Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Seelze Bürgermeister sehen Bahnpläne skeptisch
Aus der Region Region Hannover Seelze Bürgermeister sehen Bahnpläne skeptisch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:08 06.02.2019
Wie der Ausbau der Bahntrasse in Seelze aussehen soll, steht noch nicht fest. Quelle: Thomas Tschörner
Seelze/Bad Nenndorf

Die Bürgermeister der Städte Seelze, Barsinghausen, Porta Westfalica und Bückeburg sowie der Samtgemeinden Nienstädt, Lindhorst und Nenndorf kommen am Donnerstag im Schlösschen von Bad Nenndorf zusammen, um dort ein Positionspapier zum möglichen Bahntrassenbau zwischen Minden und Hannover zu unterzeichnen. Initiator der sogenannten Nenndorfer Erklärung ist der Nenndorfer Verwaltungschef Mike Schmidt. Unumstritten ist das Papier nicht.

In diesem Papier erklären die Hauptverwaltungsbeamten zwar ihre grundsätzliche Unterstützung für Infrastrukturmaßnahmen im Bahnverkehr. Doch mit Bezug auf die Art des Gleisausbaus formulieren sie eindeutige Wünsche. Bei den Planungen sei zu berücksichtigen, dass nicht nur der zweigleisige Abschnitt zwischen Minden und Wunstorf einen Engpass auf der Hauptachse Berlin–Hannover– Rhein/Ruhr darstellt, sondern gerade auch der Bahnknoten Hannover die Leistungsfähigkeit der Gesamtstrecke begrenze.

Daher fordern die Unterzeichner „den Bund und die Deutsche Bahn AG auf, vorrangig eine weiträumige Entflechtung des West-Ost-Verkehrs über einen Aus- beziehungsweise Neubau auf der Achse Rhein/Ruhr–Soest–Paderborn–Kassel– Nordhausen–Halle/Leipzig zu prüfen“. So hofft die Stadt Seelze auf eine Ausbaulösung im Bereich der bestehenden Trasse, um eine weitere Zerschneidung des Stadtgebietes zu vermeiden.

Allerdings gibt es auch Kritik an der geplanten Nenndorfer Erklärung. Manchen Beobachtern erfolgt der Schritt schlichtweg zu spät. Dies wird beispielsweise damit begründet, dass längst neue Pläne der Bahn auf dem Tisch liegen. Anstelle einer ICE-Trasse, die Geschwindigkeiten von bis zu 230 Kilometern pro Stunde ermöglicht, soll es nun gleich eine Tempo-300-Strecke für Schnellzüge sein.

Bahnstrecke soll auch Tempo 300 ermöglichen

Eine solche wäre aber kaum trassennah zu realisieren, was bedeutet: Führen die Gleise durch Schaumburg, dann auf einer neuen Trasse, die dort niemand will. Doch eine andere Lesart der Tempo-300-Pläne ist, dass diese gar nicht unter Berührung des Landkreises Schaumburg umgesetzt werden können – weder trassennah noch trassenfern. Wieder andere Vermutungen gehen dahin, dass die Tempo-300-Strecke entlang der Autobahn entstehen könnte. Dann wäre die Samtgemeinde Rodenberg auf einmal wesentlich stärker betroffen als Nenndorf. Doch Rodenbergs Verwaltungschef Georg Hudalla glaubt nicht recht an die Autobahnvariante. „Das hört sich erst einmal logisch an, aber wenn man genau hinschaut, sind da doch ziemlich viele Engpässe zu überwinden. Man müsste ja praktisch jede Anschlussstelle untertunneln“, sagt Hudalla. Er glaubt, dass eher eine südlichere Variante vorgezogen wird, bei der Schaumburg außen vor bliebe.

Details zur Bahntrasse stehen noch nicht fest

Auch die Bürgerinitiative (BI) Seelze gegen neue Bahntrassen rechnet damit, dass die Planung einer Bahntrasse durch die Obentrautstadt wieder aktuell wird. Die BI nennt die Veröffentlichung eines neuen Zielfahrplans 2030, der jetzt eine halbstündige ICE-Verbindung zwischen Berlin und Nordrhein-Westfalen vorsehe. „Wo vorher eine Fahrtzeitverkürzung von ,nur’ acht Minuten vorgesehen war, müssen nun mindestens 20 Minuten eingefahren werden“, sagt die BI-Vorsitzende Mandy von Zobeltitz. Dies habe eine deutliche Erhöhung der maximalen Geschwindigkeit von 230 Kilometern pro Stunde auf 300 Kilometer pro Stunde zur Folge. „Diese Anpassung hat gravierende Folgen auf die technischen Anforderungen, sodass einige Varianten in spätere Planungen nicht mehr einbezogen werden könnten“, nennt von Zobeltitz die Befürchtungen der Bürgerinitiativen. Von Zobeltitzt betont aber auch, dass Details wohl erst bekannt werden, wenn nächstes Jahr das Dialogforum beginnt, mit dem die Planer die Bürger und Kommunen beteiligen wollen. Bis dahin müssten sich die Seelzer noch gedulden.

Von Guido Scholl