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Springe Theaterstück macht auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam
Aus der Region Region Hannover Springe Theaterstück macht auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam
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18:52 28.11.2018
Ernstes Thema als Theaterstück: Renate Rommel (gespielt von Susann Kloß) wird in „Die Wortlose“ gedemütigt und sexuell genötigt. Quelle: Foto
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Springe

Ein Absperrband. Dahinter eine Couch, eine Zimmerpflanze, ein Kreideumriss. Anlässlich des internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am vergangenen Sonntag war am Dienstagabend nun im DRK-Haus das Schauspiel „Die Wortlose“ zu sehen. Es handelte von Renate Rommel (Susann Kloß), die von ihrem Ehemann gedemütigt und sexuell genötigt wird. „Ich habe mich gefühlt wie eine ausgeweidete Kuh“, klagte sie in ihrem Bühnenmonolog. Als sie nicht mehr weiter weiß, ermordet sie ihn.

Renate Rommel ist kein Einzelfall. Laut dem Niedersächsischen Landeskriminalamt stiegen zwischen 2013 und 2017 die Delikte der häuslichen Gewalt. „In Springe sind 70 Fälle bekannt“, sagte Hartmut Retzlaff, Leiter des Kriminaldienstes in Springe, während der Diskussionsrunde. Das Dunkelfeld sei aber viel höher, denn nur einer von zehn Fällen werde bekannt. „Der Beschuldigte schlug und würgte das Opfer“, „Der Beschuldigte trat und schlug das Opfer. Dieses verließ mit den Kindern die Wohnung“, aber auch „Das Opfer will den Beschuldigten nicht belangen, nachdem er dem Opfer den Ringfinger brach“, las Retzlaff aus den Akten vor.

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„Das Thema ist in allen gesellschaftlichen Schichten aktuell und immer noch mit viel Scham behaftet“, sagte Lydia Pfeiffer vom AWO-Frauenhaus. Oft kämen Frauen nach jahrelangem Martyrium. Viele von ihnen würden über Jahre hinweg von ihrem Umfeld isoliert und hätten keinerlei soziale Kontakte. Auch der Schritt in ein selbstständiges Leben sei schwer. „Viele Frauen durften nie selbstbestimmt leben. Sie haben kein Telefon. Viele durften keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen und wurden zur Arbeit gebracht. Einige hatten noch nie eine EC-Karte in der Hand.“

„Welche Wege führen in ein Frauenhaus?“, fragte Lena Rödiger, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt. Um Frauen zu schützen, werden Adressen der Frauenhäuser nicht veröffentlicht, antwortete Pfeiffer. Nach der Kontaktaufnahme würden die Frauen an einem Treffpunkt abgeholt. Bei extremer Gefahr für sie könne es passieren, dass sie sogar in einem anderen Bundesland unterkommen müssen. Eine weitere Anlaufstelle ist das kommunale Frauenzentrum in Ronnenberg, von dem Beate Janisch berichtete. Neben einer Beratungsstelle helfe es in vielen Lebenssituationen und leiste Präventions-, Öffentlichkeits- und Veranstaltungsarbeit.

Auch die Politik hat das Problem inzwischen erkannt. Im Januar 2002 trat das Gewaltschutzgesetz in Kraft. Damit hat die Polizei die Möglichkeit, den Gewalttäter der Wohnung zu verweisen. Ob das reiche? „Leider ignorieren viele Männer das Annäherungsverbot. Das Strafmaß ist nicht hoch genug“, sagte Janisch. Rödiger bedauerte, dass kein politischer Vertreter der Stadt vor Ort war, und hat eine wichtige Botschaft: Ein Frauenhaus im ländlichen Raum sei nötig. Denn bisher sind die Frauen auf Einrichtungen in Hannover und Hameln angewiesen. Die Hilfe werde auch vor Ort gebraucht.

Von Patricia Szabo