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Springe 14 Jahre nach Kabul – Uwe Lampe zieht Bilanz
Aus der Region Region Hannover Springe 14 Jahre nach Kabul – Uwe Lampe zieht Bilanz
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11:49 11.10.2019
Im Lager: Uwe Lampe gut gelaunt im Camp Warehouse bei Kabul. Quelle: Uwe Lampe/Ralf T. Mischer
Springe/Kabul

Erich Maria Remarque sagte mal, dass er immer gedacht habe, jeder Mensch sei gegen den Krieg – bis er herausfand, dass es welche gibt, die nicht hingehen müssen. Uwe Lampe ist hingegangen, freiwillig: Als Verbindungsoffizier der Truppe zur Deutschen Botschaft in Kabul war er jeden Tag dem Risiko ausgesetzt, von Anschlägen der Taliban getötet zu werden.

Einsatz in einem von Kriegen dauergeplagten Land

14 Jahre später zieht der 66-Jährige während eines Vortrages bei den Aktiven Frauen eine Bilanz seines Einsatzes in dem von Kriegen dauergeplagten Land. „Ich fuhr jeden Tag vom Camp Warehouse, einer Militärbasis, zur Botschaft in Kabul“, sagt Lampe. Und nicht nur die Straßenverhältnisse seien schwierig gewesen damals, einer seiner Vorgänger, ein Presseoffizier, sei bei einem Anschlag getötet worden. Deshalb saß er da also in dem Wolf, einem Militärfahrzeug der Bundeswehr, „durch dicke Stahlplatten geschützt“. Der Schutz sei allerdings nicht allumfassend gewesen, sagt Lampe, „im Fall eines Anschlags hilft die wirksamste Umhüllung nichts“. Deshalb sei man „mit offenem Visier“ gefahren, um sehen zu können, „wenn da was kommt, damit wir reagieren könnten und damit wir nicht verrückt wurden“. Das umgekehrte Vorgehen, das Prinzip „Augen zu und durch“ im Straßenverkehr habe er häufiger bei den stärker gepanzerten amerikanischen Truppen beobachtet. Die dadurch entstandenen Unfälle mit zivilen Verkehrsteilnehmern hätten oft zu Unruhen in der Hauptstadt geführt.

Skeptisch den Missionszielen in Afghanistan gegenüber

Den Missionszielen des Afghanistan-Einsatzes, der Stärkung der Frauenrechte und der Demokratisierung des Landes, steht Lampe skeptisch gegenüber, wie er einräumt: Einerseits hätten Frauen in der Familie oft die Hosen an, andererseits glaubt er nicht, dass durch die Einführung demokratischer Institutionen eine Demokratie entstehe. „Demokratie fällt nicht vom Baum, sie braucht Zeit, um zu entstehen – und zwar Jahrzehnte.“

Amerikanern geht es um Truppenabzug ohne Gesichtsverlust

Die gegenwärtige Lage in Afghanistan – bis heute sind bis zu 1300 deutsche Soldaten im Einsatz – bewertet der Springer sehr kritisch. „Der Abbruch der Friedensgespräche zwischen den Amerikanern und den Taliban lässt nichts Gutes erwarten“, sagt er. Dabei gehe es den Amerikanern nicht um Frieden, sondern nur um das Bemühen, einen Truppenabzug ohne Gesichtsverlust umzusetzen. Und, daraus macht Lampe kein Geheimnis, wenn die Amerikaner sich zurückziehen, werden auch die deutschen Soldaten das Land verlassen, mutmaßt er gegenüber den Aktiven Frauen im DRK-Haus. Und unter dem Strich, mit Blick in die Zukunft, fürchtet Lampe, dass es den Amerikanern so gehen wird wie einst den Russen und vor ihnen den Briten: Die Besatzer erkannten damals, dass der Krieg im Land nicht zu gewinnen war. Und zogen ab.

„Heute bin ich ein dezidierter Kritiker des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr“, resümiert Lampe. „Hinterher ist man immer schlauer“, sagt er mit Blick auf die Tatsache, dass er sich einst freiwillig als Reservist für den Einsatz gemeldet hatte.

Von Ralf T. Mischer