Menü
Schaumburger Nachrichten | Ihre Zeitung aus Schaumburg
Anmelden
Springe Wissenschaftler hält Wende bei Energieversorgung für machbar
Aus der Region Region Hannover Springe Wissenschaftler hält Wende bei Energieversorgung für machbar
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:52 27.11.2018
Klimaschutzmanagerin Katrin Härtel nutzte die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Prof. Dr. Volker Quaschning. Quelle: foto: Reinhold Krause
Anzeige
Springe

Er ist eine Koryphäe auf dem Fachgebiet regenerative Energiesysteme an der Hochschule für Technik und Wirtschaft, HTW Berlin: Professor Dr. Volker Quaschning. Der Klimaschutzagentur der Region Hannover gelang es jetzt, den Wissenschaftler für einen Vortrag im Otto-Hahn-Gymnasium zu gewinnen.

Anlass war die Veranstaltung „Erfolgsstrategien für die Energiewende vor Ort“, an der sich vier Kommunen – Laatzen, Hemmingen, Pattensen und Springe – gemeinschaftlich beteiligten. Quaschning verdeutlichte in seinem Vortrag den Spagat zwischen Vergangenheit, Realität und Zukunftsdenken. Um die globale Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen, müsse die Energieversorgung bis spätestens 2040 auf 100 Prozent erneuerbare Energie umgestellt sein. Technisch und ökonomisch sei das machbar, so der Wissenschaftler.

Anzeige

186 000 Millionen Klimaflüchtlinge

Das Szenario, das er präsentierte, dürfte wohl jeden nachdenklich stimmen. Wie Quaschning berichtete, gab es allein seit der letzten Eiszeit 20 000 v. Chr. einen Temperaturanstieg von 3,5 Grad Celsius, und der Meeresspiegel erhöhte sich um mehr als 100 Meter. Heute stören fossile Energien die Stabilität des Klimas, und es gibt immer mehr extreme Wetterereignisse. Von 2008 bis 2016 gab es 186 Millionen Klimaflüchtlinge. Es könne nicht angehen, dass die Bundesregierung immer noch den Neubau von Ölheizungen fördere, während sie in Norwegen, dem einzigen Ölförderland in Europa, längst verboten seien. Andere skandinavische Länder wie Dänemark zögen jetzt schon nach. 60 Milliarden Euro würden jährlich für Öl- und Gasexporte in der Bundesrepublik ausgegeben.

Abschaffung von Benzin- und Dieselmotoren bis 2030

Zudem forderte Quaschning die Abschaffung von Benzin- und Dieselmotoren ab 2025 und den Kohleausstieg bis 2030. „Wir müssen der Motor des Klimaschutzes sein“, lautete sein Statement. Die Regierung aber schaffe es nie und nimmer, die gesteckten Klimaziele auch nur annähernd zu erreichen.

Im anschließenden Dialog des Geschäftsführers der Klimaschutzagentur, Udo Sahling, mit den Vertretern der Kommunen, Axel Schedler (Hemmingen), Jürgen Köhne (Laatzen) und Christian Springfeld (Springe) konnten die Redner achtbare Ergebnisse in Sachen positiver Energieeinsparung präsentieren. Kritisiert wurde dabei, dass die für die Förderung seitens Bund und Ländern aufgelegten Fördertöpfe zu klein und der bürokratische Aufwand auch für kleine Maßnahmen zu hoch sei. Das Geld sei manchmal nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber die Richtung stimme.

Schlechter werdende Busversorgung und mangelhafte S-Bahn-Taktung

Während sich einige Teilnehmer der Diskussion zufrieden mit der Anbindung ihrer Kommune an den öffentlichen Personennahverkehr und Straßenverbindungen zeigten, kritisierten andere Besucher das nicht optimal getaktete S-Bahn-Netz. Die Windenergie wurde nur kurz am Rand gestreift, aber Springfeld wagte einen Hieb auf die Region, die sich um Ausdünnung der Busverbindungen bemüht. E-Mobilität, CO2-Ausstoß bei Flugreisen, Baumschutz, fehlende E-Ladestationen, Carsharing, aber auch bessere und sichere Unterstellmöglichkeiten für E-Bikes, viele Fragen und nicht immer die erwarteten Antworten.

Die Klimamanager betonten im Abschlussgespräch, wie wichtig ihre Arbeit innerhalb der kommunalen Verwaltung sei. Zeitverträge für diese Mitarbeiter seien kontraproduktiv. Firmen und Verbände aber auch Schüler lieferten mit ihren Infoständen beim „Markt der Möglichkeiten“ viel Wissen und Informationen rund um den Klimaschutz.

Von Reinhold Krause