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Ronnenberg Verwechslung verunsichert Stammkundschaft
Aus der Region Region Hannover Ronnenberg Verwechslung verunsichert Stammkundschaft
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17:05 06.09.2018
Familienbetrieb mit beurkundeter Tradition: Harald Knigge leitet seit 21 Jahren in vierter Generation die vor genau 90 Jahren eröffnete Fleischerei Knigge. Quelle: Ingo Rodriguez
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Ronnenberg

 Es sind zwei bekannte Ronnenberger Traditionsbetriebe, nur einen Steinwurf voneinander entfernt, mitten im Ortskern und geführt von zwei Inhabern, die seit ihrer gemeinsamen Kindergartenzeit gut befreundet sind: der Getränkemarkt Fricke und die Fleischerei Knigge. Doch nun macht eine kuriose Verwechslung dem Fleischermeister Harald Knigge schwer zu schaffen. Immer wieder fragen ihn Stammkunden seit wenigen Wochen, warum er denn in Kürze sein Geschäft aufgeben und schließen würde, erzählt der 54-Jährige.

 Der Hintergrund: Vor einiger Zeit bereits hatte Freund Rainer Fricke offiziell verkündet, dass er seinen Getränkemarkt Ende September nach 112 Jahren wegen Überlastung aufgebe. Das Problem: Der 53-Jährige Getränkehändler wird nahezu in ganz Ronnenberg nur „Pigge“ genannt. Und weil offenbar vor allem für viele Senioren dieser Spitzname „Pigge“ dem Namen „Knigge“ in der ersten akustischen Wahrnehmung sehr ähnelt, kommt es in jüngster Zeit immer wieder zu Missverständnissen.

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 Es ist offensichtlich buchstäblich wie beim Kinderspiel „Stille Post“: Eine Nachricht wird von Ohr zu Ohr geflüstert und falsch verstanden weiter verbreitet. „Viele meine Stammkunden sind verunsichert und fragen, wie lange sie denn jetzt noch Bestellungen aufgeben können“, sagt Knigge und sorgt sich wegen möglicher Umsatzverluste. Für Fricke wiederum ist diese Verwechslung sehr bedauerlich. Er werde schon seit seiner Kindheit „Pigge“ genannt. „Das ist eine kindliche Weiterentwicklung meines richtigen Nachnamens und hat sich einfach so ergeben“, erinnert er sich.

Fricke verabschiedet sich mit Hoffest

Einfach so aufhören? Das kommt für Rainer Fricke nicht infrage: Ende September wird der 53-Jährige seinen Getränkehandel – genau 112 Jahre nach der Eröffnung des traditionsreichen Familienbetriebs – schweren Herzens wegen Überlastung aufgeben. Aber der gelernte Brauer und Mälzer, der die Firma mit Abholmarkt nun schon in fünfter Generation führt, will sich gemeinsam mit seiner Frau Ulla gebührend von den Stammkunden und Geschäftspartnern verabschieden.

Für Sonnabend, 29. September, dem letzten Öffnungstag des Getränkehandels, ist auf dem Geschäftsgrundstück an der Gehrdener Straße ein Hoffest geplant. „Von 9 Uhr an, den ganzen Tag lang“, kündigt der Fricke an.

Das Missverständnis macht seinem Freund Knigge ausgerechnet in einem Jahr zu schaffen, das für seine Fleischerei mit Partyservice eine besondere Bedeutung hat: „Der Familienbetrieb wurde genau vor 90 Jahren vom Onkel meines Großvaters Heinrich eröffnet“, erzählt Knigge. Genau dort am Hagacker, wo er heute noch am Stammsitz der Firma Wurst produziere, seien einst ebenfalls die ersten Sorten hergestellt worden. „Früher wurden auf unserem Firmengelände auch noch Bullen und Schweine aus den bäuerlichen Betrieben des Ortes geschlachtet“, sagt Knigge.

Er hat den Betrieb 1997 von seinem Vater Helmut übernommen. Seit 21 Jahren leitet Knigge nun schon das Geschäft mit zwei Filialen und einem Cateringservice sowie 20 Mitarbeitern – nach dem Urgroßonkel, Großvater Heinrich und Vater Helmut in vierter Generation. Knigge zeigt ein Dokument, das die Eintragung in das Verzeichnis der Freien Fleischer-Innung Hannover am 15. Februar 1928 beurkundet. Eine Mitarbeiterin betritt das Chefbüro und erkundigt sich wegen einer Bestellung: Ob es denn möglich sei, für ein Fest in der nächsten Woche 40 Münchner Weißwürste zu liefern - sei sie gefragt worden. „Na klar, die machen wir fertig“, sagt der Chef.

Der 54-Jährige Fleischermeister denkt noch nicht ans Aufhören. Mindestens zehn Jahre will er den traditionsreichen Familienbetrieb noch weiter führen. „Bis zum 100-jährigen Bestehen trete ich nicht in den Ruhestand“, sagt Knigge. Er hoffe, dass er dann einen Nachfolger für die Übernahme des Ladens finde. „Meine Kinder haben andere Berufe, die Fleischer-Ausbildung wird immer unbeliebter bei jungen Menschen“, weiß Knigge. Immerhin: In der Gehrdener Filiale beschäftige er derzeit einen Azubi. Von einer bevorstehenden Schließung will der Fleischermeister jetzt aber trotzdem möglichst nichts mehr hören. „Das ist ein Missverständnis“, betont er noch einmal.

Von Ingo Rodriguez

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