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Pattensen Bürger gedenken der Opfer der Pogromnacht
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16:02 10.11.2019
Mitglieder der Kirchengemeinden und der Stadtverwaltung Pattensen sowie rund 50 Bürger tragen Kränze und Kerzen durch Pattensen und legen sie am Mahnmal an der Hofstraße nieder. Quelle: Daniel Junker
Pattensen-Mitte

Mehr als 50 Bürger sowie Mitarbeiter der Pattenser Stadtverwaltung und Kirchengemeinden haben am Sonnabend den Opfern der Novemberpogrome des Jahres 1938 gedacht. In der Nacht vom 9. auf den 10. November wurden damals von SA-Männern und Parteimitgliedern der NSDAP zahlreiche Synagogen angezündet. In Pattensen wurde die Synagoge der jüdischen Gemeinde am 10. November gewaltsam zerstört.

In Erinnerung an die Taten folgten am Sonnabend mehr als 50 Bürger dem Aufruf der Kirchengemeinden St. Lucas und St. Maria sowie der Stadt Pattensen, der Opfer im Rahmen eines ökumenischen Gottesdienstes zu gedenken.

Feuerwehr sollte nur Nachbarhäuser retten

In der Kirche St. Lucas rief Pastor Carsten Lohse die damaligen Ereignisse noch einmal in Erinnerung. „Bis zum Ende des zweiten Weltkriegs wurden 5,7 Millionen Menschen ermordet, nur weil sie jüdischer Abstammung waren“, machte er deutlich. Bei der Pogromnacht hätten die Feuerwehren in Deutschland den Auftrag gehabt, nur die Nachbarhäuser, aber nicht die Synagogen zu löschen. „Die jüdischen Gemeinden mussten sogar für die Beseitigung des Schutts aufkommen.“ Heute seien viele der damaligen Haltungen wieder zu erkennen, mahnte Lohse.

„Wir sind immer noch unter dem Schock und den Eindrücken der Ereignisse von Halle“, schlug auch der katholische Pfarrer Tomas Berkefeld den Bogen zu aktuellen Geschehnissen. Er erzählte die Geschichte von Abraham, seinem Sohn Isaak und seinem Enkel Jakob, der sich später den Namen Israel gab. Dessen Nachfahren hätten den Glauben an Gott bis heute bewahrt. „Das Bewusstsein darüber verbietet es uns, auf irgendeine Weise verächtlich oder geringschätzig über dieses Volk zu denken. Es ist unsere Berufung, dieses Volk zu lieben als Gottes auserrufenes Volk.“

„Ein neues Bewusstsein entsteht“

Im Anschluss an den Gottesdienst zogen die Teilnehmer mit Kerzen über den Marktplatz und die Dammstraße zur Hofstraße, an der damals die jüdische Synagoge gestanden hatte. Nachdem die Vertreter der Kirchengemeinden und der Stadtverwaltung – darunter Bürgermeisterin Ramona Schumann – zwei Kränze am Mahnmal abgelegt hatten, stellten die Bürger die Kerzen auf und neben dem Gedenkstein ab. „Es werden von Jahr zu Jahr wieder mehr Teilnehmer“, freute sich Schumann. „Es ist ein Zeichen dafür, dass ein neues Bewusstsein entsteht und dass man nicht zusehen darf, sondern ein Zeichen setzen muss.“ Die Stadt Pattensen hatte sich zum zweiten Mal mit einem eigenen Kranz an der Gedenkstunde beteiligt.

Mitglieder der Kirchengemeinden und der Stadtverwaltung Pattensen sowie rund 50 Bürger legen Kränze und Kerzen am Mahnmal nieder.

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Von Daniel Junker

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