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Pattensen Insektensterben: Acker in Jeinsen soll zur Blühfläche werden
Aus der Region Region Hannover Pattensen Insektensterben: Acker in Jeinsen soll zur Blühfläche werden
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06:03 29.08.2019
Hoffen auf blühende Landschaften: Dieter Miehe (von links), Andreas Sehlen, Britta Jahn und Thomas Volkert auf dem Acker. Quelle: Kim Gallop
Jeinsen/Pattensen

Das Bienen- und Insektensterben ist ein derzeit heftig diskutiertes Thema. Und es stellt sich die Frage, was der Einzelne dagegen tun kann. Die Nabu-AG Pattensen hat einen ganz praktischen Vorschlag und sucht dafür jetzt Unterstützer. Am Mittwochvormittag stellten Nabu AG-Sprecher Thomas Volkert und die aktiven Nabu-Mitglieder Britta Jahn, Dieter Miehe und Andreas Sehlen das Projekt vor.

Der Plan: Im kommenden Frühjahr wird ein ganzer, bislang landwirtschaftlich genutzter Acker in Jeinsen in eine riesige Blühfläche verwandelt. Der Jeinser Landwirt Andreas Sehlen stellt dafür ein 6000 Quadratmeter großes Feld zur Verfügung, das an der Jahnstraße beim Sportplatz der TuSpo und beim Feuerwehrhaus Jeinsen liegt.

Nabu sucht jetzt Blühpaten aus Pattensen

Der Nabu möchte dafür Blühpatenschaften anbieten. Dabei zahlen die Paten – Privatleute oder auch Gewerbetreibende oder Firmen aus ganz Pattensen - 40 Euro pro 100 Quadratmeter Blühfläche.

Die Paten erhalten für ihre Patenschaft eine persönliche Urkunde. Volkert kündigt zudem an, dass am Acker eine Tafel aufgestellt wird. Darauf wird auf Wunsch auch der Name des Paten verzeichnet.

„Das ist ein top landwirtschaftlicher Boden, den ich dafür aus der Verpachtung genommen habe“, sagt Sehlen. Das sei auch ein Risiko für den Landwirt, betont Volkert, der dafür auf Einnahmen verzichtet.

Landwirt ist dem Nabu verbunden

Dieser Landwirt musste glücklicherweise nicht lange überredet werden, denn Sehlen ist Mitglied der Nabu AG Pattensen. „Ich bin aber kein Bio-Bauer, sondern wirtschafte konventionell“, betont er. Die Artenvielfalt und das Überleben der Insekten liegen ihm trotzdem sehr am Herzen. „Sind die Insekten weg, sind auch die Insektenfresser, die Vögel, weg“, ergänzt Volkert.

Nach Auskunft von Sehlen wird die 0,6 Hektar große Fläche, die derzeit mit Ackergras bewachsen ist, gegrubbert, wobei der Boden umbrochen wird. Dann wird sie weiter bearbeitet, damit die Graswurzeln und die Wurzeln anderer künftig unerwünschter Pflanzen austrocknen.

„Ab April, Mai, je nach Witterung, kann die Fläche eingesät werden“, sagt Sehlen. Dafür wird eine besondere Maschine eingesetzt, weil es sich bei der Blühmischung um Feinsämerei handelt, die anders ausgebracht werden muss als das gröbere Getreide.

Die genaue Blühmischung will Sehlen noch mit Experten des Nabu absprechen. Die Pflanzen sollten in diese Region gehören und zu diesem Boden passen“, sagt der Landwirt. „Da kann man viel falsch machen“, bedauert Volkert. Auf nicht heimische Blühpflanzen sollte verzichtet werden.

Große Blühfläche ist nur ein kleiner Schritt

„Es wird bunt“, sagt Volkert voller Vorfreude. Er warnt aber auch vor zuviel Enthusiasmus. Die geplante, große Blühfläche in Jeinsen könne nur eine Begleitmaßnahme sein, um Vögeln, Insekten und anderen Kleinlebewesen Lebensraum und Nahrung zu bieten. „Es bleibt weiter die Forderung des Nabu, dass vernetzende Strukturen wie Hecken und Ackerrandstreifen wieder hergestellt werden.“

Zunächst ist das Aussähen der einjährigen Mischung in Jeinsen ein Versuch. Sehlen hofft, dass die Umwandlung des Feldes an der Jahnstraße die Anwohner und Spaziergänger auf das Thema aufmerksam macht. Es sei ein Vorteil, dass die Fläche so zentral und gut sichtbar liegt.

Volkert kündigt an, dass die Blühpaten auch in die Feldarbeit einbezogen werden. Eine kleine Fläche könnte per Hand eingesät werden, schlägt er vor, eventuell verbunden mit einem kleinen Grillfest für Nabu-Mitglieder, Nachbarn und Gäste.

Nabu sucht Landwirte, die weitere Flächen umwandeln

Paten können sich entweder per E-Mail unter Nabu-pattensen@gmx.de oder postalisch unter NABU-AG Pattensen, c/o Thomas Volkert, Hüpeder Straße 4, 30982 Pattensen melden. Wenn sich viele Blühpaten für die erste Fläche in Jeinsen finden, könnten künftig weitere Flächen mit anderen Landwirten als Blühflächen ausgewählt und finanziert werden.

Die Nabu AG Pattensen trifft sich jeden zweiten Dienstag im Monat ab 19 Uhr im Calenberger Hof, Göttinger Straße 26. Das nächste Treffen ist am 10. September.

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Von Kim Gallop

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