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Seelze Landwirt Corterier ackert und informiert
Aus der Region Region Hannover Seelze Landwirt Corterier ackert und informiert
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00:18 02.02.2019
Heiko Corterier in seiner Maschinenhalle mit der hydraulischen Astsäge zur Heckenpflege. Quelle: Patricia Chadde
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Dedensen

 Als Landwirtschaftlicher Meister, der 200 Hektar eigene und gepachtete Ackerflächen von Gümmer bis Ostermunzel bewirtschaftet, ist Heiko Corterier unter den Augen der Öffentlichkeit tätig. „Bei Menschen, die im Büro tätig sind, fragt sich keiner, was die wohl gerade machen. bei uns Landwirten ist das anders“, so Heiko Corterier. Schneidet er Hecken, grubbert, pflügt und mäht, sagt keiner etwas. Aber wenn er mit der Spritze unterwegs ist, kommt von Spaziergängern gerne ein Spruch wie: „Na, haust du wieder Glyphosat auf den Acker?“. Beleidigt sein oder informieren sind die Reaktionsmöglichkeiten und der Landwirt aus Seelzes Westen hat sich entschieden: „Wir produzieren nun mal nicht hinter verschlossenen Türen, also nehme ich mir die Zeit und sage, was ich gerade mache“. Schließlich kennen ihn viele vom Sehen. „Allerdings fahre auch nicht in Plauderabsicht auf dem Trecker durch die Gegend“, sagt Corterier, der im geschilderten Fall die Blätter seiner Zuckerrüben mit Mikronährstoffen wie Bor und Mangan vitalisierte. „Ach, das habe ich ja nicht geahnt“, staunte der Flaneur über die Erläuterung. Und Corterier ergänzt: „Mit dem Spritzen von Flüssigdünger kann ich die Pflanzen besonders gezielt und Regen unabhängig mit Nährstoffen versorgen“.

Die Qualität der bewirtschafteten Fächen reicht von Sand- und Marschboden bis zum hochwertigen Löss-Lehm. Quelle: Patricia Chadde

Die Bodenqualität von Corteriers weitläufigem „Arbeitsplatz“ reicht von Mergelboden mit schmalen 30 Bodenpunkten über Gümmers Marsch und Sand bis zum hochwertigen Lehmlössboden Richtung Deister, so dass er dazu passend Grünland, Weizen, Gerste, Raps und Rüben kultiviert. „Über eine gute Fruchtfolge muss man sich da natürlich Gedanken machen. Landwirtschaft ist ein Ausbildungsberuf und das hat seine guten Gründe“, wie der 54-Jährige betont. Nach dem Realschulabschluss startet er seine Qualifikation im Jahr 1980 mit einem BGJ und absolvierte die fünfjährige Ausbildung, unter anderem auf dem Lehrhof Heuer in Fuhrberg, was vielseitig und anspruchsvoll war. „Nach der Schule konnte ich mir auch ein Berufsleben als Fotolaborant oder Maschinenschlosser vorstellen – die Arbeitsplatz-Zusage von VW hatte ich schon“, erinnert sich Heiko Corterier. Doch sein Vater Heinrich kaufte einen Schlepper mit Kabine. Der deutlich gesteigerte Arbeitskomfort hielt den Sohn dann doch in neunter Generation auf der Hofstelle Altes Dorf 50, die im Jahr 1800 gegründet worden war.

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Ein bisschen Maschinenschlosser ist der Landwirt dennoch, denn „mit Schweißgerät und Flex erledige ich Reparaturen, für die mein Vater seinerzeit noch zur Schmiede fahren musste“. Wie der Wandel der Arbeitswelt voranschreitet, zeigt auch die Anzahl der Hofstellen im Ort: „Als ich 1980 anfing, hatte Dedensen noch 15 wirtschaftende Betriebe, heute sind wir nur noch drei“. Doch die Generation zehn ist bei Corteriers in den Startlöchern: Sohn Clemens (21) hat seine landwirtschaftliche Ausbildung schon abgeschlossen und besucht derzeit die Fachschule in Hannover-Ahlem. „Im Institut für Bodenkunde hat er sich unlängst mit einem Mix aus unterschiedlichen tief wurzelnden Gründünger-Pflanzen beschäftigt – das probieren wir bei nächster Gelegenheit mal aus“, freut sich Heiko Corterier auf den Feldversuch, der die Zwischenfrucht Senf ablösen wird.

Zwischenfrüchte, die unterschiedlich tief wurzeln, lösen Senf als klassische Zwischenfrucht ab. Quelle: Dr. Norman Gentsch

Tiere gibt es bei Corteriers, auch Ehefrau Gudrun (53) kommt von einem landwirtschaftlichen Betrieb, nicht mehr. „Ich finde es nicht gut, wenn Tiere nur drinnen leben“, so die Haltung der Heil- und Erziehungspflegerin. Immer wieder wundert sie sich über das Berufsbild des Landwirts in der Öffentlichkeit, was durch Fernsehformate wie „Bauer sucht Frau“, zusätzlich verschoben wird. „Clemens und seine Mitschüler müssen ganz schön pauken“, findet sie. Auch die umfangreiche, betriebswirtschaftliche Büroarbeit erfordert Konzentration und Zeit. Dennoch nimmt sich Heiko Corterier Zeit für Ehrenämter und ist Ortsratsmitglied in dritter Wahlperiode, Landwirtschaftlicher Schöffe sowie im Vorstand der Jagdgenossenschaft Gümmer und des Realverbandes Dedensen. Mit Corteriers Pflanzenschutzspritze wurde 2018 übrigens kein einziger Milliliter Glyphosat verteilt: „Aufgrund der Witterung ließ sich das sehr gut mechanisch regeln“, so der Landwirt aus Dedensen.

Von Patricia Chadde