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Ronnenberg Mehr Plätze in Wohncontainern
Aus der Region Region Hannover Ronnenberg Mehr Plätze in Wohncontainern
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00:16 01.01.2015
Von Kerstin Siegmund
Auf dem früheren Zuckerfabriksgelände in Weetzen bringt die Stadt Ronnenberg Asylbewerber unter. Dort reicht der Platz nicht mehr aus. Quelle: Archiv
Ronnenberg

Einen Tag vor Weihnachten sind die Kommunen vom Land über die Planzahlen bis Oktober 2015 informiert worden. Ohne Gewähr, denn die Erfahrung der vergangenen Monate zeigt, dass sich die Anzahl der Zuwanderer weiter erhöhen kann. Bis auf Weiteres muss Barsinghausen weitere 146 Flüchtlinge aufnehmen, Gehrden 69, Ronnenberg 104 und Wennigsen 64 Asylbewerber.

Barsinghausens Bürgermeister Marc Lahmann geht davon aus, dass das bewährte Konzept der Stadt, Asylbewerber in angemieteten Wohnungen unterzubringen, noch einige Zeit funktionieren wird. Allerdings müsse der Bau einer Unterkunft an der Hannoverschen Straße wohl schneller als gedacht umgesetzt werden. Eine Alternative biete die öffentlich-rechtliche KSG-Wohnungsbaugesellschaft, die Heime baue, die als Sozialwohnungen genutzt werden können, sollte die Anzahl der Flüchtlinge zurückgehen. Mittelfristig hält Lahmann dies aber für unwahrscheinlich: „Wenn man sieht, was alles in der Welt passiert, so werden wir weiter mit Menschen rechnen müssen, die bei uns Sicherheit suchen.“

In Wennigsen bleibt Fachbereichsleiterin Barbara Zunker vorerst recht gelassen. Sie habe mit etwa 55 Flüchtlingen gerechnet, nun seien es wohl 64. „Bis März kommen wir noch klar“, schätzt Zunker. So lange gelinge es vielleicht, die Flüchtlinge in Wohnungen unterzubringen. Darüber hinaus hat die Gemeinde einige leer stehende Gebäude ins Auge gefasst und auch Geld für Umbauten oder Container bereitgestellt.

Gehrdens Bürgermeister Cord Mittendorf setzt kurzfristig ebenfalls auf die dezentrale Unterbringung. „Wir haben soeben ein Mehrfamilienhaus am Gärtnereiweg angemietet.“ Mittelfristig muss die Stadt aber eine Sammelunterkunft bauen, auf einem eigenen Grundstück am Bünteweg. Dafür stehen 1,6 Millionen Euro bereit.

Hohe Zuweisungszahl überrascht

Das im Oktober beschlossene Unterbringungskonzept der Stadt Ronnenberg für Flüchtlinge gerät mit der neuen Zuteilungsquote des Landes erheblich ins Wanken.

„Wir werden keine Gelegenheit erhalten, unsere Sammelunterkünfte leerzuräumen“, sagt der städtische Fachbereichsleiter Wolfgang Zehler angesichts der neuen Quote, die im Rathaus seit 23. Dezember bekannt ist. 104 Flüchtlinge sind avisiert, die Ronnenberg in den nächsten Monaten nach und nach aus den Lagern des Landes aufnehmen soll. „Die Höhe der neuen Zuweisung hat uns überrascht. Wir haben mit 50 bis 70 Personen gerechnet“, sagt Zehler.

Mit einer bis zu doppelt so hohen Zahl von Asylbewerbern kann die Stadt ihr am 22. Oktober vom Rat beschlossenes Unterbringungskonzept kaum umsetzen. Dieses sieht vor, dass Flüchtlinge nicht dauerhaft in Sammelunterkünften leben sollen. Sobald die Behörden den Neuankömmlingen deren Asylantrag gewähren, wechseln diese Flüchtlinge in den Status der Wohnungssuchenden. Bezahlbarer Wohnraum ist aber kaum vorhanden in Ronnenberg, deshalb bleiben die Asylbewerber häufig lange in einer Gemeinschaftsunterkunft. Privater Wohnraum wird nicht ausreichend angeboten. Deshalb hat sich die Stadt entschlossen, in Ronnenberg am Weetzer Kirchweg und in Empelde an der Nenndorfer Straße Mehrfamilienhäuser mit Sozialwohnungen bauen zu lassen.

Zeitgleich bereiten die Rathausmitarbeiter die Ausschreibung für eine zweite Gemeinschaftsunterkunft mit 40 Plätzen in Wohncontainern vor, die auf einem städtischen Grundstück gegenüber dem Rathaus in Empelde errichtet werden sollen. „Die Anzahl werden wir wohl verdoppeln müssen“, sagt Zehler.

Am 5. Januar wollen die Führungskräfte des Rathauses um Bürgermeisterin Stephanie Harms das weitere Vorgehen beraten. „Den ersten Schub an Asylbewerbern können wir wohl abfangen. Ab dem Frühjahr kann es aber eng werden“, sagt Zehler.

Zwei Gruppen unterstützen

In Ronnenberg haben sich bisher zwei Unterstützerkreise für Flüchtlinge gebildet. Der Arbeitskreis Willkommen kümmert sich seit einem Jahr um die Bewohner der Sammelunterkunft auf dem Gelände der früheren Zuckerfabrik. Das Gebäude hat die Stadt von einem Privatmann gemietet. Die Initiatoren eines Ronnenberger Flüchtlingsaufrufs wollen ebenfalls eine Willkommenskultur für Flüchtlinge etablieren. Geplant sind regelmäßige Veranstaltungen über die Aufnahme der Flüchtlinge in Ronnenberg und mögliche Unterstützungsmaßnahmen. Termine sind aber noch nicht genannt worden. Informationen über den Arbeitskreis in Weetzen gibt es im Internet auf willkommen-in-weetzen.de. Die zweite Gruppe ist per E-Mail an ?rhueper@web.de oder unter Telefon (05?11) 46?67?38 zu erreichen. ker

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