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Seelze Regionsabgeordnete: „Seelze braucht mehr attraktive Einfamilienhäuser“
Aus der Region Region Hannover Seelze Regionsabgeordnete: „Seelze braucht mehr attraktive Einfamilienhäuser“
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14:39 09.10.2019
Petra Cordes regt ein Umdenken in Seelzes Stadtplanung an. Quelle: Thomas Tschörner
Seelze

Die CDU-Regionsabgeordnete Petra Cordes, die auch Almhorsts Ortsbürgermeisterin ist, warnt vor einem „Weiter so“ bei der Stadtentwicklung in Seelze. Cordes bezieht sich auf das Wohnraumversorgungskonzept der Region Hannover als Teil der WohnBauInitiative (WoBI), in dem Seelze in mehreren Punkten nicht gut abschneidet. Die Almhorsterin mahnt deshalb mehr Qualität im Wohnungsbau für Seelze an. „Nicht die Masse der Menschen ist entscheidend, die sich in der Obentrautstadt niederlassen.“ Um annähernd gleichwertige Lebensverhältnisse wie in der Region zu erreichen, müssten in Seelze mehr hochpreisige Wohnungen auch für ältere Menschen und für Familien attraktive Einfamilienhäuser geschaffen werden.

Region benötigt rund 28.300 zusätzliche Wohnungen

Die Region rechnet damit, dass die Einwohnerzahl bis 2025 um 38.000 steigen wird. Nach der Prognose würden bis dahin rund 28.300 zusätzliche Wohnungen benötigt. „Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, wirbt die Region bei den Städten und Gemeinden um Beteiligung an der WoBI der Region Hannover“, sagt Cordes. Dabei ginge es vor allem um die Förderung von bezahlbarem Wohnraum, insbesondere im Mietwohnungsbau, und gleichzeitig den Erhalt der Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit der Region. Dazu sei wiederum das „Regionale Wohnraumversorgungskonzept“ erstellt worden, das für Seelze bis 2025 einen Bedarf von 660 Wohnungen angibt.

Cordes sieht besondere Situation Seelzes nicht berücksichtigt

Seelzes Regionsabgeordnete verweist darauf, dass die Stadt bereits einen hohen Anteil an Wohnungen in Mehrfamilienhäusern habe. „Im Vergleich zur Region finden sich anteilig auch mehr Reihen- und Doppelhäuser als freistehende Häuser.“ Somit überwiege die Verdichtung. Von 2007 bis 2016 sei die Zahl der Haushalte in Seelze um 7,3 Prozent auf knapp 16.600 gestiegen. „Die Obentrautstadt ist ein beliebtes Ausweichziel für alle, die sich die Mieten in Hannover nicht mehr leisten können oder aber gern den Traum vom eigenen Heim stadtnah verwirklichen möchten.“

Stadt ist zu schnell gewachsen

Die Stadt sei zu schnell gewachsen, die erforderliche Infrastruktur sei nicht mitgedacht worden, sagt Cordes. So würde schon lange über den Supermarkt in Seelze-Süd diskutiert, den es immer noch nicht gebe. Die Regionsabgeordnete verweist auch auf das von der Seelzer SPD geforderte Stadtentwicklungskonzept, das nicht auf den Weg gebracht worden sei. „Wir sind überrollt worden, auch von der Flüchtlingswelle.“ Dazu kämen Geburtenzuwächse. Die Schulen hätten dabei schon mitgedacht werden müssen.

Fehler drohen sich zu wiederholen

Zwar sind neue Grundschulen in Harenberg und Seelze-Süd geplant, doch sie kommen nach Cordes’ Einschätzung spät. Mit der Ausweisung eines neuen Baugebietes in Gümmer für 500 Menschen und weiteren Bauflächen in Dedensen werde die Stadt sehenden Auges in dieselbe Situation laufen. Denn die Schule in Dedensen sei schon jetzt voll, die geplante West-Grundschule hinke hinter den Baugebieten hinterher.

Stadtverwaltung weist Kritik zurück

Bürgermeister Detlef Schallhorn hält die Kritik der Regionsabgeordneten für weitgehend ungerechtfertigt. „Grundsätzlich ist es so, dass eine positive Einwohnerentwicklung immer auch eine notwendige Anpassung der Infrastruktur zur Folge hat.“ In der Vergangenheit seien neue Baugebiete langsam entwickelt worden. So habe es ausreichend Zeit gegeben, die erforderliche Infrastruktur zu schaffen. „Dies hat sich durch den sehr starken Zuzug in den letzten Jahren und die schnelle Umsetzung privater Baumaßnahmen drastisch verändert“, räumt Schallhorn ein.

Stadt verhandelt weiter mit Supermarkt-Betreibern

Nach einem Ratsbeschluss habe die Verwaltung ein städtisches Grundstück östlich des Kirchbuschweges öffentlich für einen Nahversorger ausgeschrieben, sagte Karin Winkler, Leiterin des Fachbereiches Bau und Umwelt, zur Ansiedlung eines Supermarktes in Seelze-Süd. Ein Angebot sei seinerzeit nicht eingegangen. Die Verwaltung stehe mit zwei Betreibern weiterhin in Kontakt. Der Standort für einen Nahversorger entsprechend heutiger Marktanforderungen werde sich im Zuge der Entwicklung des vierten Bauabschnitts realisieren lassen, sagt Winkler.

In Seelze-Süd ist viel Wohneigentum geschaffen worden

Die Fachbereichsleiterin ist überzeugt, dass aufgrund der Nähe zur Landeshauptstadt Hannover der Nachfragedruck auf Seelze auch in den nächsten Jahren bestehen bleiben wird. Gleichzeitig stellt Winkler klar, dass in den vergangenen Jahren im Wohnungsbau überwiegend Eigentumsmaßnahmen realisiert worden sind. So gebe es in Seelze-Süd nur ein einziges Mehrfamilienwohnhaus, das als Mietobjekt geplant wurde. Fazit sei, dass es einen Bedarf für öffentlich geförderten, preisgebundenem Wohnungsbau gebe – zum einen als Ersatz für auslaufende Belegrechte und in moderner und barrierefreier Form und zum anderen für qualitativ hochwertige Angebote für Haushalte mit höherem Einkommen.

Die Astrid-Lindgren-Schule könnte durch eine neue West-Grundschule ersetzt werden. Quelle: Heike Baake

Zwei Schulen werden ab 2021 gebaut

Andrea Kaemmerer, Fachbereichsleiterin Bildung und Freizeit, rechnet mit einem Baustart für die geplanten Grundschulen in Harenberg und Seelze-Süd in der zweiten Hälfte des Jahres 2021. Zwar sei es wünschenswert, wenn die geplante Ausweisung neuer Baugebiete wie in Gümmer und Dedensen durch die gleichzeitige Schaffung von neuen Krippen-, Kita- und Schulplätzen flankiert werde, sagte Schallhorn. Im ersten Quartal 2020 werde die vom Rat in Auftrag gegebene Standortanalyse für eine mögliche West-Schule zur Entscheidung vorgelegt. „Aufgrund des zeitlichen Vorlaufes wird es kaum möglich sein, eine eventuelle Westschule so an den Start zu bringen, dass auf Übergangslösungen komplett verzichtet werden kann“, sagt der Bürgermeister.

Seelzer haben wenig Kaufkraft

In dem Wohnraumentwicklungskonzept sind diverse Daten über die Situation in Seelze in den Jahren 2006 bis 2016zu finden. So ist etwa die Zahl der Beschäftigten seit 2006 um 27 Prozent auf 6000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte gestiegen – ein im Vergleich zur Region Hannover überdurchschnittliches Wachstum. Die Zahl der Arbeitslosen ist damit gesunken, liegt aber mit einer Quote von 8,9 Prozent über der der Region Hannover (ohne Landeshauptstadt) und unter der Region inklusive Hannover. Im Jahr 2016 hat es mit 11.200 dreimal so viele Aus- wie Einpendler gegeben. In Seelze wohnen mehr Beschäftigte als dort arbeiten. „Die Arbeitsplatzzentralität ist im regionalen Vergleich mit am geringsten“, heißt es in der Vorlage für die politischen Gremien. Seelze sei eher Wohn- als Wirtschaftsstandort, sagt die Regionsabgeordnete Petra Cordes. Die Kaufkraft je Einwohner habe 2017 deutlich unter dem Regionsdurchschnitt gelegen: Seelze habe vor Uetze den vorletzten Platz im Regionsranking belegt. Jeder Seelzer verfüge im Schnitt über 23.265 Euro, in Isernhagen seien es 32.037 Euro pro Einwohner. Nach Hannover (44,5 Prozent) hat Seelze mit 43,7 Prozent den höchsten Anteil an Haushalten mit geringem Einkommen in der Region. Auch der Anteil der Empfänger von Mindestsicherungsleistungen lag 2016 mit 4300 (12,7 Prozent der Einwohner) über dem der Region Hannover (ohne Landeshauptstadt).

Von Thomas Tschörner

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