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Springe Was man beim Obstbaumschnitt beachten muss
Aus der Region Region Hannover Springe Was man beim Obstbaumschnitt beachten muss
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12:24 30.07.2019
Die Seminarteilnehmer informieren sich auf der Wiese hinter dem Klostergarten über den richtigen Obstbaumschnitt. Angeboten wurde das Seminar vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Quelle: Reinhold Krause
Wittenburg

Ein Obstbaumschnitt ist wie ein Friseurbesuch. Wenn man Äste und Haare nicht regelmäßig schneidet, dann wachsen sie unkontrolliert ins Uferlose. Nur bei den Bäumen reicht es, wenn man sie zweimal im Jahr beschneidet. Einmal zum Winter und das andere Mal im Sommer. Doch worauf muss beim Auslichten der Obstbaumkrone geachtet werden und welche Schnitttechniken sind von Vorteil? Darüber erfuhren die knapp 20 Teilnehmer eines Obstbaumschnittseminares mehr, das Diplom-Biologe Michael Ruhnau jetzt im Auftrag des Bundes für Umweltschutz (BUND) angeboten hatte.

Hierarchie im Obstbaum erkennen

„Die Hierarchie der Äste in einem Obstbaum zu erkennen ist das Wichtigste, ehe man mit dem Auslichten beginnt“, rät Diplom-Biologe Michael Ruhnau den Seminarteilnehmern im Klostergarten Wülfinghausen. Manch einer finde volle, blattdichte Obstbaumkronen gut, aber ob sie dann der Fruchtbildung förderlich sind, sei dahingestellt. Hier greift der Fachmann ein. Zuerst müsse die Stammverlängerung im Zentrum des Baumes gesucht oder gegebenenfalls bestimmt werden. Das heißt, man kann durch das Schneiden und Auslichten neue Hierarchien im Baum erstellen. Manche Krone der beispielhaft beschnittenen Bäume fiel dem Fachmann zum Opfer, da sich Nebenäste in ihrem steilen Wuchs besser als Stammverlängerung eigneten.

Eingriffe ins Wuchsverhalten

„Man kann nicht sofort behaupten, dass sich unser Eingriff in das gewünschte Wuchsverhalten umwandelt“, sagt der Fachmann. „Aber die Zeit wird zeigen, dass unser Handeln zum Erfolg führt.“ Nach einer kurzen theoretischen Einweisung führten Ruhnau und Klostergärtner Stefan Schneider die Seminarteilnehmer zur Wiese hinter dem Klostergarten. Die dortigen Kirsch- und Apfelbäume boten sich für den praktischen Unterricht an.Aber sollten die Teilnehmer lieber zu einer Astschere oder zu einer Säge greifen? „Das kommt darauf an, wie ich mich im und am Baum bewege“, erklärt Ruhnau unter einem Apfelbaum. Einige Bäume seien im vergangenen Jahr beim sogenannten Winterschnitt schon von ihm bearbeitet worden. Der Sommerschnitt sei dann oftmals nur eine nutzvolle Nachbearbeitung. Mancher Ast, teilweise schon von beachtlicher Stärke, sorgte für Gesprächsstoff. „Soll man ihn entfernen oder nur einkürzen?“

Bei richtiger Schnitttechnik geht es um Kronenaufbau

Ruhnau sorgte mit seinem Fachwissen für Klarheit, betonte aber auch, dass es immer auf den Kronenaufbau im Allgemeinen geht. Das Wissen um die richtige Schnitttechnik reicht vom Schnitt an jungen Trieben, dem Pflanz- und Aufbauschnitt sowie der Technik beim Verjüngen der Krone. Letzteres muss allerdings auf mehrere Jahre verteilt werden. Der Diplom-Biologe Ruhnau ist Gärtner aus Leidenschaft und Vorsitzender des bundesweiten Pomologen-Vereins. Er setzt sich für die Erhaltung alter Obstsorten ein und bietet Dienstleistungen rund um den Garten und deren Bewuchs vom Ziergehölz bis zum Obstbaum sowie Rat bei Krankheiten und Schädlingen an.

Am Ende des Seminars durften die Teilnehmer ihre mitgebrachten Baumsägen an Obstbäumen dann auch selbst ausprobieren.

Von Reinhold Krause