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Seelze Sanierung Hannoversche Straße: Geschäfte beklagen jetzt schon ausbleibende Kunden
Aus der Region Region Hannover Seelze Sanierung Hannoversche Straße: Geschäfte beklagen jetzt schon ausbleibende Kunden
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18:03 24.07.2019
Was geht hier und was nicht? Die Beschilderung sorgt für Irritationen. Quelle: Sandra Remmer
Seelze

Was geht und was nicht? Die Sanierung der Hannoverschen Straße und die damit verbundenen Sperrungen und Umleitungen sorgen für Verwirrung – und Ärger. Nur zwei Tage nach Beginn der Straßenbauarbeiten beklagten die Seelzer Geschäftsleute am Mittwoch deutlich weniger Kundschaft. Viele Autofahrer würden den Hinweis an den Absperrbaken, die an den Kreuzungen Garbsener/Göxer Landstraße/Hannoversche Straße sowie Humboldtstraße/Beethovenstraße/Hannoversche Straße stehen, falsch interpretieren.

Kunden bleiben einfach weg

„Heute Morgen kam jemand rein und war sehr verwundert, dass er hier durchfahren konnte“, sagt Markus Bachhausen, Gastwirt in Flügels Restaurant. Ähnliches berichtet Manfred Waller von Schreibwaren Petri & Waller. „Die Kunden, die zu uns kommen, wundern sich darüber, dass es problemlos möglich ist.“ Waller glaubt, dass viele die Informationen zum Sachstand der Bauarbeiten nicht gelesen haben und davon ausgehen, dass die gesamte Ortsdurchfahrt gesperrt ist. Fred Kiesche, der gerade aus dem Krankenhaus entlassen wurde, freut sich über die vielen freien Parkplätze. „Ich war völlig überrascht, denn ich wusste nichts von der Baustelle“, erzählt er und versichert, dass er als Ortskundiger damit überhaupt kein Problem habe. „Die Straße muss ja gemacht werden“, sagt er und zeigt auf die Unebenheiten auf der Fahrbahn.

Gastwirt Markus Bachhausen demonstriert die Verkehrsruhe auf der Hannoverschen Straße. Quelle: Heike Baake

Augostino Bitto, dessen Eisdiele direkt an der Hannoverschen Straße liegt, versteht nicht, warum gleich die ganze Straße gesperrt werden musste. Viele seiner Kunden kommen mit dem Auto und holen sich Eisbecher nach Hause. „Aber auch die Verlegung der Bushaltestellen ist für uns ein Problem“, erklärt er, denn viele Fahrgäste hätten sich sonst spontan für einen Besuch in der Eisdiele entschlossen oder ein Eis auf die Hand mitgenommen. „Natürlich bleiben nicht alle Kunden weg, aber ich habe schon bemerkbare Einbußen“, sagt Bitto.

Manche Geschäftsleute versuchen mit besonderen Maßnahmen dem Wegbleiben der Kunden vorzubeugen. Dazu gehört Marc Schröder von Döring-Optik. Er lockt mit besonderen Baustellenpreisen während der Straßensanierung. „Eigentlich ist es angenehm, es fahren keine Busse und Lkw“, sagt Schröder und erklärt, dass er aufgrund der guten Vorbereitung nicht mit Einbußen rechne. „Solange die Fußwege begehbar sind, ist für mich alles in Ordnung“, ergänzt er. Auch Timo Fuchs, Geschäftsinhaber des Friseurgeschäftes New Hair, sieht der Baustellenphase gelassen entgegen. „Unsere Kunden freuen sich über die außergewöhnliche Parkplatzsituation“, sagt er. Schräg gegenüber steht Bernd Wucherpfenning vom Erdbeerhof Sander. Zu ihm kommen zwar viele Kunden zu Fuß, aber, so erklärt er, es blieben die Käufer weg, die gegen Feierabend mit dem Auto vorbeigefahren sind und bei ihm Obst eingekauft haben. „Die umfahren jetzt die Hannoversche Straße und kommen nicht zu mir.“

Bernd Wucherpfenning fehlen die Durchfahrtskunden. Quelle: Heike Baake

Stadt prüft Möglichkeiten für zusätzliche Schilder

Die Sorgen der Geschäftsleute sind auch bei der Stadtverwaltung angekommen. Die Stadt prüfe derzeit Möglichkeiten, mit weiteren Schildern auf die Situation aufmerksam zu machen, sagt Stadtsprecher Carsten Fricke. An und für sich sei die Beschilderung eindeutig. Das Schild „Anlieger frei bis Baustelle“ bedeute eben, dass auch Kunden bis zum eigentlichen Beginn der Baustelle fahren und beispielsweise einkaufen oder den Friseur besuchen können. Und es sei auch sinnvoll, schon im größeren Umkreis etwa in Dedensen auf die Baustelle aufmerksam zu machen. Wer nichts in der Innenstadt erledigen wolle, könne den Bereich einfach umfahren.

Kanalarbeiten an der Wunstorfer Straße

Wie die Stadt Seelze in einer speziellen Baustellenzeitung und die Firma Kemna per Handzettel informieren, ist in dieser Woche lediglich der Bereich an der Wunstorfer Straße gesperrt, wo Kanalarbeiten ausgeführt werden. Voraussichtlich ab Montag, 29. Juli, wird die Sperrung ausgedehnt – und dann auch die Hannoversche Straße umfassen. Zu keiner Zeit jedoch sind die Fußwege von den Arbeiten betroffen. Sie können weiterhin genutzt werden, sodass ein ungehinderter Zugang zu den Geschäften möglich bleibt. Davon hat allerdings Kamel Abdel Al vom Früchteparadies nichts, denn die meisten seiner Kunden kommen mit dem Auto. „Eine neun Kilogramm schwere Wassermelone trägt man als Fußgänger nicht so leicht weg“, erklärt er. Das sei vor allem für seine Kunden aus Wunstorf, Hannover oder anderen Seelzer Ortsteilen ein Problem. „Die bleiben dann schließlich ganz weg“, sagt Abdel Al betrübt.

Für den Straßenseitenwechsel im Baustellenbereich werden mehrere Überquerungsmöglichkeiten eingerichtet. Umleitungsstrecken für den Autoverkehr werden weiträumig ausgeschildert und Parkmöglichkeiten ausgewiesen. So bleibt zum Beispiel die Möglichkeit bestehen, über die Bonhoefferstraße ins Zentrum zu gelangen.

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Von Sandra Remmer, Heike Baake und Thomas Tschörner

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