Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Seelze Mentoring: So wirbt die Seelzer Politik um Frauen in ihren Reihen
Aus der Region Region Hannover Seelze Mentoring: So wirbt die Seelzer Politik um Frauen in ihren Reihen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:43 30.08.2019
Lernen gemeinsam bei "Frau.Macht.Demokratie": Jens Willms (von links), Romy Fonk, Petra Scholl, Knut Werner, Petra Cordes und Gabriela Giesche. Quelle: Linda Tonn
Seelze

Seit mehr als 15 Jahren engagiert sich Petra Scholl für ihren Stadtteil Letter: Mit dem Verein Letter-Fit hat sie eine Vertrauensbücherei im Alten Rathaus ins Leben gerufen, einen Palettengarten gegründet, einen Bücherschrank aufgestellt. 2016 hat sie die Broschüre „Was ist los in Letter“ herausgegeben, und sie war auch unter den Bürgern, die bis zum Ende für den Erhalt des Alten Rathauses gekämpft haben.

Entscheidungen ohne die Bürger?

„Immer wieder habe ich in meiner Arbeit die Erfahrung gemacht, dass politische Entscheidungen getroffen werden, ohne dass sich die Bürger wirklich einbringen können“, sagt sie. Ob das stimmt und wie Entscheidungen im Seelzer Rathaus zustande kommen, will Scholl in den kommenden zwölf Monaten herausfinden.

Als eine von drei Teilnehmerinnen im Mentoring-Programm „Frau.Macht.Demokratie“ des niedersächsischen Sozialministeriums begleitet sie ein Jahr lang einen Kommunalpolitiker, um Einblicke in die ehrenamtliche Arbeit und die politische Arbeit in Seelze zu bekommen. Scholls Tandempartnerin ist Petra Cordes, CDU-Mitglied, Almhorster Ortsbürgermeisterin, Ratsmitglied und Abgeordnete der Region Hannover. „Es ist wichtig, dass mehr Frauen in die Kommunalpolitik gehen“, sagt Cordes. Die Arbeit sei zwar mit unendlich viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit und auch viel Frustration verbunden – „aber es ist wichtig, dass weibliche Gedanken in die Parlamente einfließen“.

Einstieg in Politik erleichtern

Das Förderprogramm, das mit einer Auftaktveranstaltung in Hannover startet, hat sich zum Ziel gesetzt, Frauen den Einstieg in die Politik zu erleichtern. „Wir müssen sie darin bestärken, in ihren Kommunen und darüber hinaus Präsenz zu zeigen und deutlich zu machen, dass Politik keine Männersache ist“, sagt die niedersächsische Sozialministerin Carola Reimann.

Für Seelze hat die Gleichstellungsbeauftragte Gabriela Giesche die Koordination des Programms übernommen und die drei Tandems zusammengebracht. „Es ist das erste Mal, dass sich drei Teilnehmerinnen gefunden haben“, sagt sie. Das sei ein gutes Zeichen, denn immer noch trauten sich viele Frauen nicht, sich politisch zu engagieren und einzubringen. „Das hat viel mit der Sozialisation aber auch mit der zusätzlichen Arbeit durch ein politisches Amt zu tun“, sagt Giesche. Zusätzlich zu drei großen Veranstaltungen in Hannover werde das Programm auch in Seelze vor Ort begleitet. „Die Frauen sollen zum Beispiel auch Einblicke in die Verwaltungsarbeit bekommen.“

„Mehr Transparenz in der Politik“

Als weitere Tandems haben sich Ratspolitiker Knut Werner (Die Grünen) und Ina Ritter gefunden. Außerdem wird Romy Fonk aus Letter Jens Willms von der CDU begleiten. „Ich wünsche mir mehr Transparenz in der Politik“, sagt Fonk, die in ihrem Stadtteil gegen den Abriss des Alten Rathauses protestiert hat und mit dem Verein „Gemeinsam sind wir stark“ die Kommunikation zwischen Bürgern und Politikern verbessern will. „Ich möchte selbst sehen, wie Entscheidungen zusammenhängen und wer daran beteilt ist“, sagt Fonk. Außerdem hoffe sie, dass sie sich auch mit eigenen Ideen einbringen könne.

Man treffe vielerorts auf Politikverdrossenheit, sagt Fonks Mentor und CDU-Ratsherr Willms. „Als Politiker Zeit in ein solches Projekt zu investieren, kann allen helfen.“ Für die Frauen sei das Programm eine gute Möglichkeit abseits von einer Parteizugehörigkeit politische Luft zu schnuppern. Gemeinsam mit Fonk hat er bereits einen regelmäßigen Termin für gemeinsame Treffen ausgemacht. Sie soll neben den Ratssitzungen auch die Arbeit in den Ausschüssen kennenlernen und Kontakte auf landes- und bundespolitischer Ebene knüpfen.

„Wünschenswert ist natürlich, wenn wir die Frauen dann auch in der Kommunalpolitik halten können“, sagt Mentor Knut Werner. Er will Ina Ritter vor allem die Arbeit in der Partei, in den Ausschüssen und verschiedenen Arbeitskreisen näherbringen. Ob sie in der Politik bleiben wird, weiß Petra Scholl nicht. „Ich möchte zumindest ergrünen, ob es eine Chance gibt, etwas zu bewegen.“

Von Linda Tonn

Mitte September sollen die Bauarbeiten an der Hannoverschen Straße abgeschlossen sein, knapp zwei Wochen später wird auf dem neuen Pflaster gefeiert. Die HGS lädt zum diesjährigen Obentrautmarkt.

30.08.2019

Bei der Obentraut-Zeitreise verwandelt sich der Bürgerpark am Freitag in ein Schlachtfeld aus dem Dreißigjährigen Krieg. Gemeinsam mit Reitergeneral Michael von Obentraut stellen 20 Darsteller die Szenen nach – und, wie eine Politikerin den „Lexit“ plant – Letters Abspaltung von Seelze

29.08.2019

Um Radfahrer auf der Hannoverschen Straße besser zu schützen, fordert die SPD Seelze die Markierung eines Schutzstreifens. Außerdem solle auch nach der Sanierung weiter Tempo 30 gelten.

29.08.2019