Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Seelze Erzählcafé lässt Erinnerungen aufleben
Aus der Region Region Hannover Seelze Erzählcafé lässt Erinnerungen aufleben
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:37 18.03.2019
Beim Erzählcafé im Klassenzimmer werden Erinnerungen wach. Quelle: Sandra Remmer
Anzeige
Seelze

„Beim Schlachter Stein musste ich immer meinen Großvater abholen, der dort in der Küche gerne mal ein Schnäpschen trank“, erinnert sich eine Besucherin beim Erzählcafé am Sonntagnachmittag. Im Klassenzimmer im Heimatmuseum, wo sonst Grundschüler Platz nehmen und eine Ahnung vom Schulunterricht längst vergangener Zeiten bekommen, sitzen an diesem Tag mehr als 20 Erwachsene auf den antiken Schulbänken, die ihre Erinnerungen austauschen und Geschichten aus der Vergangenheit preisgeben. Da werden Erinnerungen wach an Zeiten, in denen dicke Sahnebonbons zwei Pfennig gekostet haben und ein zuviel davon schließlich dazu führte, dass ein kleines Mädchen sich im Luftschutzkeller erbrach – was wiederum ihrer Mutter höchst peinlich war.

Ein bisschen an echten Schulunterricht erinnert es, als die Besucher anfangen, Gedichte aufzusagen, doch letztlich ist „Auswendig lernen“ genau das Thema beim zweiten Erzählcafé und gehörte früher zum Schulalltag dazu. Ob Schillers Geschichte von der Glocke oder Fontanes Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, die Seelzer sind textsicher. Das zeigt sich auch, als Horst Henze vom Heimatmuseum die ersten Volkslieder anstimmt, in die die Besucher engagiert einstimmen. „Wir haben sogar im Kanon gesungen“, erzählt Johannes Dietrich Möller aus Dedensen. „Die Stimmung ist locker und gelöst“, lobt seine Frau Heidedörte. Mit Stadtarchivar Norbert Saul plaudern die Heimatinteressierten über Schullektüre damals und heute und erfahren so ganz nebenbei, dass Wilhelm Tell wegen Tyrannenmord 1941 von den Nationalsozialisten verboten wurde und erst nach Kriegsende wieder in den deutschen Schulen gelesen wurde. Bei Kaffee und Kuchen erleben alle so einen kurzweiligen Nachmittag im Klassenzimmer.

Anzeige

Doch auch sonst ist das Museum gut besucht an diesem Sonntag. Angelika Niemann ist zum ersten Mal hier. „Ich bin in Seelze geboren und aufgewachsen und auch zur Schule gegangen“, erzählt sie. Nach einem Besuch im benachbarten Flügels ist ihr der Gedanke gekommen, sich endlich mal das Heimatmuseum anzusehen. „Das ist sehr schön hier“, schildert sie ihren ersten Eindruck. Auf den zahlreichen Klassenfotos, die anlässlich der aktuellen Ausstellung „Schule im Wandel der Zeit“ in den Vitrinen ausgestellt sind, hofft sie bei ihrem Rundgang durch das Museum das eine oder andere bekannte Gesicht zu entdecken.

Die Sonderausstellung „Schule im Wandel der Jahrhunderte – die Entwicklung der Seelzer Dorfschulen“ im Heimatmusuem im Alten Krug ist immer sonntags von 14.30 bis 17.30 Uhr geöffnet. Die Ausstellung wird ständig aktualisiert und ergänzt. Termine für Führungen während der Woche können unter Telefon (05 11) 48 57 04 und (0 51 37) 9 80 88 51 vereinbart werden.

Von Sandra Remmer

Anzeige