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Springe Ingo Oschmann verblüfft sein Publikum
Aus der Region Region Hannover Springe Ingo Oschmann verblüfft sein Publikum
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18:43 25.11.2018
Ingo Oschmann traut sich etwas: Zu „Boys, Boys, Boys“ von Sabrina zeigt er seine Tanzeinlage. Quelle: Reinhold Krause
Springe

„Hallo mein Scherzkuchen!“ – „Nein, mein Schatz, du meinst Scherzkeks.“ – „Nein, dafür bist du zu dick ...“ Mit diesem fiktiven Zwiegespräch zwischen seiner Frau und ihm hat Ingo Oschmann am Sonnabend seinen Auftritt auf der Springer Kleinkunstbühne eröffnet. Und trieb den 110 Besuchern mit seinem ostwestfälischen Humor die Lachtränen in die Augen.

Stand-up-Comedy in Perfektion ist eines seiner Merkmale. Immer korrekt, kaum mal unterhalb der Gürtellinie und stets jugendfrei, ein Spagat, der wenigen in seinem Metier gelingt. Das Publikum ist ein Teil seines Auftritts – und es macht bereitwillig mit. Oschmann wagt mal was, wirft einen vollen Beutel Orangen ins Publikum, um anschließend mit einem kleinen Zaubertrick die Anwesenden zu verblüffen. Fantastisch, wie ihm die Nummer mit der Bowlingkugel gelingt – ein Klassiker der Zauberei: Aus einem großen flachen Zeichenblock fällt nach ein bisschen Show eine gerade noch gezeichnete große Bowlingkugel in echt auf den Boden. Rumms – und die Gehirnzellen geraten in Arbeit beim Versuch, den Trick zu enträtseln.

Nachdenkliche Seite

Oschmann, der sich gern als George Clooney der Comedy bezeichnet, hat auch eine nachdenkliche Seite, und das macht ihn so sympathisch. Er philosophiert über seine Jugendzeit: Sind die Sprüche der Eltern – „Solange du deine Füße unter unseren Tisch steckst, machst du …“ – nicht auch heute noch aktuell? Was ist mit Speisen, die man als Kind verabscheute und dafür den Vergleich mit Kindern in Afrika provozierte. Doch er verulkt sich auch selbst – angesichts seines Bonusgewölbes, wie er den Bauch nennt. „Herr Oschmann, ich war mal in ihrer Show“, zitiert er einen Jungen. Wann denn? „Das muss so etwa 20   Kilo her sein“.

Vielen ist er als Comedian aus diversen Fernsehauftritten in Erinnerung, doch davon hat er nun etwas Abstand genommen, gesteht er den Zuschauern: Die Bühne mit Livepublikum, das ist es, was ihn so antreibt. Je weniger Zuschauer, desto höher ist deren IQ – so lautet sein Spruch mit Blick auf die nicht ganz ausverkaufte Vorstellung in Springe.

Ob Kinderspielzeug, Krankheitsdesigner, Geschenke für die Lieben oder die allererste Schallplatte, Oschmanns Themensammelsurium ist unerschöpflich. Seine erste Schallplatte war „Boys, Boys, Boys“ von Sabrina. Und was trug man zu der Zeit? Leggins mit Stulpen. Oschmann verblüfft das Publikum, lässt den Song erklingen – und zieht unter Gejohle Hemd und Jeans aus. Und dann? Tanzt er mit schwarzem Body, Leggins und Stulpen zur Melodie. Sein Publikum rast.

Zweistündige Show

Mehr als zwei Stunden Comedy, Slapstick, verblüffende Zaubertricks und Weisheiten – zum Jahresabschluss hätte man keinen besseren Künstler auf der Kleinkunstbühne präsentieren können als den Scherzkuchen aus Ostwestfalen. In seiner Zugabe zeigt er sich von seiner mathematischen Seite – und erstaunt die Anwesenden mit einem magischen Quadrat. Lauter Applaus für einen großen seiner Zunft, der mit beiden Beinen auf der Erde geblieben ist.

Von Reinhold Krause