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Springe Neue Kläranlage ist zu teuer
Aus der Region Region Hannover Springe Neue Kläranlage ist zu teuer
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19:02 23.08.2018
Die Kanal- und Straßenbauarbeiten in der Ahornstraße sind in vollen Gang, im kommenden Jahr wird mit der Birkenstraße die Parallelstraße saniert. Quelle: Brinkmann-Thies
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Bennigsen

Die Hochwasserproblematik in Bennigsen bei Starkregen, insbesondere im tief gelegenen Südosten des Süllbergorts, soll sich mit dem Bau eines neuen Regenrückhaltebeckens am Hainhopenweg im kommenden Jahr entspannen. Das hat Dieter Erdmann, Chef des städtischen Eigenbetriebs Stadtentwässerung (SES), auf der Sitzung des Bennigser Ortsrats am Mittwochabend dargelegt. Der sogenannte Ostsammler soll im kommenden Jahr entstehen.

Tiefster Punkt im Ort ist noch Problembereich

Der Problembereich sei derzeit immer noch der tiefste Punkt im Ort, so Erdmann. Dort hat unter anderem der Bennigser Gerüstbauer Ralf Kilian sein Firmengelände. Dort, aber auch bei anderen Grundstückseigentümern, war im Sommer 2016 nach einem Starkregenereignis Land unter. Seither sind die Betroffenen stets in Alarmbereitschaft, wenn sich am Himmel etwas zusammenbraut. Inzwischen ist der angrenzende Hüpeder Bach teilweise mäandrierend verschwenkt worden. Ein Stück allerdings konnte die Stadtverwaltung nicht anfassen, weil die Grundstückseigentümer nicht verkaufen wollen, bedauert Erdmann. Wirkliche Entlastung soll im kommenden Jahr aber der sogenannte Ostsammler bringen, das dritte Regenrückhaltebecken in Bennigsen. Dort werde das ankommende Wasser zunächst aufgefangen, um dann zeitlich verzögert über einen Regenkanal in den Hüpeder Bach abgegeben zu werden.

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Kanäle werden abschnittweise saniert

Die Kanalsanierung in Bennigsen schreitet seit Jahren voran – abschnittsweise, Straße für Straße. In gut zehn Jahren soll die Mammutaufgabe bewältigt, der Großteil des Ortes an ein Trennsystem abgeschlossen sein. „Wir arbeiten uns jedes Jahr ein Stück weiter vor", so Erdmann.

Eine große Lösung wäre in Bennigsen der Neubau einer Kläranlage gewesen, denn die jetzige sei viel zu klein dimensioniert, sagte Erdmann. Eine neue Anlage hätte jedoch rund 15 Millionen Euro verschlungen. Und man wisse letztlich nicht, wie sich die Bevölkerung im Süllbergort entwickle.

Das war ein Stichwort. Wann denn in Bennigsen mit Blick auf die angespannte Kanalsituation überhaupt ein neues Baugebiet kommen könne, fragte Christoph Rohr (CDU).

SES-Chef Erdmann rechnet damit, dass die Voraussetzungen für das Vorhaben im unterirdischen Bereich im Jahr 2021geschaffen sein werden. Das dürften potenzielle Investoren, die sich etwa für das Gebiet der Schille interessieren, gerne hören. In dem geplanten innerörtliche Baugebiet Schusterhöfe, für das gerade die Aufstellung eines Bebauungsplans beschlossen wurde, müsse das Regenwasser auf den Grundstücken entwässert werden. Das berichtete Ratsfrau und beratendes Mitglied im Bennigser Ortsrat, Elke Thielmann-Dittert (B 90/Die Grüne).

Ein Projekt mit Pilotcharakter

Es ist ein Projekt mit Pilotcharakter: SES-Chef Dieter Erdmann will ein Überflutungskonzept erstellen. „Wir wollen ausloten, was bei Starkregen passiert“, erklärte er auf der Sitzung des Ortsrats. Dabei handele es sich um ein Kooperationsprojekt mit der Stadt, von ihr und der Stadtentwässerung beidseitig finanziert. Ziel soll es sein, neben der Situation, auch den Informationsfluss zu verbessern. Außerdem soll das Konzept der Abstimmung von Planungen und als Datengrundlage mit der Bennigser Ortsfeuerwehr dienen. Neben der Feuerwehr soll aber auch der Ortsrat eingebunden werden. „Zudem brauchen wir die Erfahrung der Bennigser Bürger“, so Erdmann. Und fügte hinzu: „Das wird ein ganz großes Fass, das wir da aufmachen“. Er machte aber deutlich: „Einen absoluten Schutz gibt es nicht“.

Politik stimmt für Teilausbau

Die Kanalsanierung und Straßenbauarbeiten sollen im kommenden Jahr in der Birkenstraße, im Jahr 2020 dann in der Erlenstraße sowie dem nördlichen Bereich der Eichenstraße in die nächste Runde gehen. Für alle drei Straßen hatte die Verwaltung neben einem Vollausbau für die Wiederherstellung von Fahrbahn und Gehwegen jeweils auch einen Plan für einen kostengünstigere, technisch geringer wertigen Teilausbau ausgearbeitet. Mit Blick auf die möglichen Folgekosten schlage die Stadtverwaltung als wirtschaftlichste Lösung vor, die drei Straßen im Vollausbau zu erneuern. Das legte Fachdienstleiter Gerd Gennart den Ortsratsmitgliedern dar. Der Vollausbau sei für die Stadt langfristig die günstigste Variante. Bei einem Teilausbau würden jeweils rund 20 Prozent der Kosten eingespart, damit verringere sich auch die Summe der wiederkehrenden Straßenausbaubeiträge. Der Ortsrat sprach sich mit den Stimmen der CDU, FDP und ABS mehrheitlich für diese günstigere Variante aus. SPD und Grüne hätten den Vollausbau favorisiert.

Von Anne Brinkmann-Thies