal regelmäßig ihre Festessen abgehalten. In dem fensterlosen Raum unter den prächtig verästelten Leuchtern haben sie an langen Tischen getafelt, haben Damenreden und Scherze zum Herrenessen gehört – und langlebige Freundschaften geknüpft, wie Hans-Erich Hergt sagt. Mit einem kleinen Abgesang hat Hergt den Bürgersaal bereits beim Schützenfest bedacht. Beim Baustellenbesuch kommen den beiden traditionsbewussten Männern nun Zweifel, ob sie wohl jemals wieder in dem Saal feiern werden.

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„Es wäre ein Jammer, falls es nicht mehr gehen sollte“, sagt Hergt. Nicht nur die Schützen, auch Feuerwehr, Landvolk, Jäger und zahlreiche andere Gruppierungen haben in den vergangenen Jahrzehnten in dem Saal gefeiert, auch Ausstellungen und Messen fanden dort regelmäßig statt, ebenso wie Parteiversammlungen und auch die eine oder andere Ratssitzung. Mit der Umnutzung geht der Stadt nun der letzte öffentliche Saal dieser Größenordnung verloren.

„Wir müssen darauf dringen, dass diese Möglichkeit wieder geschaffen wird“, sagt Hergt. Das ist sogar verbrieft, denn als die ehemaligen Gemeindewiesen am Leineufer der Stadt für den Bau übergeben wurden, geschah das unter der Bedingung, dass sie den Schützenplatz und verschiedene Räume im Freizeitzentrum jedes Jahr drei Tage lang für ihr Fest nutzen dürften.

Dessen sei man sich wohl bewusst, versichert Stefan Bark vom Bürgermeisterreferat. Die Stadtverwaltung verhandele mit allen Beteiligten über die Zukunft des Freizeitheims. Dabei stünden noch immer alle Möglichkeiten offen. Ob das Gebäude stehen bleibt, ob es von einer neuen Bürgerhalle ersetzt wird, oder ob an anderer Stelle eine Möglichkeit geschaffen wird – all das sei noch im Fluss. Wohl gebe es Investoren, die sich etwa Wohnungen dort vorstellen könnten. Doch, ob das im Überschwemmungsgebiet der Leine überhaupt genehmigt werden kann, stehe noch in den Sternen.

Zumindest für die nächsten drei Jahre soll zum Schützenfest ein Zelt auf der Suttorfer Straße vor dem Veranstaltungszentrum Leinepark aufgebaut werden. Quelle: Kathrin Götze

In die Gespräche würden neben den Schützen auch die Feuerwehr und andere Nutzer einbezogen, sagt Bark. Schützenkommandeur Gunnar Körber bestätigt, man sei auf gutem Weg. Für die nächsten drei Jahre sei zumindest schon einmal geregelt, dass zum Schützenfest ein Zelt auf der Suttorfer Straße aufgebaut wird, damit Sanitäranlagen und weitere Räume dort weiterhin genutzt werden können.

Die Bürgerhalle stand bis 1968 nahe dem Schützenplatz. Quelle: Privat

Feiern am Leineufer hat lange Tradition

Auf das Recht, am östlichen Leineufer ihr Fest zu feiern, haben die Schützen Brief und Siegel: Das steht auch in einem Nutzungsvertrag, den Stadt und Schützengesellschaft 1972 abgeschlossen haben. Die Stadt überlasse der Gesellschaft den früheren Viehmarktplatz und verschiedene Räume des Freizeitzentrums, namentlich Bürgersaal, Beatkeller, Toiletten und Foyer für ihre Feierlichkeiten. All das könne jährlich insgesamt drei volle Tage in Anspruch genommen werden, und zwar auf unbestimmte Zeit. Bei den betroffenen Grundstücken handle es sich um ehemalige Gemeindewiesen, sagt Schützen-Ehrenhauptmann Hans-Erich Hergt. „Die Weideinteressenten haben der Stadt das Grundstück 1967 mit dieser Auflage übertragen.“

Am Leineufer hätten die Neustädter schon seit Jahrhunderten Schießkünste vorgeführt und Viehmärkte abgehalten, schreibt auch Lokalhistoriker Hartmut Dyck auf seiner Internetseite ruebenberge.de. 1883 wurde dort die so genannte Bürgerhalle errichtet, ein schlichter Bau, in dem viele fröhliche Feste gefeiert wurden. Zeitweise wurde sie als Kaserne und als Flüchtlingsheim genutzt, bis 1968 der morsche Boden brach – daraufhin beschloss man den Bau des Freizeitheims.

Von Kathrin Götze