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Pattensen Arzttermin dauert länger – Auto wird auf Marktplatz abgeschleppt
Aus der Region Region Hannover Pattensen Arzttermin dauert länger – Auto wird auf Marktplatz abgeschleppt
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18:07 24.07.2019
Die Beschilderung am Marktplatz in Pattensen-Mitte: Durchfahrt verboten heißt im Allgemeinen auch Parken verboten. Quelle: Kim Gallop
Pattensen-Mitte

Ein Arztbesuch am Marktplatz in Pattensen-Mitte hat Enno Klatt unterm Strich 210 Euro gekostet. Das liegt nicht an steigenden Gesundheitskosten und Zuzahlungen, sondern an der Tatsache, dass der Pattenser nach dem Termin sein Auto nicht wiederfand: abgeschleppt, auszulösen gegen Zahlung der genannten Summe. Was war passiert?

Termin verschiebt sich – Auto ist weg

Klatt hatte an einem Donnerstag am Marktplatz geparkt. Dort ist, wie an jedem Donnerstag, von 14 bis 18 Uhr Wochenmarkt. Damit die Marktbeschicker Platz zum Rangieren und Aufbauen ihrer Stände haben, dürfen dort von 12 bis 19 Uhr keine Autos stehen. Wegen eines Notfalls in der Arztpraxis verschob sich Klatts Termin nach hinten, sodass er erst gegen 12.30 Uhr zu seinem Parkplatz zurückkehrte – und sein Auto nicht fand. Der Pattenser fragte auf der Suche nach seinem Wagen beim Ordnungsamt nach, bei der Polizei, beim Marktmeister. Letzterer konnte Auskunft geben, schließlich hatte er den Abschleppdienst verständigt.

Doch war er dazu berechtigt? Die Stadt Pattensen hat den Marktplatz und dessen Betrieb für die Dauer des Wochenmarkts der Deutschen Marktgilde zur Nutzung überlassen. Sie hat aber nicht das Verkehrsrecht übertragen – für die Kontrolle, ob Parkverbote eingehalten werden, ist weiter die Verwaltung zuständig. Sind die städtischen Mitarbeiter also selbst am Marktplatz unterwegs, kümmern sie sich darum, Fahrzeuge, die dort halten oder parken, wo sie es nicht dürfen und dabei andere behindern, abschleppen oder umsetzen zu lassen. Ist kein Ansprechpartner der Stadt dort, beruft sich die Marktgilde auf ihren Besitzschutz.

Händler brauchen Zeit, Marktstände aufzubauen

„Viele denken: Der Markt beginnt ja erst um 14 Uhr, da muss ich nicht gleich um 12 Uhr wegfahren“, sagt Carlos Aragues Bremer von der Zweigniederlassung der Marktgilde in Hannover. „Aber unsere Händler brauchen zwei bis drei Stunden, um ihren Stand fertig aufzubauen.“ Es dauere eben, bis ein Obst- und Gemüsehändler nicht nur seinen Wagen aufgestellt habe, sondern auch bis die Spargelschälmaschine steht. Andere Händler haben verderbliche Ware und müssten sich wegen der nötigen Kühlsysteme ans Stromnetz anschließen, auch das brauche Zeit. Zeit, die verloren gehe, wenn erst jemand abgeschleppt werden muss, der in der Zufahrt steht – zumal die einzelnen Wagen der Marktbeschicker viel Platz brauchen. Während die Bäckerin mit einem rund sechs Meter kurzen Hänger komme, gebe es andere, deren Wagen auf eine deutlich größere Länge ausziehbar ist und die mit einem Lkw rangieren, so Aragues Bremer. „Das sehen die Kunden immer nicht.“

Ein Teil des Problems ist aber auch ein weit verbreitetes Missverständnis: Das Verbot am Marktplatz für Donnerstage ist mit dem Verkehrszeichen 250 angezeigt, dem runden weißen Schild mit rotem Rand. Viele kennen es mit der Bezeichnung „Durchfahrt verboten“. Der Text in der Straßenverkehrsordnung spricht aber von einem generellen Verbot aller Fahrzeuge. Das schließt, so diverse Gerichtsurteile, ein Halte- und Parkverbot mit ein.

Weil der Arzttermin zu lange dauerte, stand das Auto eines Pattensers dann im Parkverbot – und wurde abgeschleppt. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa (Symbolbild)

Marktbeschicker versuchen, den Autohalter zu finden

Trotzdem dürfen die Marktmeister nicht einfach so abschleppen lassen. „Wir gehen immer erst mal ringsum in die Geschäfte und Gaststätten und fragen, ob jemand zu dem Auto gehört“, sagt Aragues Bremer. Wenn das nicht helfe, verständige man die Polizei, die feststelle, wer Halter des Fahrzeugs ist. Erst wenn sich so immer noch nicht der Fahrer verständigen lasse, um den Wagen wegzufahren, rufe der Marktmeister den Abschleppdienst. Das wiederum teile er der Polizei mit, da Bürger auf der Suche nach ihrem Wagen erfahrungsgemäß zuerst dort nachfragten. Zudem lasse die Marktgilde auf einen abgeschlossenen Bereich abschleppen, damit sie nicht auf den Kosten sitzen bleibt – Halter müssen ihr Auto dort auslösen.

Auch Klatt betont, dass der Marktmeister sich bemüht habe, bevor er das Fahrzeug des Pattensers abschleppen ließ. Klatt hat nun für sich selbst eine Lösung gefunden, solche Probleme zukünftig zu vermeiden: Er habe eine Visitenkarte mit seiner Handynummer in das Seitenfenster seines Auto geklebt. So können Marktmeister, Ordnungsamt oder Polizei ihn erreichen, sollte sich mal wieder ein Termin ungeplant verlängern.

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