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Seelze Bürgerstiftung fördert seit zehn Jahren vor allem Kinder und Jugendliche
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18:29 08.11.2019
Die Vorsitzende Evelyn Werner freut sich über zehn Jahre Bürgerstiftung. Quelle: Heike Baake
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Seelze

Die Gründung der Bürgerstiftung Seelze und der damit verbundene Besuch des Notars liegen mit all den weiteren Vorbereitungen zehn Jahre zurück. Der damalige Initiativkreis hatte mit den Gründungsmitgliedern gute Arbeit geleistet. „Der 8. Dezember war der genaue Gründungstag“, sagt die Vorsitzende Evelyn Werner.

Bildung und Erziehung im Fokus

Seit der Gründung leitet sie gemeinsam mit Karin Schallhorn und Renate Büsing die Stiftung. Die Ziele sind breit gefächert: Der Vorstand muss sich kaum beschränken, wenn er Projekte auswählt. Es geht der Stiftung vor allem um gute Bildung und Erziehung, gefördert über Kunst- und Kulturprojekte. Es geht ihr auch um Gesundheit und das soziale Miteinander, um Umwelt- und Naturschutz, Hilfe zur Selbsthilfe sowie Zusammenarbeit und Eigeninitiative.

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Werner kann sich noch gut an den ersten Einsatz der Bürgerstiftung erinnern. „Wir sind in die Schulen gegangen, haben uns von Lehrern anleiten lassen und durften Kinder direkt im Unterricht unterstützen“, erzählt sie. Daraus wurde eine wöchentliche Förderung von Erstklässern in kleineren Gruppen, später die ehrenamtliche Hausaufgabenhilfe im Gemeindehaus der katholischen Kirche an der Südstraße. Bis heute werden dort Schulkinder von Vorstandsmitglied Renate Büsing und ihrem Team betreut – die Kinder können auf die Stiftung zählen. „Ob sich das alles lohnt? Wenn wir miterleben dürfen, wie sich die Kinder entwickeln, auf jeden Fall“, sagt Werner.

RoboCup regelmäßig unterstützt

In all den Jahren zeigte sich die Bürgerstiftung flexibel, passte sich Bedürfnissen und den Belangen der Bürger an. „Es war immer wichtig, dass wir unser Angebot verändern“, erklärt Werner. Dabei denkt sie an die Geflüchteten, die ab 2015 nach Seelze kamen, und an die Kinder, die dringend eine Sprachförderung brauchten.

Ein besonderes Augenmerk legte der Stiftungsvorstand immer auf die RoboCup-AG des Georg-Büchner-Gymnasiums. Sie vermittelt technisches Wissen und Gemeinschaftssinn. Die Stiftung hat die Teilnahme der erfolgreichen Seelzer Teams an den Weltmeisterschaften unterstützt. „Wir möchten junge Menschen fördern, damit sie möglichst viele Chancen haben, ihren beruflichen Weg zu gehen“, erklärt Werner. Ihrer Meinung nach sei es außerordentlich wichtig, Schülern Alternativen aufzuzeigen und ihnen die Möglichkeit zu geben, technische Dinge zu erlernen.

Bücherflohmarkt und Mülltüten-Aktion

Immer wieder ist Werner auf Spenden von außerhalb angewiesen. Heute mehr denn je, denn Zinsertrag bringt das Stammkapital nicht. Manche ihrer Sponsoren legen Geld in die große Kasse und lassen der Stiftung freie Hand. Andere wollen mit ihrem Geld bestimmte Zwecke fördern. Dazu gehörte unter anderem der Kauf von Büchern und Tonträgern für die Stadtbibliothek. Zweckgebunden sind oft Spenden, die dem Weihnachtsessen für Bedürftige zugedacht sind.

Um die Kasse der Bürgerstiftung zusätzlich aufzufrischen, hat sie jährlich einen Bücherflohmarkt organisiert. Unter der Leitung von Vorstandsmitglied Karin Schallhorn wurden gut erhaltene Bücher eingesammelt und auf dem Flohmarkt verkauft. Nicht immer sind die Aktionen der Bürgerstiftung öffentlich sichtbar. „Manche Arbeit machen wir im Stillen“, sagt Werner. Dabei denkt sie an die jährliche Mülltüten-Tauschaktion, in enger Zusammenarbeit mit dem Seelzer Unternehmen Rilling und Partner: Immer im Herbst können Seelzer überschüssige Restabfallsäcke dort abgeben. Wer Säcke braucht, kann sie gegen eine Spende für die Bürgerstiftung an der Säckebörse „kaufen“.

An Ideen hat es dem Vorstand im vergangenen Jahrzehnt nie gemangelt: Mit Schreibwettbewerben motivierte er Schüler zu kreativen Geschichten. Mit einem dreitägigen Workshop ermöglichte er Hauptschülern einen Einblick in die Welt des Poetry Slams. Mit der Förderung des Julius-Club verführte die Stiftung unzählige Kinder zum Lesen.

Festessen mit Rahmenprogramm

Mit ihrem Weihnachtsessen für Bedürftige, angefangen vom Shuttlebus zur Lebenshilfe bis hin zum weihnachtlichen Rahmenprogramm, bringt die Bürgerstiftung die Augen von weit mehr als 100 Teilnehmern zum Glänzen. In Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe und dem Brotkorb kann dieses Angebot bereits seit acht Jahren verwirklicht werden. Emotionale Momente gab es für den Vorstand viele. Aber an einen kann sich Werner besonders gut erinnern. „Für einen Teilnehmer fiel das Weihnachtsessen auf seinen Geburtstag. Er kam zum Essen, genoss die große Runde und bedankte sich herzlich für die große Feier und das Festessen“, erzählt sie.

Schaut Werner in die Zukunft der Bürgerstiftung, dann plagen sie etwas die Nachwuchssorgen. „Wir wünschen uns junge Menschen, die uns vorwiegend bei der Vorstandsarbeit unterstützen“, erklärt sie. Wer sich engagiere, könne viel lernen und „wird mit der ehrenamtlichen Tätigkeit auch seinen Lebenslauf erweitern“, sagt Werner. Und nach ein paar Jahren sei es denkbar, die Nachfolge eines Vorstandsmitglieds zu übernehmen.

Rückblickend denkt Werner an die Rosen, die sie mit ihren Kolleginnen vor zehn Jahren in Seelze verteilte, um auf die Stiftung aufmerksam zu machen. Das zehnjährige Bestehen will der Vorstand nicht feiern, sondern sich aktiv wie jedes Jahr beim Weihnachtsessen für Bedürftige einbringen – der Termin liegt auf dem 8. Dezember.

Stiftungsprojekte leben von Spenden

Die Bürgerstiftung Seelze wurde mit einem Grundkapital von 36.250 Euro gegründet. Der heutige Kapitalstand liegt bei 40.000 Euro. Er wird nicht angetastet. Die Stiftung darf nur den Zinsertrag ausgeben und die Spenden, die sie zusätzlich erhält. Und da Zinsen im Moment fast bei Null liegen, leben alle Projekte von Spenden.

Die Stiftung hat einen geschäftsführenden Vorstand. Er wird beaufsichtigt vom Stiftungsrat, das sind Frank Chmielewski, Krysztof Slaby, Knut Werner, Frank Glaubitz und Heinrich Oelfke. Alle arbeiten ehrenamtlich.

Informationen über die Arbeit der Bürgerstiftung sind auf der Homepage unter www.buergerstiftung-seelze.de zu finden. Dort steht auch ein Antragsformular für eine Förderung zur Verfügung. Einzelförderungen sind nicht vorgesehen und können nur in Ausnahmen bewilligt werden.

Wer sich für die Stiftung interessiert, kann sich an Evelyn Werner wenden, E-Mail vorstand@buergerstiftung-seelze.de und Telefon (05137) 92921. / baa

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Von Heike Baake

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