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Springe Höhlenforscherin berichtet von die Welt der Tropfsteine im Deister
Aus der Region Region Hannover Springe Höhlenforscherin berichtet von die Welt der Tropfsteine im Deister
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13:33 15.09.2019
Angelika Schwager hat auch die Untere Teufelsschluchthöhle im Deister erkundet. Quelle: Markus Richter/Archiv
Springe

Die Schillathöhle bei Hessisch Oldendorf ist hinreichend bekannt – und auch die einzige in unmittelbarer Entfernung, die für Besucher und Führungen geöffnet ist. Doch es gibt noch weit mehr Höhlen im Deister-Süntelgebiet. Die allerdings sind nur für eine gewisse Klientel – für Höhlenforscher, sogenannte Speläologen, zugänglich.

Eine von ihnen ist die langjährige Vorsitzende des Springer Museumsvereins, die Geologin Angelika Schwager. Sie erkundet die Höhlen nicht nur – sondern weiß auch jede Menge darüber: 90 Prozent des Deisters bestehe aus Kalkstein, erklärt sie – das begünstige die Entstehung von Höhlen durch Risse, in denen Regenwasser versickern und das Gestein auswaschen kann. „Das ist ein Vorgang, der schon vor grauer Urzeit eingesetzt hat und bis heute noch nicht beendet ist“, sagt Schwager bei einem Vortrag im DRK-Haus.

Höhlenforschung ist Extremsport

Sie beschreibt gerne ihre sogenannten Höhlenbefahrungen – so nennen die Fachleute die Begehung und Erforschung einer Höhle. Zum Beispiel die in der Unteren Teufelsschluchthöhle im Großen Deister. Die Speläologin spricht bei dem Tropfsteinformen von Makkaroni, Perlen und Vorhängen – Worte, wie sie sonst nur in einem Warenhaus vorkommen. Doch die Doppeldeutigkeit dieser Bezeichnungen ist Alltag für die Hobbyforscher. Angesiedelt zwischen Geologie, Biologie, Archäologie und sogar Extremsport betrachten die Höhlenforscher ihre Arbeit als einen wichtigen Aspekt der Wissenschaft. Etwa 45 erforschte Höhlen gibt es laut Schwager im Deister- und Süntelgebiet, dem nördlichsten Karstgebiet Deutschlands. Sie sind in einem Höhlenkataster katalogisiert: Befahrungen, gewonnene Erkenntnisse, Höhleninformationen sowie Fauna und Flora werden genauestens dokumentiert. Schwager beschreibt in ihren Berichten fantastische Reisen in die Welt der Stalaktiten – das sind die Gebilde, die von oben wachsen –, der von unten wachsenden Stalagmiten und der Stagnaten. Das sind die Säulen, die sich bilden, wenn beiden zuvor genannten Tropfsteine nach Jahrhunderten zusammengewachsen sind.

Untere Teufelsschluchthöhle nur zweimal im Jahr befahrbar

Herrliche Figurengebilde, wie die Heilige Barbara, die Schutzheilige der Höhlenforscher und Bergleute, sind mit ein wenig Fantasie auf den Bildern zu erkennen. Die Untere Teufelsschluchthöhle darf nur zweimal im Jahr befahren werden, um das dortige Klima nicht zu zerstören, denn schnell können sich eingeschleppte Algen in den Höhlen ausbreiten. Viele Kleinlebewesen, wie die Höhlenkreuzspinne Meta menardi oder die Höhlenstelzmücke, das offizielle Höhlentier 2019, haben nur innerhalb der Höhle eine Überlebenschance.

Bei den Höhlen im Deister handelt es sich um Sekundärhöhlen, die durch Erosion entstanden sind. Vielfach sind dort sogenannte Sinterbecken anzutreffen, in denen durch Wasserbewegung die Kanten der kleinen Gesteine abrunden und sich die bekannten Höhlenperlen bilden. Das anfallende Wasser sucht sich seinen Weg nach draußen und tritt irgendwo als Sinterquelle zutage – wie die Hallerquelle im Kleinen Deister. Die möchte Schwager irgendwann noch mal erforschen, denn sie ist überzeugt, dass sich hinter der Quelle eine Höhle befindet.

Fahrt zur Schillathöhle

Der Förderverein für die Springer Stadtgeschichte, auf dessen Einladung Schwager jetzt ihren Vortrag zu den Deister-Höhlen hielt, bietet für den 29. September eine Fahrt zur Schillathöhle an – und eine Führung vor Ort mit Schwager selbst. Anmeldungen nimmt Rolf Brings unter Telefon (0 50 41) 6 16 85 an.

Von Reinhold Krause