Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Springe Bahn will Aufzüge erneuern
Aus der Region Region Hannover Springe Bahn will Aufzüge erneuern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:56 29.08.2019
Jörn Tunat von der Deutschen Bahn geht mit Bürgermeister Christian Springfeld die Baupläne durch. Quelle: foto: Reinhold Krause
Springe

Licht und Schatten liegen bei dem Thema ganz nah beieinander. Die gute Nachricht: Die beiden Fahrstühle am Bahnhof sollen komplett erneuert werden. Die schlechte Nachricht: Während der zwölfmonatigen Bauzeit können die Aufzüge nicht genutzt werden. Heißt: Geh- und Schwerbehinderte mit Rollstuhl oder Rollator werden ein Jahr lang den Bahnsteig nicht ohne fremde Hilfe erreichen können.

Ab Ende 2020 sollen die beiden Fahrstühle am Springer Bahnhof inklusive Mundhäuser, das sind die Fahrstuhlaufbauten an der ZOB-Seite sowie auf dem Bahnsteig, komplett erneuert werden. Ab November 2020 soll nach Auskunft von Jörn Tunat, Leiter Bahnhofsmanagement bei der DB Station & Service AG Hannover, mit den Arbeiten begonnen werden, sie sollen im Dezember 2021 abgeschlossen sein.

VIele Beschwerden über nicht barrierefreie Zuwegung

Tunat referierte auf Einladung der Stadt im Diakoniezentrum zum Thema „Barrierefrei am Bahnhof Springe – Anspruch und Wirklichkeit“. Viele der Anwesenden, größtenteils Bewohner des Diakonieheims, nutzten die Möglichkeit, sich über die fehlende barrierefreie Zuwegung auf den Bahnsteig von der Industriestraße her, auch abseits der vorhandenen Fahrstühle, zu beschweren.

Tunat versuchte, die Klagen mit aktuellen Daten über den Einsatz der Fahrstühle am Springer Bahnhof positiv zu widerlegen. 1600 Bahnhöfe gebe es bundesweit, davon stünden 86 in der Region Hannover. In diesem Jahr seien die Aufzüge zu 98 Prozent nutzbar gewesen – das sei eine besonders gute Rate.

Es handele sich aber um eine maschinentechnische Einrichtung, so Tunat, und die sei nun mal anfällig, zumal sie mit 20 Jahren Betriebszeit so langsam an ihre Grenzen stoße – also auch Ersatzteilbeschaffung schwierig geworden sei. Wenn der Bahnsteig unabhängig von der Technik jederzeit barrierefrei erreichbar sein soll, sei eine Rampe die beste Alternative, gab er den Befürwortern dieser Option recht. Doch auch hier habe der Gesetzgeber als auch die Europäische Union Vorschriften in puncto Ausführung, Länge und Zwischenpodeste erlassen.

Geld besser für Fußgängerrampe verwenden?

Die Baukosten bezifferte Tunat mit etwa 800 000 bis 1,2 Millionen Euro. Wegen der Gleisnähe sei ein komplexer Verbau mit Spundwänden notwendig. Auch eine eigene Hebeanlage für die gesicherte Oberflächenwasserableitung müsse installiert werden. Hinzu kämen Unterhaltungskosten und ein hoher Aufwand für den Winterdienst. Uwe Lampe, parteiloses Ortsratsmitglied, regte an, grundsätzlich auf den geplanten zweiten Bahnhof in der Kernstadt zu verzichten und das Geld dafür für die Fußgängerrampe zu verwenden.

Tunat und auch Bürgermeister Christian Springfeld (FDP) wiesen darauf hin, dass es sich hier um zwei verschiedene Geldtöpfe handele. Der Bahnmanager verwies auf den bundesweiten Einbau von Sensoren im Fahrstuhl, die eine Störung automatisch auf eingerichtete Apps auf dem Handy weitermelden. So könne man sich schon im Vorfeld über einen eventuellen Ausfall informieren. Lampe regte an, sich vor der Fahrstuhlerneuerung Gedanken zu machen, ob nicht für die Betroffenen ein Shuttledienst oder zumindest eine verbesserte Busanbindung vom ZOB zum Bahnhof Völksen eingerichtet werden sollte.

Nicht nachvollziehen konnte Tunat die diversen Klagen von Rollstuhlfahrern über die Schranken am Übergang Fünfhausenstraße, über die die Betroffenen von allerlei Misslichkeiten berichteten. „Ich bin als Servicemanager der Bahn nur zuständig für Bahnhöfe und deren Zuwegung, der Auftraggeber ist immer die Region Hannover“, versuchte er, Ruhe in die Diskussion zu bringen.

Von Reinhold Krause