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Ronnenberg Absolut urig: Bergmannschänke in Empelde wird 90 Jahre alt
Aus der Region Region Hannover Ronnenberg Absolut urig: Bergmannschänke in Empelde wird 90 Jahre alt
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20:02 23.07.2019
Im Schankraum erinnert bis heute ein altes Schwarzweißfoto an den Tag der Eröffnung. Quelle: Privat
Empelde

„Als in Empelde noch Kalibergbau betrieben wurde, war der Laden eine echte Goldgrube“, sagt Heide Bestian. Wenn die 77-jährige Frau aus Empelde über die Bergmannschänke spricht, gerät sie schnell ins Plaudern – und ins Schwärmen. „Die Bergleute haben nach der Schicht ihr Feierabendbier getrunken“, sagt Bestian. Dass sie sich heutzutage bei ihren Besuchen in dem Traditionslokal so gern an die alten Zeiten erinnert, hat einen besonderen Grund: Es war ihr Großvater August Blume, der am 1. September 1929 das Traditionslokal an der Hansastraße in Empelde eröffnete – vor fast genau 90 Jahren.

Gastwirt Johannes Selcho und die frühere Besitzerin Heide Bestian erinnern sich noch gut an den Betrieb in der Bergmannschänke in der Zeit des Bergbaus. Quelle: Ingo Rodriguez

Die Bergleute hatten nicht viel Zeit

Wenige Wochen vor der geplanten Feier anlässlich des runden Jahrestages ist Bestian in die Kultkneipe gekommen, um sich mit dem heutigen Gastwirt Hannes Selcho über alte Zeiten zu unterhalten. Die beiden in Empelde aufgewachsenen Senioren können sich sehr gut an die Bergbauzeiten erinnern. „1950 übernahm mein Vater Friedrich Blume den Laden“, erzählt die 77-Jährige. Sie habe als Kind mit ihrer fünf Jahre älteren Schwester oft im Laden helfen müssen. „Die Bergleute hatten nicht viel Zeit, bis nach der Schicht ihre Busse und Schachtbahnen abfuhren. Es musste deshalb alles bereit stehen, wenn sie in den Laden kamen“, sagt Bestian. Ihr Vater habe genau gewusst, wer abends was bestellte. „Ein halber Liter Bier kostete 60 Pfennig, ein Bratrollmops 35 Pfennig“, erinnert sich die Enkeltochter des Erbauers. Nur die Steiger aus Empelde seien oft länger als nur für zwei Bier da geblieben. „Die Bergleute mussten teilweise wieder zurück bis nach Bokeloh“, sagt Bestian.

Gastwirt Johannes Selcho und die frühere Besitzerin Heide Bestian erinnern sich noch gut an den Betrieb in der Bergmannschänke in der Zeit des Bergbaus. Quelle: Ingo Rodriguez

Zwischenzeitlich viele Besitzerwechsel

Dann verabschiedet sie sich – aus gutem Grund: Ihre Schwester Ellen Paulmann feiert an diesem Tag ihren 82. Geburtstag. Die beiden Schwestern verpachteten die Bergmannschänke nach dem Tod ihres Vaters 1962 gemeinsam an die Gilde-Brauerei. „Die Brauerei verpachtete den Laden später an die Wirtsleute Ilse und Walter Bock weiter“, sagt Gastwirt Selcho. Es folgen weitere Pächterwechsel. 1970 verkauften die Schwestern die Bermannschänke an den Bierverlag Tündermann. „Der 1930 in Empelde gegründete Betrieb wurde von meinen Schwiegereltern geführt“, sagt Selcho. Es habe dann noch gedauert, bis er 1995 den Bierverlag und die Bergmannschänke übernommen habe. Vorher seien noch etwa 25 Jahre lang die Familie Kauffeld Pächter gewesen. Nach der Stilllegung des Kalibergwerkes 1975 seien der Betrieb und die Besucherzahlen in der Schänke etwas zurückgegangen.

Die Enkeltochter des ersten Gastwirts der Bermannschänke, Heide Bestian, sitzt als Kind bei einer Lieferung auf dem parkenden Biertransporter. Quelle: Privat

Immer noch rappelvoll

Trotzdem hat die Kneipe auch 90 Jahre nach ihrer Eröffnung bei vielen Stammkunden sowie Ausflüglern rund um die begrünte Kalihalde nichts an ihrer Anziehungskraft verloren – auch, wenn der Laden heutzutage nur noch am Wochenende und an Feiertagen für Gäste und Gesellschaften öffnet. „Grünkohlessen, Goldene Hochzeiten, Maifeier, Himmelfahrt: Es ist regelmäßig rappelvoll bei uns“, sagt Selcho. Für ihn ist die Bergmannschänke nun zu einem Ruhestandshobby geworden. Den Bierverlag leitet inzwischen sein Sohn Carsten. In seiner Anfangszeit als Besitzer und Pächter der Kneipe hatte Johannes Selcho noch zeitgleich das Sportparkrestaurant in Empelde geleitet. „Deshalb habe ich immer in der Schänke Aushilfen am Tresen eingesetzt, um den Laden am Laufen zu halten“, erinnert sich Selcho. Seit dem Beginn seines Ruhestandes 2007 widme er sich nun voll und ganz der Schänke als Hobby.

Gastwirt Friedrich Blume (rechts) übernahm die Kneipe 1950 vom Erbauer August Blume. Quelle: Ingo Rodriguez

Der Charme der Zeit

Überlegungen, den Laden zu renovieren und umzubauen, habe er längst wieder verworfen. Es seien immerhin die historische Einrichtung und der geschichtliche Mantel, der dem Lokal seinen Charme verleihe. Auch die Enkeltochter des Erbauers freut sich bei ihren Besuchen über den nahezu unveränderten Schankraum. Sie bringe an jedem Sonntag ihren Mann zum Stammtisch vorbei und hole ihn später wieder ab, hatte sie gleich zu Beginn des Treffens mit Selcho erzählt. Auch auf die guten alten Sitzbezüge an den Bänken im Gastraum hatte die 77-Jährige hingewiesen. Die Bezüge habe ihr Vater noch vom Opa übernommen. Nur der Anbau unterscheidet das Gebäude heute vom Originalzustand.

Geändert haben sich allerdings die Eigentumsverhältnisse. „Das Grundstück gehört inzwischen nicht mehr der Landwirtsfamilie Fricke, sondern der Stadt“, sagt Selcho. Anders verhalte es ich mit der Fläche des früheren Kaffeegartens hinter dem Gebäude. Das gehört einem Großsohn des früheren Bauern Ernst. Landwirt Ernst hatte einst als Pacht zu jedem Erntefest zwei Kisten Bier bekommen“, erinnert sich Selcho.

Party mit Festzelt, Chorgesang und Blasmusik

In und rund um die Bergmannschänke an der Hansastraße in Empelde beginnt am Sonntag, 1. September, um 10 Uhr eine große Feier zum 90-jährigen Bestehen. Gastwirt Johannes Selcho will an diesem Tag auch seinen 75. Geburtstag nachfeiern. Außerdem feiert er sein 60-jähriges Mitwirken als Sänger verschiedener Gesangvereine. „Überall, wo ich gewohnt habe, war ich nach wenigen Tagen auch in dem örtlichen Gesangverein“, sagt Selcho. Eingeladen hat er deshalb zur 90-Jahr-Feier der Bergmannschänke auch den Männergesangverein (MGV) Empelde sowie den Gesangverein Concordia. Die beiden Chöre werden ebenso auftreten wie die Blaskapelle Schaumburger Musikanten. Außerdem wird im früheren Kaffeegarten hinter dem Lokal ein Partyzelt aufgebaut. Selcho hat auch einen Grillwagen organisiert. Worauf sich der Gastwirt besonders freut: „Ich will mit allen Gästen gemeinsam das bekannte Bergmannlied anstimmen.“

Von Ingo Rodriguez

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