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Pattensen Gutachter soll Feuerwehrplan optimieren
Aus der Region Region Hannover Pattensen Gutachter soll Feuerwehrplan optimieren
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17:12 23.01.2019
Auch die Ausrüstung der Feuerwehr ist Thema im Bedarfsplan: Auf dem Bild kommuniziert der Drehleitermaschinist, der den Korb teuert, über Sprechfunk mit den Kameraden im Korb. Quelle: Thorsten Steiger (Archiv)
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Pattensen

 Er stammt bereits aus dem Jahr 2014, wurde erst gar nicht diskutiert und nun befürwortet, aber nur, wenn ihn ein externer Gutachter aktualisiert und weiterentwickelt: Die Rede ist vom umstrittenen Feuerwehrbedarfs- und entwicklungsplan der Stadt Pattensen. Ausgearbeitet hat ihn die Feuerwehr, doch Verwaltung und Feuerwehr sind sich über das rund 70 Seiten umfassende Werk nicht einig.

In dem Plan steht unter anderem, wie viele Aktive jede Ortsfeuerwehr hat und wie schnell sie am Einsatzort sein kann. Bewertet wurden auch besondere Risiken wie große Firmen, ob es ein Altenheim oder Hotel in der Ortschaft gibt, sowie die Nähe zu Wasser wie bei den Koldinger Teiche oder der Leine. Das alles wirkt sich auf den Fuhrpark und die weitere Ausstattung der acht Ortsfeuerwehren aus.

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Fachbereichsleiter Jörg Laszinski kritisierte in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Feuerschutz, Verkehr, Sicherheit und Ordnung, dass in dem Plan nur der Standardbrandfall berücksichtigt werde. Schließlich werde die Freiwillige Feuerwehr auch bei Hochwasser oder Stromausfall gerufen. „Ich kann den Plan nicht mittragen“, ergänzte Laszinski, „weil die Risikoanalyse der Ortsfeuerwehren sehr hoch angesetzt ist“. Auf Nachfrage nannte er als Beispiel, dass die kleine Ortschaft Oerie nach Meinung der Feuerwehr der höchsten Risikogruppe angehört. „Da wird die Ortsdurchfahrt so bewertet wie sonst eine Autobahn“, sagte Laszinski. Stadtbrandmeister Henning Brüggemann widersprach und erläuterte, dass die Ortsfeuerwehr Oerie häufig alarmiert werde, weil der Stadtteil direkt an der unfallträchtigen Bundesstraße 3 liegt.

Die Pattenser Feuerwehrspitze – ehemaliger Stadtbrandmeister und amtierender Stadtbrandmeister sowie sein Stellvertreter und alle Ortsbrandmeister – hatten den Plan erarbeitet. Warum er so lange liegen geblieben ist, war in der Sitzung kein Thema mehr. Auf Anfrage dieser Zeitung hatte die Stadt darauf verwiesen, dass sie erst noch auf eine Reaktion der Politik und Feuerwehr zu einem Gutachten über den Zustand der teils maroden Feuerwehrhäuser wartet. Andreas Ohlendorf, SPD-Ratsmitglied und Vorsitzender des Feuerschutzausschusses, hatte das zurückgewiesen und seinerseits angemahnt, dass der Feuerwehrbedarfsplan endlich öffentlich diskutiert wird. Brüggemann sagte jetzt im Ausschuss: „Wir haben da viel Arbeit reingesteckt.“ Er schlug vor, dass der Plan nicht nur aktualisiert, sondern auch weiterentwickelt werde – nicht unbedingt von Feuerwehr oder Stadt, sondern vorzugsweise von externen Fachleuten.

In der Sitzung wurde auch deutlich, dass einige Irritationen ausgeräumt werden mussten wie die Verärgerung darüber, dass der aufwendig erarbeitete Plan so viele Jahre lang nicht behandelt wurde und inzwischen in vielen Punkten veraltet ist. „Gut, dass er jetzt Gehör und Anerkennung findet“, sagte Svenja Blume (CDU). Hans-Friedrich Wulkopf (Freie Wähler) störte sich an dem Vorschlag der Verwaltung, das der Beschluss über den Plan „zurückgestellt“ werden soll, bis ein externer Gutachter ihn überarbeitet hat. „Können wir den Plan nicht verabschieden und dann die Feuerwehr bitten, nochmal drüber zu schauen?“ fragte er. Auch Uwe Fleischmann, Ortsbrandmeister von Pattensen-Mitte, fürchtete, der Plan werde damit „beerdigt“. Heinrich Lindenberg (CDU) befürchtet zu hohe Kosten, wenn der Bedarf, den die Feuerwehr in dem Plan angemeldet hat – etwa für neue und größere Fahrzeuge - einfach übernommen wird. „Ich sehe das nicht so dramatisch“, sagte Michael Wahl (CDU), denn aus dem Plan müsse nicht sofort eine „Kaufabsicht“ abgeleitet werden. „Der Plan ist schließlich keine Bestellliste“, stimmte ihm Jens Ernst (SPD) zu.

Michael Wahl beantragte schließlich, die von der Verwaltung formulierte Beschlussfassung zu ändern: Der Plan mit dem Stand von 2014 soll beschlossen und gleichzeitig ein externer Gutachter beauftragt werden, den Plan zu aktualisieren und weiterzuentwickeln. Dem folgte der Ausschuss einstimmig. Einstimmig empfahl das Gremium zudem, dass der mit Vertretern von Politik, Verwaltung und Feuerwehr besetzte Arbeitskreis Feuerwehr, der von Ohlendorf geleitet wird, ein sogenanntes Leistungsverzeichnis für diesen Auftrag erstellt. Das letzte Wort hat der Rat, der am Donnerstag, 31. Januar, ab 19 Uhr in der Aula der Ernst-Reuter-Schule öffentlich tagt.

Die Freiwillige Feuerwehr ist mit einem Tanklöschfahrzeug im Einsatz. Quelle: Thorsten Steiger (Archiv)

Von Kim Gallop

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