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Stadt Wunstorf Amazon in Luthe: Ordner weisen Lieferfahrer in die Schranken
Aus der Region Region Hannover Stadt Wunstorf Amazon in Luthe: Ordner weisen Lieferfahrer in die Schranken
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17:17 07.11.2019
Eine Kolonne Liefertransporter um 9 Uhr am Donnerstagmorgen auf dem Weg zum Verteilzentrum an der Adolf-Oesterheld-Straße. Die Fahrzeuge eines Subunternehmers stellen sich am Straßenrand auf, um geschlossen die Lieferrampen anzufahren. Quelle: Mario Moers
Luthe

„Weiterfahren, ihr haltet hier den ganzen Verkehr auf.“ Die Einweiserin am Tor des Amazon-Verteilzentrums kennt am Donnerstagmorgen kein Pardon. Lieferfahrer, die auf den Nachbargrundstücken halten oder am Straßenrand auf die übrigen Fahrzeuge ihrer Kolonne warten, werden zügig und rigoros weitergeschickt. Den Verkehr am Laufen zu halten und die Nachbarschaft zu schonen, ist zur Anlieferzeit die Aufgabe einer ganzen Reihe in grellen Warnwesten gekleideter Amazon-Ordner. Drei Wochen nach Inbetriebnahme der Mammut-Verteilstelle ist das große Verkehrschaos im Industriegebiet-Süd ausgeblieben. Ganz ohne Probleme rollt die Versandware allerdings nicht vom Hof.

Ameisenüberfall an den ersten Tagen

„An den ersten Tagen war es ganz schlimm, wie ein unkoordinierter Ameisenüberfall“, schildert Florian Skreb den Amazon-Auftakt Ende Oktober. Der Bereichsleiter Spedition und Logistik beobachtet den Verkehr (Adolf-Oesterheld-Straße) aus seinem Büro in der alten Villa der Spedition Neukirch. Auf dem Hügel daneben grasen Schafe, vor ihm fahren nun täglich hunderte Transporter die Amazon-Laderampen an. Es sind vor allem junge Männer mit Migrationshintergrund, die hinter dem Steuer sitzen.

Der neue Nachbar bringt eindeutig Leben in das Industriegebiet, findet Skreb. Und er sei spürbar bemüht, die Belastung für den Verkehr und die Nachbarschaft gering zu halten. „Sie bemühen sich wirklich, haben sich angestrengt und Lösungen gefunden“, sagt er. Inzwischen liefe der Amazon-Verkehr „vernünftig und gesittet“ ab, resümiert der Logistiker. Die Spedition Neukirch profitiert auch wirtschaftlich von dem neuen Nachbarn. So nutzt Amazon die Luther Spedition etwa für große Transporte zwischen dem Sortierzentrum in Garbsen und dem Verteilzentrum.

Überall stehen Transporter

Deutlich zurückhaltender kommentiert der Geschäftsführer der ebenfalls angrenzenden Spedition Franke die Lage. „Die Situation ist noch nicht einzuschätzen“, lässt er über einen Mitarbeiter ausrichten. Ein Blick über die Parkbuchten der Albert-Einstein-Straße macht schnell klar, wo die Bedenken liegen. In dem gesamten weiteren Umfeld des Verteilzentrums gilt die Beobachtung: Wo parken erlaubt ist, steht ein weißer Liefertransporter.

Amazon unterhält keine eigene Flotte, sondern kooperiert mit zunächst zwölf Subunternehmern. Die reisen am Morgen entweder in Kolonnen an, oder parken kreuz und quer in der Nähe – außerhalb des Einflussbereichs der Amazon-Ordner. „Das Parkplatzproblem wird die ganze Straße langfristig haben“, schätzt Oliver B., Mitarbeiter der Spedition Kaufmann. Dass es auch anders geht, beweist ein Blick auf den Hof. Dort hat ein Spediteur aus Langenhagen Stellplätze reserviert. Amazon selbst hatte in einer Sitzung des Luther Ortsrats angekündigt, weitere Parkplätze auf einem Nachbargelände einrichten zu wollen.

Gerüchte und das Bemühen um Transparenz

Amazon Lieferfahrer tanken und klönen an der TAS-Tankstelle in der Kolenfelder Straße. Die örtlichen Tankstellen profitieren durch den zusätzlichen Umsatz, werden aber auch als Park- und Pausenplätze genutzt. Quelle: Mario Moers

Den vielleicht besten Blick auf Verkehr und Leben an der Adolf-Oesterheld-Straße haben die Mitarbeiter der M1-Tankstelle. „Da biegt gerade einer auf die Tanke“, informiert eine Amazon-Ordnerin ihren Kollegen. Der macht sich gleich auf den Weg, den Parkversuch eines Lieferanten dort kurzerhand zu unterbinden. „Es läuft alles ganz nett und freundlich ab, aber macht auch viel Arbeit“, erzählt die Tankwartin. Namentlich möchte sie nicht genannt werden.

In Gesprächen mit Anliegern und auch den eigenen Mitarbeitern ist eine gewisse Vorsicht gegenüber dem Global Player Amazon zu spüren. „Die Kunden beschweren sich nur, dass überall die Bullis rumstehen“, erzählt sie. Gemeinsam macht man sich auch Gedanken, „wie die Fahrer eigentlich alle hierher kommen“. Einige Lieferfirmen würden sie mit Bussen herfahren, erzählt man sich. In der kommenden Woche hat Amazon Medienvertreter nach Luthe eingeladen. Dann will man auch erklären, wie man die Verkehrsbelastung weiter senken möchte. Die Tankwartin sieht das alles gelassen. „Es ist kein Vollchaos und ein gutes Geschäft“.

Etwa zwei Wochen nach Inbetriebnahme des Amazon-Verteilzentrums in Luthe ist das große Verkehrschaos ausgeblieben. Deutliche Auswirkungen hat die Neuansiedlung dennoch auf den Verkehr und das Leben im Industriegebiet.

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Von Mario Moers

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