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Springe Gut fürs Klima: Springer Landwirte verteidigen die Zuckerrübe
Aus der Region Region Hannover Springe Gut fürs Klima: Springer Landwirte verteidigen die Zuckerrübe
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13:08 28.08.2019
Sind von der Rübe überzeugt: Bezirkslandwirt Björn Estorf (links) und der Geschäftsführer des Rübenanbauer-Verbands Südniedersachsen Dirk Wollenweber haben zwei Pflanzen aus dem Boden geholt. Quelle: Foto: Ralf T. Mischer
Gestorf

Nicht zuletzt deshalb fordert Estorf einen faireren Wettbewerb beim Anbau dieser Feldfrucht innerhalb der Europäischen Union. „Die Zuckerrübe bindet Kohlendioxid und spendet Sauerstoff“, erläutert Estorf den positiven Effekt der Feldfrucht, die er selbst auch anbaut. Dirk Wollenweber, Geschäftsführer des Rübenanbauer-Verbands Südniedersachsen, hat genau nachgerechnet: Demnach wird auf einer Fläche mit einem Hektar Größe so viel Sauerstoff produziert, dass 100 Menschen ein Jahr lang davon atmen könnten. Das ist, zugegeben, ein recht theoretischer Wert. Aber Estorf und Wollweber zielen in erster Linie auf die praktische Seite ab. Und darauf, dass es keine Feldfrucht gäbe, die mehr Sauerstoff produziere, die Rübe sei sogar effektiver als Wald. „Jetzt im August, während der höchsten Wachstumsphase, liefert jeder Hektar bis zu 150.000 Liter Sauerstoff am Tag“, sagt der Bezirkslandwirt.

Während die Zuckerrübe, folgt man der Beispielrechnung der Landwirte, an sich keine negativen Effekte aufs Klima haben dürfte, ist die Pflanze, umgekehrt, von der aktuellen Trockenheit durchaus betroffen. „Die Wurzeln der Rübe wachsen zwar bis zu zwei Meter tief – aber die Wasserreserven sind knapp“, sagt Estorf. Deshalb rechnet Wollenweber auch mit einer unterdurchschnittlichen Ernte für dieses Jahr. Generell komme die Rübe als Pflanze, die aus dem Mittelmeerraum stamme, im Vergleich etwa zu Getreide noch verhältnismäßig gut mit den Witterungsbedingungen zurecht.

Sorgen bereitet Wollenweber viel mehr die aktuelle Wettbewerbslage. Denn Landwirte im europäischen Ausland erhielten nicht nur staatliche Unterstützung für den Anbau der Rübe, auch seien sie dadurch benachteiligt, dass Bauern im europäischen Ausland für den Rübenanbau Pflanzenschutzmittel verwenden dürften, die in der EU eigentlich verboten sind. „Es gibt fast überall Ausnahmen, nur wir setzen die Vorgaben aus Brüssel eins zu eins um", sagt Wollenweber. Das führe dazu, dass deutsche Rüben auf dem Weltmarkt teurer sein als etwa Rüben aus Osteuropa.

Kampagne startet am 12. September

Die Anlieferung für Zuckerrübenan das Werk in Nordstemmen, zu dem die Landwirte in und um Springe ihre Feldfrüchte bringen, beginnt am 12. September. Die Verarbeitung der Rüben startet dann kurz nach Lieferbeginn.

Die Zeichen verheißenindes nichts Gutes: Während einer Proberodung hat die Nordzucker AG einen Test gemacht. Ergebnis: Die Trockenheit macht die Ernte kompliziert. „Es war schon recht schwierig, die Rüben ohne Beschädigungen, Bruch, aus dem Boden zu bekommen", bilanziert die Nordzucker AG nach dem Ernteversuch. Es bleibe zu hoffen, dass es in den nächsten Wochen noch den einen oder anderen Regenschauer geben werde.

Björn Estorf aus Gestorferläutert, dass der Boden teilweise auch bei der Kartoffelernte so trocken und hart wird, dass er die Feldfrüchte beschädigt.

Von Ralf T. Mischer