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Stadt Wunstorf Segler bleiben auf Kanal im Schlamm stecken
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09:57 29.07.2019
Wenn Alfred van Echten, Schriftwart im Yacht-Club von Hagenburg, den Peilstab einmal über Grund zieht, befördert er eine Menge dicken, fetten Modder ans Tageslicht. Quelle: Arne Boecker
Hagenburg

Das ohnehin tellerflache Steinhuder Meer hat seit einigen Monaten noch weniger Tiefgang. Ursache: zu wenig Regen, zu wenig Schnee. Unter dem Wassermangel leiden auch die, die das Steinhuder Meer für ihren Sport brauchen, quasi als nasses Stadion – die Segler.

Alfred van Echten und Karl-Heinrich Braun müssen vom Steg tief nach unten springen, um das kleine Elektroboot zu entern. „Eigentlich liegt es viel höher am Steg“, sagt van Echten, „hier fängt das Malheur also schon an.“ Van Echten ist Schriftwart des Yacht-Clubs von Hagenburg, Braun dessen Sportwart.

Ein paar hundert Meter muss überwinden, wer über den Hagenburger Kanal das Steinhuder Meer erreichen will. Unter finanziellen Mühen hat der Yacht-Club diesen Zubringer und den Hafen vor vier Jahren ausbaggern lassen. Die Menge entsprach der, die in 26.000 Badewannen passt. Braun zeigt auf das Wasser, das die Schraube aufwirbelt. „Schön hell und klar, oder?“ Van Echten macht es spannend: „Das wird sich gleich ändern.“

Eine schwarze Fahne zieht sich hinterher

Das Steinhuder Meer ist seit jeher nicht mehr als eine Mulde, gegraben von der jüngsten Eiszeit. Kein Bach speist frisches Wasser ein. „Was das Steinhuder Meer füllt, ist allein das Oberflächenwasser“, sagt van Echten. „Wir reden hier über Regen und Schnee.“

An der Mündung des Kanals verstummen die beiden Yacht-Club-Vorständler. Selbst Braun und van Echten, erfahrene Segler, müssen sich jetzt konzentrieren, um das Elektroboot nicht in den Sand zu setzen, der eigentlich Schlamm ist. „Man sollte sich so weit wie möglich steuerbord halten, fast am Steg langschrammen“, erklärt van Echten. (Unter Landratten steht „steuerbord“ für „rechts“.) Karl-Heinrich Braun dreht sich nach hinten und deutet noch mal ins Wasser. Die Schraube hat jetzt eine breite, tiefschwarze „Fahne“ aufgewirbelt. Van Echten zeigt auf Luftbläschen, die an die Oberfläche ploppen. Man sei offensichtlich schon durch Schlamm gepflügt. „Irgendwann“, so juxt der Schriftwart, „können hier die Enten zu Fuß gehen.“

Beweist die Tatsache, dass sich das Steinhuder Meer als Pfütze präsentiert, etwa den Klimawandel? „Na ja“, sagt van Echten, nimmt die Kappe ab und kratzt sich am Kopf. „Das Steinhuder Meer taugt vielleicht nicht als Beweis für den Klimawandel.“

Wassermangel ist keine neue Herausforderung

Der Schriftwart nimmt seine Finger zur Hilfe und zählt auf: „Es hat im Sommer des vergangenen Jahres nicht geregnet, es hat im Herbst nicht geregnet, es hat im Winter nicht geregnet oder geschneit, es hat in diesem Frühjahr nicht geregnet – und es regnet auch im Moment nicht.“ So kann an jedem Tag ein halber Zentimeter verdunsten, bei Wind auch mehr. Das, so van Echten, sei der Auslöser der Wasserstandskrise.

Hagenburgs Altvordere wie Heino Wacker, die ein halbes Jahrhundert im Blick haben, zucken beim Thema Klimawandel nur mit den Schultern. „Den Wassermangel hat es immer gegeben, wird es wohl immer geben“, sagt der frühere Auswanderer-Kapitän. Er nennt Faktoren, die die Krise verschärfen, einer ist der Wandel der Wasserwirtschaft. „Früher lief das Wasser von der Steinhuder Seite immer in das Meer, heute wird es von einem Düker unter dem Hagenburger Kanal bis zur Weser geschafft.“ Wacker kann die Jahre, in denen das Steinhuder Meer verflachte, aus dem Kopf hersagen, bis 1942 reicht seine Erinnerung zurück. „Damals ist mein Vater mit einem Boot an der Westseite des Wilhelmsteins aufgelaufen.“

Alfred van Echten hat jetzt eine Art hölzernen Peilstab hervorgekramt. Er senkt ihn zum Boden des Steinhuder Meeres. „Gerade mal 55 Zentimeter“, sagt er, „normal wären an dieser Stelle 105 Zentimeter. Segelboote haben, je nach Bauart, Tiefgänge zwischen 35 und 80 Zentimetern. Van Echten kratzt noch mal mit dem Fuß des Peilstabs über Grund. Der dicke, fette Schlamm, den er hochholt, glitzert im Sonnenlicht.

Nur Regen würde helfen

Dass diese Schlammschicht wächst, ist normal. Kleinlebewesen und Algen sinken zu Boden, verwandeln sich in Matsche. Die Nährstoffe, die die Landwirtschaft ins Steinhuder Meer spült, beschleunigen die Verschlammung. „Wir brauchen lang anhaltende Niederschläge“, sagt Yachtclub-Sportwart Braun, wischt sich den Schweiß von der Stirn und schaut in den wolkenlosen Himmel. Er lässt keinen Zweifel daran, dass er damit nicht einen Gewitterschauer meint, sondern Regen über Tage, besser Wochen – was auch immer die Touristiker darüber denken.

„Wenn sich Segler festfahren, können sie als Erstmaßnahme nur tüchtig krängen“, erklärt Alfred van Echten. (Unter Landratten steht „krängen“ für „Boot um die Längsachse drehen, sodass es schräg liegt“.) Funktioniert die Wackelei nicht, muss eines der Auswandererboote ran – Abschleppen im Flachwasser.

„Auch bei unseren Regatten müssen wir genau überlegen, wo wir die Segler entlang schicken können“, sagt Sportwart Braun. Die Malaise verringert auch die Zahl der Gäste, die mal für einen Törn auf das Steinhuder Meer wollen. „Es hat sich in der Segler-Szene herumgesprochen, dass es eine Wissenschaft sein kann, von unserem Hafen über den Hagenburger Kanal das Steinhuder Meer zu erreichen“, sagt Sportwart Karl-Heinrich Braun.

Von Arne Boecker

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