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Sehnde Leiter des Stadtarchivs sucht Nachfolger
Aus der Region Region Hannover Sehnde Leiter des Stadtarchivs sucht Nachfolger
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00:15 23.08.2018
Das Foto vom Kegel- und Skatklub Eintracht Rethmar von 1914 hat eine Sehnderin dem Stadtarchiv überlassen. Quelle: Oliver Kühn
Sehnde

Vorsichtig faltet Jürgen Wattenberg den pergamentenen Brief mit Siegel auseinander. Mit Gummihandschuhen, damit der Handschweiß das Papier nicht angreift. Zum Vorschein kommt ein Schriftbild mit großen, geschwungenen und verschnörkelten Buchstaben. Unten ist die Jahreszahl zu lesen: 1672. Damit ist der Brief an den Wehminger Hans Rutenberg (gestorben 1680), in dem es um die erste Flurbereinigung ging, das älteste Original im Stadtarchiv Sehnde. „Das zu übersetzen hat viel Mühe gemacht“, sagt Wattenberg. Er hat das Zeugnis der Vergangenheit für das Gedächtnis der Stadt und die Nachwelt archiviert, eines von inzwischen 5000 Dokumenten. Doch nach 16 Jahren als ehrenamtlicher Archivar will der 73-Jährige nun kürzer treten und sich nächstes Jahr zurückziehen. Nun wird ein Nachfolger für ihn oder auch ein Nachfolgerteam gesucht.

Im Keller hat Jürgen Wattenberg den größten Teil des Fundes gelagert. Quelle: Oliver Kühn

Zu Wattenbergs Aufgaben zählt es, archivwürdige Unterlagen aus der Stadtverwaltung zu übernehmen, aber auch verschiedene Archivalien, Schriften und Bücher zu ordnen und darüber ein Verzeichnis anzulegen. So entsteht ein lebendiges Bild der Stadtgeschichte. „Hier findet sich die Erinnerung, Identität und Aufklärung vieler historischer Vorgänge“, erläutert Wattenberg.

Die amtliche Überlieferung wird ergänzt durch private Archivalien von Vereinen und Firmen, aber auch aus Privatnachlässen und Sammlungen. So wie ihm jüngst eine Dame das Schwarzweißbild vom Kegel- und Skatklub Eintracht Rethmar aus dem Jahre 1914 gebracht hat. „Das ist sehr schön“, findet Wattenberg. Solche Funde zu erhalten liege ihm am Herzen. Auf dem Dachboden der Schule in Rethmar habe er beim Stöbern auch noch alte, bereits von Mäusen angeknabberte Zeichnungen für den Religionsunterricht gefunden.

Der Fundus umfasst aber auch Karten, Pläne, Plakate, Druckerzeugnisse sowie Bild- und Tonträger. Das Fotoarchiv ist in Wattenbergs Ära mittlerweile auf 1800 Exemplare angewachsen, etwa mit Modefotos aus dem 19. Jahrhundert sowie zahlreichen Negativen und Glasplatten eines Sehnder Fotografenmeisters, die seine Familie vorbeigebracht hat. Es gibt zudem ein Kartenarchiv und eine Sammlung mit alten Zeitungen wie den „Iltener Nachrichten“ oder dem Anzeigenblatt „Eulenspiegel“. „Die kann jedermann einsehen“, sagt Wattenberg.

Eine Zeit wird besonders gut nachgefragt: Viele Nutzer suchten nach Verwandten und Vorgängen aus der Nazi-Zeit. Wattenberg appelliert deshalb an die Sehnder, alte und kostbare Dinge wie Briefe, Schriften, Dokumente und Fotos an das Stadtarchiv zu geben und nicht einfach zu entsorgen – nur Gegenstände nicht. „Die kommen ins Regional-Museum nach Rethmar.“

Das älteste Original: Ein Brief aus dem Jahre 1672 an den Wehminger Hans Rutenberg. Quelle: Oliver Kühn

Das Wissen des Stadtarchivs fließt auch in die Projektgruppe „Stolpersteine“ zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in Sehnde sowie in das Autorenteam der Broschüre „Zeitreise“ zur Orts- und Stadtgeschichte ein – in beiden ist Wattenberg Mitglied. Zehn Publikationen sind bereits erschienen, die elfte erscheint in Kürze. Alle Archivalien können von Privatpersonen, Schulklassen und historisch Interessierten eingesehen werden. Das Stadtarchiv an der Glückauf Straße 3 in Ilten ist montags von 9 bis 12.30 Uhr sowie donnerstags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

Wer sich für die Nachfolge von Jürgen Wattenberg interessiert, kann ihn im Stadtarchiv unter Telefon (05132) 60 55 oder Ines Raulf vom Stadtmarketing unter Telefon (05138) 707285 erreichen.

Von Oliver Kühn

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