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Springe Jagdhörner erklingen wild im Wald
Aus der Region Region Hannover Springe Jagdhörner erklingen wild im Wald
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15:48 25.06.2019
In einer besonderen Kulisse feiert die Jagdhornbläsergruppe unter der Leitung von Marcel Wolters ihren runden Geburtstag. Quelle: foto: Patricia Szabo
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Zunächst sind es nur Lisa Natalie Arnold und Rainer Frank, die sich im Wald auf einer Bank begegnen. Sie, eine entspannte, junge Joggerin. Er, ein Mann, der mit seinen Büchern eigentlich nur die Stille des Waldes sucht, bevor die Jagdhornbläser, zunächst unsichtbar, einen langen Grundton G zwischen den Bäumen erklingen lassen.

Idee stammt vom den Hermannshof-Mitgliedern

Nach und nach treten sie vor das Publikum und nehmen die Besucher in den kommenden 70 Minuten auf eine Reise zu Hegerufen, Jagdsignalen und Fanfarencollagen mit, während Frank, Arnold, der Schauspieler und Perkussionist Christian von Richthofen sowie der künstlerische Leiter des Hermannshofs, Eckhart Liss alias Pirol, für den humorvollen Teil des Abends sorgen.

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„Toll, was man alles aus so einem Metallteil herausholen kann“, kommentiert Arnold derweil das lange G, das nicht nur das Publikum mitreißt, sondern auch die anwesenden Hunde ein wenig nervös macht und diese in den metallischen Ton unverzüglich mit einem leisen Geheul einstimmen lässt.

Schauspiel rund um die Jagdkultur

Mit „Wild“, einem musikalisch-literarischen Performance-Ritt, feierte die Jagdhornbläsergruppe Springe unter der Leitung von Marcel Wolters ihr 60-jähriges Bestehen. Ausgedacht haben sich das erheiternde und gelungene Spektakel die Mitglieder des Hermannshofs, die in „Wild“ Musik, Literatur, Schauspiel, aber auch Natur und die Jagdkultur zu einer Einheit verschmelzen ließen.

Während Arnold und Frank über den Wolf und das Rotkäppchen schwadronierten, erschien ein Mann im Soldatenkostüm und einer Eisbox, der nicht nur auf der Suche nach Kräutern für Selbstgebranntes war, sondern die Protagonisten und das Publikum mit einem Wald-Schlagzeug-Solo unterhielt. Das Publikum erfuhr derweil, wie es sich laut einem Jagd-Knigge von Julius Stettenheim auf einer Jagd zu verhalten habe. Diese habe – sofern man nicht gerade dem Beruf des Jägers nachgehe – lediglich einen „gesellschaftlichen Anstrich“, las Rainer aus einem seiner vielen Bücher vor. Werde man also eingeladen, „sage man zunächst höflich zu und dann höflich wieder ab“. Aber auch daran, dass der ungeübte Jäger das Wild in der Wildhandlung reservieren, nicht mit geladener Flinte durch den Wald streifen und keine Jagdgeschichten erzählen sollte, denn „die Jäger kennen sie schon“, erinnerte der Autor in seinem 1899 erschienenen Werk.

„Es gibt nichts als Bäume“

„In der besten aller möglichen Welten gibt es nichts als Bäume“, hieß es derweil in „Eine waldreiche Geschichte“, von Franz Hohler, bevor der Pirol (Liss) an der Querflöte und von Richthofen am Eisbox-Schlagzeug mit einer dynamischen Improvisation loslegten.

Fazit: Ein halbes Jahr lang arbeiteten die Jagdhornbläser und das Hermannshof-Team an dem Stück. Herausgekommen ist dabei eine äußerst inspirierende Performance, das nicht nur die Ohren auf den herben Reiz der Jagdhornmusik öffnete, sondern auch die Gedanken für Neues.

Von Patricia Szabo