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Sehnde Holcim: Der Drehofen bleibt drei Wochen kalt
Aus der Region Region Hannover Sehnde Holcim: Der Drehofen bleibt drei Wochen kalt
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12:56 11.02.2019
Das Kernstück der Anlage: Im Drehrohofen werden die Zementklinker gebrannt. Quelle: Oliver Kühn
Höver

Diesen Anblick bekommen nur wenige zu sehen: Der Zementhersteller Holcim in Höver führt derzeit seine jährliche Grundsanierung durch und hat dafür das gesamte Werk für drei Wochen stillgelegt. Um alle Anlagen in dieser Frist überprüfen und reparieren zu können, ist eine generalstabsmäßige Planung notwendig. Denn die Überholung des Werks, intern „fünfte Jahreszeit“ genannt, kostet jedes Jahr mehrere Millionen Euro. Davon profitiert auch die lokale Wirtschaft etwa durch die Übernachtungen der Monteure. Wir haben einen Blick ins Innere des abgekühlten Drehrohofens und das Hightech hinter der grau-weißen Fassade an der Hannoverschen Straße geworfen, wo seit 1908 Zement produziert wird.

Im Herzen der Anlage: Die abgenutzten Feuerfeststeine werden entfernt und neue aufgemauert. Quelle: Oliver Kühn

Austausch von Verschleißteilen

Es ist kalt im Werk. Von den sonst herrschenden Temperaturen von bis zu 2000 Grad ist nichts zu spüren. 120 Monteure und Wartungtechniker, und damit 40 mehr als ursprünglich vorgesehen, nehmen zusätzlich zu den 200 Mitarbeitern aus Höver alles unter die Lupe und lassen fast keinen Stein auf dem anderen – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn Kernstück der Sanierung ist die Reparatur des Drehrohofens, in dem der Rohstoff zu Zementklinkern gebrannt wird. Dafür müssen alle sogenannten Feuerfeststeine ausgetauscht und neue auf die Stahlhülle gemauert werden. Denn diese halten die Temperaturen von bis zu 2000 Grad aus, Stahl dagegen würde schon bei 1500 Grad schmelzen, erläutert Werksleiter Erik Jantzen. Danach kann das Werk wieder elf Monate lang Tag und Nacht produzieren. Auch Verschleißteile wie Förderaggregate und Entstaubungsfilter müssen ausgetauscht werden.

Ein Team mauert die Feuerfeststeine auf die Stahlwände des Drehrohofens. Quelle: Oliver Kühn

Und es ist laut bei Holcim. Überall wird gehämmert und geschweißt, ebenfalls Tag und Nacht. Denn viel ist Handarbeit von Experten, die teils sogar aus dem europäischen Ausland hinzugezogen werden. „Sollte es hier vereinzelt zu Lärmbeeinträchtigungen kommen, bitten wir unsere Nachbarn um Nachsicht“, sagt Jantzen. Zu den besonderen Arbeiten gehören in diesem Jahr die Entleerung der 10.000 Tonnen fassenden Rohmehlsilos.

An vielen Stellen wird ermüdetes Metall geschweißt. Quelle: Oliver Kühn

Arbeitssicherheit hat höchste Priorität

Aber auch die Mahlwerkzeuge an der Rohmühle, wo etwa der Kalkmergel aus dem Höverschen Steinbruch getrocknet und gemahlen wird, müssen erneuert werden, ebenso Betonteile am Gebäude der Rohmühle. „Höchste Priorität hat die Arbeitssicherheit der Holcim-Mannschaft sowie der zahlreichen Mitarbeiter externer Firmen, die uns bei den Instandsetzungsarbeiten unterstützen”, sagt Bernd-Henning Reupke, Leiter Arbeitssicherheit und Umwelt im Werk. Ruhig ist es dagegen im Leitstand, wo das Werk auf Monitoren von mehr als 6300 Messstellen kontrolliert und überwacht werden kann. Auch die Mitarbeiter des Werkslabors, die die Qualität des Zements überprüfen, haben zurzeit einen ruhigeren Job.

1,1 Millionen Tonnen Zement pro Jahr

Jedes Jahr werden in Höver rund 1,1 Million Tonnen Zement produziert, der etwa auch in der Hamburger Elbphilharmonie, im Schloss Herrenhausen oder im Regionshaus in Hannover zum Einsatz gekommen ist. In Deutschland verbraucht, statistisch gesehen, jeder Einwohner rund 350 Kilogramm Zement im Jahr. Für die Produktion braucht man viel Brennstoff, früher waren dies in Höver vor allem außer Mergel auch Öl, jetzt werden diese immer mehr durch Ersatzbrennstoffe wie etwa Kunststoffabfälle aus der Industrie ersetzt.

Der Umweltbeauftragte Bernd-Henning Reupke zeigt die Stelle, wo die Anlage für den Ersatzbrennstoff Renotherm gebaut werden soll. Quelle: Oliver Kühn

Vorarbeiten für die geplante Anlage, die den Ersatzbrennstoff Renotherm verbrennen soll, der auch etwa Industrieabfälle wie Autolacke enthält, werden im Rahmen der Grundreparatur aber noch nicht ausgeführt. „Dafür wird erst die Genehmigung abgewartet“, betont Jens Marquardt, Leiter der Unternehmenskommunikation. Am 13. März gibt es dafür im Schützenheim Höver zunächst einen öffentlichen Erörterungstermin mit, an dem alle interessierten Bürger teilnehmen dürfen. Außer Holcim und dem Gewerbeaufsichtsamt Hannover sind dazu auch Vertreter der Stadt, der Region Hannover und der Niedersächsischen Gesellschaft zur Endablagerung von Sonderabfall (NGS) eingeladen.

Reparatur sichert Zukunft des Werkes

Die Grundreparatur sichere nicht nur die Arbeitsplätze am Standort Höver, sagt Werksleiter Jantzen: „Sie sichert auch die Zukunft des Werkes.“ Am 18. Februar sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Dann bekommt der Zementofen wieder Feuer.

Von Oliver Kühn

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