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Seelze Stadt will Hubbelsche als Naturschutzgebiet ausweisen
Aus der Region Region Hannover Seelze Stadt will Hubbelsche als Naturschutzgebiet ausweisen
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17:15 02.06.2019
Die Hubbelsche vom Kanal aus gesehen. Quelle: Thomas Tschörner
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Seelze

 Die Hubbelsche (die Hügelige) soll erneut unter Naturschutz gestellt werden. Dafür hat sich der Rat der Stadt Seelze einstimmig ausgesprochen. Das etwa 14 Hektar große Gebiet im Bereich der Querung des Mittellandkanals über die Leine ist die Heimat seltener Pflanzen und Tiere. Die Fläche westlich des Kanals und nördlich der Leine hat teilweise Auenwaldcharakter mit Erle, Esche und Weide und beherbergt diverse gefährdete Tierarten wie Libellen und Falter. Der relativ unzugängliche Bereich wird zudem von Weißstorch, Rauschwalbe und Graureiher zur Nahrungssuche genutzt.

Die Stadt Seelze begrüßt die Neuausweisung des Naturschutzgebietes Hubbelsche (NSG-HA 255) ausdrücklich. Die Stellungnahme der Obentrautstadt war erforderlich, weil nach Angaben der Landesregierung nur 172 der 385 niedersächsischen Flora-Fauna-Habitat-Gebiete (FFH) entsprechend den EU-Vorgaben unter Schutz standen. Die Region Hannover hatte deshalb das Verfahren neu auf den Weg gebracht. Neben der Stadt Seelze, auf deren Gebiet rund 90 Prozent der Hubbelschen liegen, muss auch die Stadt Garbsen beteiligt werden, zu der die übrigen 10 Prozent der Fläche gehören.

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Blick in Richtung Süden auf die Hubbelsche. Quelle: Thomas Tschörner

Der ehemals durchströmte Leine-Altarm ist nach Einschätzung der Verwaltung heute „größtenteils von sumpfigen Weiden-Auwald in sehr gutem Erhaltungszustand“ geprägt. Dazu kommt im südlichen Bereich ein Abschnitt der Leine inklusive der umliegenden Weichholzaue. Beide bilden einen geschlossenen Gehölzsaum um die im inneren Bereich befindliche Offenlandfläche. In tiefer liegenden Bereichen gibt es sogenannte Flutmulden, die während der Hochwässer in Teilen dauerhaft wasserführend sind.

Seit 1782 liegt die Hubbelsche jenseits der Leine

Im Jahr 1763 war die sogenannte Hubbelsche noch von der Leine umflossen, erklärt Stadtarchivar Norbert Saul, der in seiner Erläuterung auf die „Kleine Chronik der Gemeinde Seelze“ von Heinrich Wittmeyer von 1950 verweist. Der Lauf des Flusses wurde jedoch 1782 begradigt. Damit kam die Hubbelsche jenseits der Leine zu liegen, aus Seelzer Sicht. Das damals etwa 20 Morgen große Wiesenstück gehörte allen Seelzer Bauern gemeinsam, auch der Pfarre und der Küsterei, berichtet Saul. Im Jahr 1788 wurde die Gemeinschaftsläche auf einzelne Eigentümer aufgeteilt. Der Name Hubbbelsche, der „Hügelige“ bedeutet, bezieht sich den flachen Hügel in der Mitte der Fläche, auf dem früher der Hauptweg angelegt wurde. Von dort aus lief jeder Teil, immer breiter werdend nach unten in Richtung altes Leinebett.

Die Luftaufnahme zeigt die Hubbelsche, zu sehen sind neben der Leine und dem Mittellandkanal außerdem Flurgrenzen. Quelle: Stadt Seelze

Eigentümer dürfen Gebiet weiter betreten

Generell darf das Naturschutzgebiet Hubbelsche nicht betreten werden. Freigestellt sind Eigentümer und Nutzungsberechtigte, Behörden und Wissenschaftler nach vorheriger Zustimmung der Naturschutzbehörde. Eine landwirtschaftliche Nutzung ist unter bestimmten Bedingungen weiter möglich: Unter anderem dürfen allerdings keine Dünge- oder Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden, zusätzliche Entwässerungsmaßnahmen sind untersagt, und die Umwandlung zu Acker ist ebenfalls nicht erlaubt.

Laubwälder im Süden Seelzes sollen auch geschützt werden

Bereits Ende März hatte sich der Rat einstimmig für das neue Naturschutzgebiet „Laubwälder südlich Seelze“ ausgesprochen, womit der Almhorster Wald und das Kirchwehrener Holz gemeint sind. In beiden Wäldern gibt es naturbelassene Bereiche mit Biotopen in Feuchtgebieten, diverse Tiere wie Reh- und Schwarzwild, aber auch seltene Arten von Fledermäusen.

Allerdings sieht Willi Raabe, ehrenamtlicher Naturschutzbeauftragter der Region Hannover für das Gebiet der Stadt Seelze, die Wälder im südlichen Bereich der Obentrautstadt durch den Südlink gefährdet.

Von Thomas Tschörner