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Sehnde Umsatz reicht nicht: Dorfladen macht dicht
Aus der Region Region Hannover Sehnde Umsatz reicht nicht: Dorfladen macht dicht
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15:31 24.01.2019
Geben schweren Herzens den Dorfladen in Rethmar auf: Matthias Digwa und seine Mutter Elke. Quelle: Achim Gückel
Rethmar

Schlechte Nachricht für Rethmar und die Dörfer im Sehnder Osten: Der von der Unternehmerfamilie Digwa betriebene Dorfladen an der Ortsdurchfahrt macht dicht. Am 30. März wird er zum letzten Mal seine Türen öffnen. Das Geschäft rentiere sich einfach nicht, sagt Matthias Digwa: „Wir haben alles versucht, um den Laden am Leben zu erhalten. Aber jetzt können wir keine Kraft mehr investieren.“ Die sechs Festangestellten und zwei Aushilfen im Geschäft werde er an andere Arbeitgeber weitervermitteln, betont Digwa.

Ortsbürgermeister Matthias Jäntsch kommentiert die für sein Dorf bittere Nachricht mit Bestürzung. Er sei „geplättet“ und „sprachlos“, müsse das Ende des Dorfladens jetzt erst einmal „in Ruhe verdauen“. Denn Rethmar ohne eine Nahversorger sei für ihn nicht vorstellbar. Daher müsse man sich schon bald über Alternativen Gedanken machen. Im Ortsrat werde das Thema daher sehr schnell auf die Tagesordnung kommen. Jäntsch betont, dass die Zeit mit dem Dorfladen im Ortszentrum eine sehr gute gewesen sei. „Das ist unser Mittelpunkt im Dorf geworden“, sagt er. Rethmar hat derzeit etwa 1900 Einwohner, wird aber durch das geplante großes Baugebiet am westlichen Ortsrand demnächst noch ordentlich wachsen.

Modernes Geschäft am Platz des alten Eggers-Ladens

Im Dezember 2011 wurde der Dorfladen eröffnet. Quelle: Archiv

Der Dorfladen an der Hauptstraße hatte am 1. Dezember 2011 seine Türen eröffnet. Bauunternehmer Rainer Digwa hatte zuvor das Gelände gekauft und dort das alte Gebäude, in dem früher der Mini-Supermarkt Eggers beheimatet war, abreißen lassen. Er ließ einen modernen Neubau errichten, dessen oberes Geschoss Platz für eine Arztpraxis bieten sollte, aber nie genutzt wurde. Der Dorfladen mit 650 Quadratmeter Verkaufsfläche, ansprechender Gestaltung sowie Bäcker- und Fleischtresen wurde ein Vorbild für Nahversorgung im Dorf. Beliefert wurde er von Edeka. Vor rund einem Jahr übergab Rainer Digwa das Geschäft an seine Söhne Stephan und Matthias. Die Familie betreibt auch den Gutshof in Rethmar.

Doch so richtig gebrummt hat der Dorfladen offenbar nie. „Er war sieben Jahre lang defizitär“, sagt Matthias Digwa jetzt. Die Familie sei immer wieder selbst für alle Art von Arbeiten eingesprungen und habe allerhand versucht, um mehr Schwung ins Geschäft zu bekommen – etwa die Öffnungszeiten und Sortimente geändert, erst den Fleischtresen geschlossen, unlängst aber noch umgebaut und neu eröffnet. Auch eine Kundenumfrage habe es geben, sagt Digwa. Ein neuer Geschäftsleiter habe vor etwa einem Jahr noch einmal „richtig Gas gegeben“, Feste und Sonderaktionen organisiert und in sozialen Netzwerken geworben. Doch all das sei vergebliche Liebesmüh’ gewesen.

Mini-Einkäufe lassen keinen wirtschaftlichen Betrieb zu

„Für uns war das eine Herzensangelegenheit. Wir haben das auch für das Dorf gemacht, die Entscheidung, den Laden zu schließen, haben wir nicht leichtfertig getroffen “, versichert nun Rainer Digwas Ehefrau Elke. Es tue ihr leid um die Stammkunden, die „jahrelang zur Stange gehalten haben“.

Elke Digwa hat aber auch eine klare Meinung, warum es mit dem Dorfladen nicht besser lief. Viele Bürger aus Rethmar und den benachbarten Dörfern Haimar, Evern und Dolgen seien zwar glücklich über das Angebot im Laden gewesen, hätten aber auch auf den Cent geschaut und ihre größeren Einkäufe eher in den Einkaufszentren in Sehnde oder Lehrte erledigt. Von Mini-Einkäufen – ein paar Brötchen oder einer Schachtel Zigaretten – könne man aber das Geschäft nicht auf Dauer wirtschaftlich betreiben.

Matthias Digwa betont indessen, dass er bis zuletzt nach einer Rettung für den Dorfladen gesucht habe. Gespräche mit Beratern von Edeka, regionalen Einzelhändlern und dem Geschäftsführer einer anderen Supermarktkette hätten aber kein positives Ergebnis gebracht. Jetzt wolle man versuchen, wenigsten noch einen Betreiber für den Bäckerstand zu finden. Über eine mögliche Vermietung der Ladenfläche für einen anderen Zweck als einen Dorfladen habe man noch nicht konkret nachgedacht.

Der Kommentar: Ein Tiefschlag für Sehndes Osten

Es ist grotesk. Anderswo, etwa in Bolzum und Immensen, kämpfen Bürger jahrelang darum, einen Dorfladen zu bekommen. Sie gehen den langen, beschwerlichen und mit persönlichem finanziellen Einsatz verbundenen Weg zur Gründung einer Genossenschaft. In Rethmar indessen gibt es längst einen schicken, modernen Dorfladen – doch der wird offensichtlich nicht ausreichend gewürdigt. Der privatwirtschaftlich betriebene Laden rentiert sich nicht, er macht dicht. Das ist ein Jammer. Ein Tiefschlag für die Lebensqualität in Sehndes Osten. Nun wird dort mancher Bürger wehklagen, dass es in Sachen Einkaufen richtig schlecht wird – vor allem für Ältere und für solche Menschen, die wenig mobil sind. Das stimmt. Aber ein Nahversorger in einem Dorf von knapp 2000 Einwohnern ist halt keine Selbstverständlichkeit mehr. Er ist ein hohes Gut, das gepflegt sein will – auch wenn das für Kunden bedeutet, mitunter ein paar Euro mehr an der Ladenkasse zu lassen. In Rethmar hat das allem Anschein nach nicht ausreichend funktioniert. Sehr, sehr schade.

Von Achim Gückel

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