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Springe So kämpfen Röse-Retter und Stadt gegen das Hochwasser
Aus der Region Region Hannover Springe So kämpfen Röse-Retter und Stadt gegen das Hochwasser
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18:41 01.11.2019
Und er baggert noch: Ein Mitarbeiter der Stadt sorgt dafür, dass Kanäle frei werden.  Quelle: Ralf T. Mischer
Völksen

 Städtischer Bauhof, Ortsrat und Bürger kämpfen gemeinsam gegen Hochwasser – und gegen die Folgen des Unwetters von vor zwei Wochen. So haben Stadtmitarbeiter gerade Kanäle umgebaut, die bei starkem Regen drohen überzulaufen. Das Wasser kann in diesem Fall nun in einen Nachbarkanal ausweichen . Querschlag nennen das die Profis. Und es war nicht die erste Maßnahme gegen überflutete Straßen.

In Gummistiefeln gegen die Verstopfung

Wenn es richtig dicke kommt, packen sich die Nachbarn um Dietrich zu Klampen Schippen und Spaten, ziehen sich die Gummistiefel an und befreien die Kanäle von Schmutz und Unrat, das sie zu verstopfen droht. „Wir sind die Röse-Retter“, sagt zu Klampen augenzwinkernd. Gegen die Wassermengen, die vor zwei Wochen herunterkamen, waren sie allerdings machtlos. Die Folgen sind bekannt: Wasser und Erde von den Feldern folgten den Gesetzen der Schwerkraft – und stürzten den Berg nach unten.

Per Bagger Wehre freigeräumt

Da kommt nun der Bagger ins Spiel: „Wir haben einen Querschlag installiert, damit das Wasser besser abfließen kann“, sagt Stadtmitarbeiter Jürgen Olschewski. Auch an der Samke an der Jägerallee oder in Bennigsen seien Wehre freigeräumt worden, berichtet Olschewski. Denn der nächste Regen kommt bestimmt.

Dabei lobt Dieter Erdmann vom Eigenbetrieb Stadtentwässerung ausdrücklich das Bürgerengagement der Röse-Retter: „Wenn sich ein Notfall ereignet, kann der Bürger ruhig schauen, ob da was gemacht werden kann. Das ist immer eine gute Tat“, lobt er. Und stellt heraus, dass Wehre und Einläufe stets frei sein müssten, etwa von Ästen, damit es nicht zur Überflutung kommt. Dazu habe es bereits ein Treffen mit Stadt, Eigenbetrieb, Ortsrat und Realverband gegeben, sagt er.

Völksen benötigt weitere Regenrückhaltebecken

Mit den freigeräumten Gräben ist es aber zumindest in Völksen nicht getan – davon ist Bürgermeister Andreas Wietstock überzeugt, der jetzt in der Ortsratssitzung über das Thema informierte. Demnach benötigt Völksen weitere Regenrückhaltebecken. Die Stadt versuche, das vorhandene Gelände am Bennigser Weg von dem Besitzer zu erwerben, um es vergrößern zu können. Es könnte auch einen Wall erhalten. Zusätzlich könnte im Steinbruch am Bennigser Weg ein Rückhaltebecken entstehen. Allerdings befindet sich auch diese Fläche im Privatbesitz. Und dann wäre da noch die Röse, die einen Wasserpuffer benötigt: „Für ein Regenrückhaltebecken dort brauchen wir 1000 Quadratmeter“, so Wietstock.

Unfall durch hochgedrückten Kanaldeckel

Ein Mitglied des Feuerwehrkommandos aus Völksen hatte sich bei dem Unwettereinsatz vor zwei Wochen verletzt: Ein Kanaldeckel in der Steinhauerstraße war hochgedrückt worden. In dieses Loch in der überfluteten Fahrbahn fuhr der Brandschützer mit seinem Auto. Was die Feuerwehrmänner ärgert: Dreimal mussten sie den verstopften Schachteimer allein in diesem Jahr reinigen. Der Unfall hätte nicht sein müssen.

Unrat nicht in Gullys fegen

Der „Topf“ soll jetzt regelmäßig von der Stadt kontrolliert werden. Außerdem ist für die Stelle ein deutlich schwererer Kanaldeckel vorgesehen. Ob sich die Situation bessert, hängt aber auch von den Bürgern ab, sagt Wietstock. Sie müssten lernen, ihren Unrat nicht in die Gullys zu fegen – Laub und Splitt verstopfen die Eimer. Kommt ein Starkregen, sind es aber auch diese vielen kleinen Schwachstellen, die eine Kettenreaktion auslösen.

  Ortsrat Vöksen: Überflutete Straßen wären vermeidbar gewesen

Die überfluteten Straßen und Keller beim Unwetter im Oktober wären vermeidbar gewesen – davon sind sowohl die SPD als auch die CDU Völksen überzeugt. Der städtische Eigenbetrieb Stadtentwässerung habe im Vorfeld seine Arbeit nicht gemacht.

„Da liegt ein Versäumnis der Stadt vor“, glaubt Frank Unger (CDU). Er prophezeit Schadensersatzforderungen von betroffenen Bürgern, deren Versicherung eine zweite Zahlung innerhalb weniger Monate verweigern würde.

Kritik gab es vom Ortsrat auch dafür, dass Ortsbürgermeister Andreas Wietstock die Maßnahmen habe anschieben müssen: „Das gehört überhaupt nicht zu den Aufgaben eines Ortsbürgermeisters.“

Von Ralf T. Mischer und Marita Scheffler