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Seelze Mineralstoffbetrieb erhält grünes Licht
Aus der Region Region Hannover Seelze Mineralstoffbetrieb erhält grünes Licht
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00:15 28.11.2018
Reinhold Heinz und Wilfried Nickel auf dem Gelände, wo der Betrieb entstehen soll. Quelle: privat
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Lohnde

Das Gewerbeaufsichtsamt (GAA) Hannover hat den umstrittenen Mineralstoffbetrieb westlich der Hafenstraße in Lohnde genehmigt. Die Stadt will den Genehmigungsbescheid für den Abfallbetrieb vom 6. bis 19. Dezember im Bürgerbüro öffentlich auslegen. Außerdem wird er im GAA ausliegen. Damit hätten interessierte Bürger zwei Wochen zur Einsichtnahme in die Unterlagen Zeit und könnten gegebenenfalls Bedenken formulieren, sagt Bürgermeister Detlef Schallhorn. Er habe bereits Lohndes Ortsbürgermeister Wilfried Nickel und die Fraktionsvorsitzenden im Rat der Stadt informiert. Schallhorn betont, dass die grundsätzliche Debatte um den Betrieb gelaufen sei. Jetzt formulierte Einwände müssten Substanz haben. So müssten Gegner entweder nachweisen, dass von dem Betrieb doch Gefahren ausgingen oder das GAA bei dem Genehmigungsverfahren Fehler gemacht habe. Insgesamt habe sich die Genehmigung eineinhalb Jahre hingezogen. Nach der Anhörung im April vergangenen Jahres sei zunächst damit gerechnet worden, dass eine Entscheidung des GAA bereits im September oder spätestens Ende 2017 vorliegen werde, erinnerte Schallhorn.

Lohndes SPD spricht von einem schwarzen Tag

In einer Stellungnahme auf die Genehmigung des Abfallbetriebes spricht Lohndes SPD von einem „schwarzen Tag“ für den Ort. „Enttäuschung und Wut darüber, dass der Abfallbetrieb nun kommen soll, sind meine ersten Reaktionen gewesen“, räumt Reinhold Heinz ein, Vorsitzender sowohl der SPD-Abteilung Lohnde als auch des SPD-Ortsvereins Seelze. Die Entscheidung des Gewerbeaufsichtsamtes Hannover treffe die Lohnder völlig unvorbereitet. So hätte es nicht kommen dürfen, meint Heinz. „Seit Juli versuche ich die Verantwortlichen der Bürgerinitiative und der Lohnder CDU, mit denen wir die ersten Aktionen organisiert haben, davon zu überzeugen, gemeinsam weiter zu arbeiten.“ Doch auf seine ersten Anfragen sei nicht reagiert worden, im August sei ihm mitgeteilt worden, keinen Handlungsbedarf zu sehen.

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Nun könnte es zu spät sein, befürchtet Lohndes SPD-Chef. Die Begründung der Entscheidung sei noch nicht öffentlich. Die Widerspruchsfrist werde allerdings Anfang Januar ablaufen. „Die Bürger bis dahin in einer neuen BI zu organisieren, Geld zu sammeln und einen Fachanwalt zu finden, der ordnerweise Unterlagen aus vielen Jahren studiert und fristgerecht einen fundierten Widerspruch formuliert, wird sehr, sehr schwierig.“ Die SPD werde dennoch prüfen, welche Möglichkeiten noch bestehen, kündigt Heinz an.

Um den geplanten Betrieb wird seit Jahren gestritten

Harald Wild, Geschäftsführer der Hafen Seelze GmbH, will den sogenannten Mineralstoffhandel in Lohnde verwirklichen. Westlich der Hafenstraße soll zwischen Mittellandkanal und Bahnlinie eine Anlage zur Behandlung, Lagerung und zum Umschlag von gefährlichen und nicht gefährlichen Abfällen entstehen. Die Anlage soll jeweils maximal 80 000 Tonnen gefährliche und nicht gefährliche Abfälle im Jahr behandeln können, wobei die Gesamtleistung auf 120 000 Tonnen pro Jahr begrenzt sein soll. Die Hafen Seelze GmbH will maximal 5000 Tonnen an gefährlichen Abfällen lagern, bei nicht gefährlichen Abfällen und Naturbaustoffen ist ein Kapazitätslimit von 35 000 Tonnen vorgesehen. Nach Einschätzung der Antragsteller schirmt der nördlich verlaufende Bahndamm Lohnde von dem Betrieb ab. Die Erschließung soll über den Mittellandkanal sowie die B 441 gewährleistet sein. Das Plangebiet umfasst rund 7,7 Hektar, von denen 5,5 Hektar für den Abfallbetrieb genutzt werden sollen.

Gegen das Vorhaben gab es von Anfang an Proteste in Lohnde, weil Staub und Lärm, zusätzlicher Verkehr und die Bearbeitung gefährlicher Stoffe befürchtet wurden. Der Rat der Stadt hatte sich im Jahr 2008 dennoch für die Ansiedlung ausgesprochen, gleichzeitig aber eine Frist von fünf Jahren zur Realisierung gesetzt. Diese Frist konnte der Betrieb nicht einhalten. Geschäftsführer Harald Wild hatte die Komplexität des Projekts als Begründung genannt. Im Juni 2014 verlängerte der Rat die Frist erneut. Im November 2016 hatte die Hafen Seelze GmbH alle Unterlagen eingereicht und das Genehmigungsverfahren begann.

Von Thomas Tschörner