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Stadt Wunstorf Der Tätowierer als Trauerbegleiter: Interview mit Oliver Struwe von Bloody Kisses
Aus der Region Region Hannover Stadt Wunstorf Der Tätowierer als Trauerbegleiter: Interview mit Oliver Struwe von Bloody Kisses
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19:08 08.10.2019
Oliver Struwe betreibt Wunstorfs einziges Tattoo-Studio Bloody Kisses in der Hindenburgstraße. Trauer-Tattoos gehören für ihn zum Alltag. Persönlich findet er allerdings: "Trauer findet im Inneren statt, nicht nach außen gewandt". Quelle: Mario Moers
Wunstorf

 

Wie häufig stechen Sie Trauer-Tattoos?

Das kommt schon öfters vor, wenn der Hund, die Frau oder der Vater gestorben ist.

Welche Motive sind besonders beliebt?

Kreuz und Datum werden häufig tätowiert.

Ein anderer Tätowierer aus dem Raum Wunstorf tätowiert aus Prinzip keine Motive mit kirchlichem Bezug. Wie handhaben Sie das?

Neulich wollte einer ein Pentagramm haben und darunter "Heil Satan", hab ich auch gemacht – ich mache prinzipiell nur keine politischen und verbotenen Sachen. Aber ich mach dir auch einen Totenkopf oder den Nagel an die Stirn, das muss jeder selber wissen.

An welche Trauer-Tattoos erinnern Sie sich spontan?

Ein Sohn hat sich ein Segelboot stechen lassen, weil sein Vater gerne gesegelt ist. Eine Tochter eine Silhouette, hinter der helles Licht strahlt – die Mutter hatte davon zuletzt gesprochen. Aber geht es nur um Menschen?

Warum fragen Sie?

Trauer-Tattoos für Tiere sind noch verbreiteter als für Menschen. Ich muss ständig Katzen, Pferde oder Hunde tätowieren.

Ich spüre da eine gewisse Skepsis

Ich bin persönlich der Ansicht, Trauer trägt man in sich. Als Tätowierer raten wir generell davon ab, vorschnell Namen und solche Dinge zu tätowieren. Gerade bei Todesfällen, braucht es viel Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis, um das richtige Motiv mit dem Kunden herauszufinden.

Dann ist der Tätowierer auch ein Trauerbegleiter?

Ja. Du bist für die Kunden nicht nur in Todesfällen jemand, dem sie alle möglichen privaten Erlebnisse erzählen. Es gibt viele Leute, die wollen sich ausquatschen. Da kommt man sich manchmal vor wie ein Barkeeper in einem alten Film. Im Trauerfall ist deshalb die Herausforderung nicht das Kreative, sondern die richtige Ansprache. Man bespricht dann etwa, was die Kunden für eine Verbindung zu dem Verstorben hatten.

Das hört sich sehr intensiv an

Einige sind ganz froh, wenn sie darüber reden können. Andere fangen auch an zu weinen. Da musst du in dem Augenblick sehr sensibel sein. Du musst den Menschen, vor dir verstehen.

Das ist sicher nicht immer leicht

Eine Extremsituation ist es, wenn Eltern kommen, die gerade eine Fehlgeburt hinter sich haben. Das geht natürlich unter die Haut. Da habe ich das Bedürfnis einfache Sachen zu machen, etwas schlichtes. Vielleicht einen angedeuteten Stern.

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