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Ronnenberg 80 Besucher beim Reformationsempfang des Kirchenkreises
Aus der Region Region Hannover Ronnenberg 80 Besucher beim Reformationsempfang des Kirchenkreises
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15:03 01.11.2019
Blumen für die Impulsgeber Christian Windhorst (von links), Sandra Kosel, Bert Staritz, Elke Meyer, Kristin Köhler von Antje Marklein. Quelle: privat
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Ronnenberg

Für die evangelische Landeskirche steht 2019 das Thema „Zeit für Freiräume“ im Mittelpunkt. Aus Sicht des Kirchenkreisvorstands und der Superintendentin Antje Marklein lag es deshalb nahe, bei ihrem Reformationsempfang diesen Impuls aufzugreifen. Ertrunkene Menschen im Mittelmeer, die Politik der Türkei und der spürbare Rechtsruck im Land waren einige Themen, die Marklein in ihrer Begrüßungsrede nannte. „Zeit für Freiräume“ bildet dazu nahezu einen Gegensatz: „Ein Jahr, in der ‚not-to-do-Listen‘ geschrieben werden, in der die Pausentaste gedrückt wird, in der wir auf den Auftrag der Kirche blicken und uns Zeit für heilsame Unterbrechungen nehmen“, erklärte Marklein.

Das Thema hat auch politische Seiten

Gleichzeitig sei dies aber auch ein politisches Thema, sagte sie und nannte als Beispiel die Frage von Ladenöffnungszeiten am Sonntag. Drei Frauen und zwei Männer aus verschiedenen Berufsfeldern erzählten im Anschluss in der Michaeliskirche vor gut 80 Gästen von ihrem Umgang mit Freiräumen. „Wir müssen uns nach Abschluss eines Einsatzes im Streifenwagen wieder ‚freimelden‘. Nach besonders belastenden Einsätzen, wie zum Beispiel vor einiger Zeit nach einem plötzlichen Kindstod, können wir durchatmen und melden uns fünf bis zehn Minuten später frei“, berichtete Sandra Kosel, die Dienstschichtleiterin aus dem Polizeikommissariat Barsinghausen.

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Rund 80 besuchen lauschen den Vorträgen in der unbeheizten Kirche. Quelle: privat

Kritisch blickte Bert Staritz, Ergotherapeut im Petrushof Barsinghausen auf das Motto der Landeskirche. Erst vor wenigen Wochen sei er auf das Jahr der Freiräume aufmerksam geworden – wohl auch, so der 58-Jährige, weil im beruflichen Alltag dafür oft die Zeit fehle. Im täglichen Betrieb, sieben Tage die Woche, 24 Stunden, sei es kaum möglich, Zeit für Muße zu finden. Oasen der Ruhe könnten nur mit mehr Mitarbeitern realisiert werden.

Auf einen großen Freiraum freut sich Elke Meyer. Sie geht Anfang nächsten Jahres in den Ruhestand. Bis dahin engagiert sie sich als Betriebsrätin bei Wabco Hannover. In einer immer schnelllebigeren Zeit und Produktion im Betrieb, sei es für sie wichtig, Zeit für Kolleginnen und Kollegen zu haben. Aber auch selbst Freiräume zu behalten.

Auch Pastorin sucht sich „Freiräume

Kristin Köhler, Pastorin in der Petrusgemeinde Barsinghausen, hatte sich am Anfang des Jahres einiges für die „Freiräume“ vorgenommen, wie sie berichtete. Sie wollte viel lesen, Spaß haben, mit Gott in Kontakt und barmherzig mit sich selbst sein. „Gott sei Dank bin ich in der Generation Y, also in der Generation, die alles hinterfragt, für die Arbeit sinnstiftend sein soll“, sagte sie.

Über „Pausen“ in der Musik sprach Kirchenkreiskantor Christian Windhorst – und sorgte beim Empfang mit zwei Orgelstücken von Dietrich Buxtehude und zwei Liedern, die er mit den Gästen in der Kirche sang, für musikalische Akzente. Aufgrund der Kälte in der Kirche – die Heizung wird derzeit erneuert – wurde auf eine Diskussion über die Impulse zum Jahr der Freiräume verzichtet. Mehr Zeit für Begegnungen und Gespräche bei Getränken und einem Büfett blieb dann im Anschluss im Gemeindehaus nahe der Kirche.

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Von Uwe Kranz