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Pattensen Tödliche Bluttat erschüttert Pflegeheim
Aus der Region Region Hannover Pattensen Tödliche Bluttat erschüttert Pflegeheim
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00:15 29.05.2017
Von Kim Gallop
Eine Bluttat, die für eine 88-Jährige tödlich endete, erschüttert Bewohner und Mitarbeiter des DSG-Pflegewohnstifts An der Schützenallee in Pattensen. Quelle: Kim Gallop
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Pattensen-Mitte / Hannover

Nach Auskunft der Polizei in Hannover war die 88-Jährige am Donnerstag gegen 15.45 Uhr von Heimmitarbeitern mit schweren Verletzungen in ihrem Bett liegend vorgefunden worden. Wie lange die Frau dort gelegen hatte, konnte eine Polizeisprecherin am Freitag nicht sagen, das Opfer sei aber nicht lange unentdeckt geblieben. Ein Rettungswagen hatte die Seniorin in ein Krankenhaus gebracht, dort starb sie am Donnerstagabend an der Schwere ihrer Verletzungen.

Gleichzeitig mit dem Rettungswagen hatte das Heim auch die Polizei alarmiert. Die Ermittlungen der Polizei stehen noch am Anfang, sagte eine Sprecherin. Schnell fiel der Verdacht auf einen 88-Jährigen, der wie das Opfer im Heim lebt. Opfer und Täter seien nicht verwandt oder verschwägert. Ob es einen Streit gab, konnte die Polizei nicht sagen. "Aufgrund der Gesamtumstände" habe einiges für die Täterschaft des 75-Jährigen gesprochen, hieß es am Freitag von Seiten der Polizei: Der Senior sei in der Nähe des Zimmers angetroffen worden, in dem das Opfer lag, und er habe Blut an seiner Kleidung gehabt.

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Der 75-Jährige gelte als schwer demenzkrank. Der Tatverdächtige wurde noch am Donnerstag in eine psychiatrische Klinik zwangseingewiesen. Eine solche Zwangseinweisung kann ein Arzt verfügen, wenn eine Eigen- oder eine Fremdgefährdung vermutet wird. Die Polizei ermittelt gegen den 75-Jährigen wegen Totschlags.

Das Pflegewohnstift in Pattensen wurde 2007 von der Deutsche Seniorenstift Gesellschaft (DSG) eröffnet und bietet Platz in 88 Einzel- und Doppelzimmern. Leiterin Manuela Siegert hat zum Schutz der Bewohner und der Mitarbeiter eine Nachrichtensperre verhängt. Auskünfte werden ausschließlich von der DSG-Zentrale in Hannover beantwortet.

Bewohner und Mitarbeiter werden seelsorgerisch betreut

"Wir stehen alle noch unter Schock", sagte am Freitagnachmittag Volker Schulze, Geschäftsführer der DSG-Zentrale mit Sitz in Hannover. Heimleiterin Manuela Siegert habe einen Seelsorger hinzu gezogen, der sich am Freitag um Bewohner und Mitarbeiter in Pattensen kümmerte. Dabei werde er nicht nur auf Anfrage aktiv, sondern gehe auch gezielt auf Menschen zu, um zu sehen, ob sie bei der Verarbeitung des Geschehens Hilfe brauchen. Der Seelsorger werde auch noch kommende Woche im Heim präsent sein, kündigte Schulze an.

Dass am Donnerstag die Polizei im Haus war, habe bei den Bewohnern große Unruhe ausgelöst, sagte Schulze. Vielen der Bewohnern sei "die Tragweite des Geschens aber nicht gleich bewusst gewesen". Allerdings hätten sich, wegen der Berichterstattung in der Presse und in den sozialen Medien, inzwischen schon viele Angehörige bei Heimbewohnern gemeldet, die jetzt viele Fragen haben.

Auf die Frage, was bei so einem Todesfall bei der Trauerbewältigung helfen kann, sagte Schulz, dass es in jedem Heim nach einem Todesfall bestimmte Rituale gebe, etwa werde ein Kondolenzbuch ausgelegt. "Doch dafür ist alles noch zu frisch." Er persönlich arbeite seit mehr als 20 Jahren in dieser Branche, aber so einen tragischen Fall habe er noch nicht erlebt.

Eine Bluttat, die für eine 88-Jährige tödlich endete, erschüttert Bewohner und Mitarbeiter des DSG-Pflegewohnstifts An der Schützenallee in Pattensen. Quelle: Kim Gallop