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Springe Ausweis verlängern im Schlafanzug: Das Springer Rathaus wird digital
Aus der Region Region Hannover Springe Ausweis verlängern im Schlafanzug: Das Springer Rathaus wird digital
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06:27 13.07.2019
Briefwahl beantragen per Handy: Die Bürger sollen im digitalen Rathaus unabhängig werden von den Öffnungszeiten. Quelle: Modler
Springe

Sonntagabend nach dem Tatort: Schon mal in den Schlafanzug schlüpfen, die Zähne putzen. Und dann? Mit ein paar Klicks den Reisepass verlängern, schnell das Knöllchen bezahlen oder gucken, ob es noch freie Termine im Standesamt gibt. Klingt wie Zukunftsmusik? Ist aber Pflicht: Bis Ende 2022 muss die Stadt ihre Dienstleistungen digital anbieten. Ein Mammutprojekt – das im Rathaus, aber vor allem für die Bürger viel verändern wird.

Die Springer sollen künftig, so die Idee, auf alles Zugriff haben – aus einer Hand, unabhängig von Zeit und Raum. Ein Auto abmelden im Strandurlaub? Klick. Elterngeld beantragen vom Sofa aus? Klick. Den Bürgermeister per Briefwahl wählen? Klick. 575 Verwaltungsleistungen, die künftig digital zur Verfügung stehen müssen, identifiziert das sogenannte Onlinezugangsgesetz. Geschehen soll all das mit einer einzigen, zentralen Anmeldung für die Angebote von Bund, Land und Kommunen.

Digitalisierung ist im Rathaus Chefsache

In der Verwaltung selbst macht sich diese Herausforderung schon jetzt bemerkbar: Bürgermeister Springfeld hat das Thema Digitalisierung zur Chefsache erklärt, hat seit gut einem Monat direkt bei sich einen Fachdienst angesiedelt, bei dem die Fäden für das ganze Haus zusammenlaufen. Gemeinsam mit Bernd Wittmoser (verantwortlich für Technik) und Marcus Stieg (verantwortlich für Organisation) will Springfeld, dass „Entscheidungen hier am Tisch fallen“ – und nicht auf langen Wegen im Haus zerrieben oder zerredet werden.

Wichtig aus Sicht der Stadt: „Wir wollen nicht einfach nur Formulare hochladen und dann hinterher wieder ausdrucken.“ Das Digitalkonzept soll vom Nutzer her gedacht werden und aus einem Guss kommen. Angefangen bei der elektronischen Akte, die zuerst im Rathaus eingeführt wird. In der zweiten Stufe soll auch die Bearbeitung von Vorgängen digitalisiert werden.

Auch Bebauungspläne könnten online verfügbar sein

Für den Bürger entscheidend wird dann Stufe 3 – die sogenannten E-Services: Personalausweise und Reisepässe, An- und Ummeldungen, Kfz-Angelegenheiten – der Fokus soll erst mal auf den am meisten nachgefragten Dienstleistungen liegen. „Ziel ist, dass man als Bürger nicht mehr auf die Öffnungszeiten angewiesen ist“, sagt Springfeld. Aber auch Bebauungspläne sollen beispielsweise als interaktives Kartensystem samt Geodaten verfügbar sein.

Am Ende soll ein System stehen, für das sich der Bürger nur einmal anmelden muss. Nicht nur die Stadt muss daher auf eine einheitliche Plattform setzen – auch Angebote von Land und Bund sollen sich abrufen lassen. Man sei im Vergleich zu anderen Kommunen schon weit fortgeschritten mit den Planungen, sagt Springfeld. Trotzdem sei das Vorhaben „ambitioniert“, so Seng – bis Ende 2022 ist nicht viel Zeit.

Die Software kostet 110.000 Euro

Wenn in den kommenden Jahren immer mehr Springer ihre Behördengänge online erledigen können – was passiert dann mit dem jetzigen Bürgerservice im Rathaus? Er bleibt, sagt Springfeld: Schließlich gebe es auch in einigen Jahren noch Bürger, die sich im Digitalen nicht wohl fühlen oder das persönliche Gespräch bevorzugen. Aber: Je nach Auslastung des digitalen Rathauses sei es durchaus denkbar, die Öffnungszeiten im echten Rathausd zu reduzieren: Die Mitarbeiter könnten ihre Ressourcen dann für andere Aufgaben nutzen.

Was kostet die Stadt all das? Die neuen Stellen sind schon vom Rat genehmigt; er sei „der Politik dankbar dafür, dass wir diesen Weg gemeinsam gehen“, sagt Springfeld. Alles, was danach kommt? Auf eine genaue Summe will sich der Bürgermeister nicht festlegen lassen – zu viele Faktoren sind noch unbekannt. Aber: „Das wird nicht unerheblich“, sagt Springfeld. Allein die Software für die neue digitale Aktenführung kostet einmalig gut 110.000 Euro, dazu kommen laufende Kosten von bis zu 30.000 Euro im Jahr – nur ein Bruchteil des gesamten Projekts.

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