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Springe IGS-Schüler befassen sich mit Gewaltprävention und Mobbing
Aus der Region Region Hannover Springe IGS-Schüler befassen sich mit Gewaltprävention und Mobbing
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12:11 13.06.2019
Vier separate Jahrgangsprojekte finden derzeit in der IGS Springe statt. Unter anderem setzten sich die Schüler mit dem Thema Gewalt auseinander. Dabei sollen sie versuchen, sich in die Rolle des Täters und des Opfers zu versetzen und deren Gefühle aufschreiben. Moderiert wird der Workshop von einem Schüler.    Quelle: Saskia Helmbrecht
Springe

Stark leben, gemeinsam gestalten: Unter diesem Motto hat das Team der IGS für die Schüler eine umfangreiche Projektwoche auf die Beine gestellt. In verschiedenen Workshops widmen sich die Jugendlichen der Gewaltprävention.

Das Projekt hat aber einen ernsten Hintergrund: Schüler haben freizügige Fotos verschickt, die im Netz die Runde machen. „Wir verschließen davor nicht die Augen“, betont der didaktische Leiter Kay Spiller. „Bei uns wird das Gespräch gesucht.“

Von einem Gewalt- oder Mobbingproblem will die Schule ausdrücklich nicht sprechen – vielmehr gehe es darum, dass sich Jugendliche mit dem Thema auseinandersetzen müssten. Im fünften Jahrgang ist daher ein „Coolness Coach“ zu Gast, der ein Antigewalttraining anbietet. Die Sechstklässler widmen sich dem Thema Nachhaltigkeit.

Im Digi-Camp geht es um soziale Netzwerke

Im Rahmen eines Digi-Camps können sich die Schüler der siebten Klassen in verschiedenen Workshops über soziale Netzwerke informieren. Dabei geht es auch um Chancen und Risiken der digitalen Welt und die Nutzung von digitalen Medien. „Wir haben aber nicht mehr mediale Probleme als andere Schulen auch“, betont Spiller. Neu ist etwa, dass alle Schüler ab der siebten Klasse für ein Jahr ein iPad bekommen. „In der sechsten Klasse ist daher die Teilnahme an der AG Digitales Lernen verpflichtend.“

Für die Projekte im achten und neunten Jahrgang hat die IGS den Kirchenkreis Laatzen-Springe mit ins Boot geholt. Regionaldiakon Gunnar Ahlborn hat bereits die Projekttage „Gewalt hat viele Gesichter“ in einer Schule in Laatzen mit entwickelt und zahlreiche Workshops angeboten – zum Beispiel zum Thema Jugendsprache, Yoga, Cybermobbing oder auch Videodreh. Einige Bausteine wurden für die IGS-Schüler übernommen, etwa ein Vortrag über die Rolle des Mannes. Aber auch Kurse zur Stressbewältigung oder zum Umgang mit der älteren Generation stehen im Programm. Für die zahlreichen Angebote konnte die IGS jeweils einen Referenten gewinnen, der als Experte mit den Schülern die Themen erarbeitet. „Ein Brasilianer zeigt den Schülern die Kampfkunst Capoeira“, sagt Ahlborn.

Über Sportarten wie Parkour wird Begeisterung geweckt

Über Sport, aber auch über Musik werde bei den Schülern schnell Begeisterung geweckt. Besonders beliebt sei etwa Parkour, eine französische Fortbewegungsart, um eine Strecke abzulaufen und um zum Beispiel Mauern, Treppen oder Geländer zu überwinden. „Ich bin hoch motiviert, hier mitwirken zu dürfen“, betont Ahlborn. Ziel sei es, dass die Schüler am Ende wissen, was Gewalt eigentlich ist, wie sie damit umgehen und welche verschiedenen Formen von Gewalt es gibt, erklärt Spiller. „Im Gespräch sollen die Jugendlichen herausfinden, was Gewalt mit ihnen selbst macht.“

Themen sind auch Handynutzung und verschiedene Formen von Gewalt

Es gehe um eine intensive Auseinandersetzung und Aufbereitung der Probleme, ergänzt Gabriele Thannheiser. Jeder Klassenlehrer sei gleichzeitig auch Vertrauenslehrer. Umso wichtiger sei es daher, Konflikte anzusprechen, um Lösungen zu finden. „Und das macht die IGS vorbildlich“, lobt Katharina Geilmann vom Social Impact Start-up BG 3000, die verschiedene Bildungsformate, darunter auch das Digi Camp, anbietet. Bundesweit wird das Projekt pro Jahr an 50 Schulen angeboten. „Während andere Lehrer lieber mit Scheuklappen durch die Schule gehen und Handynutzung keine Rolle spielt, ist das hier ganz anders.“ Dennoch, sagt Thannheiser, brauche die Schule externe Unterstützung. „Der Unterschied ist, dass wir nach Unterstützung fragen.“

Vor dem Hintergrund der aktuellen Fälle würden die Schüler ihre Taten klar bereuen, sagt Thannheiser. „Es ist ihnen unangenehm.“ Am Ende soll die Projektwoche ausgewertet werden. Geplant ist, dass die Veranstaltung alle zwei Jahre in der IGS stattfinden soll. Dann könnten die künftigen Zehntklässler selbst Referenten werden. 

Von Saskia Helmbrecht